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Chronik Wien
01/22/2020

Rotenturmstraße: Zu viele Autos, zu wenige Mistkübel – aber entspannter

Bis die Umstellung von der Durchzugsstraße zur Begegnungszone ganz geglückt ist, dauert es noch.

von Julia Schrenk

Erwin ist in Fahrt. Seit 30 Jahren verkauft er Maroni auf der Rotenturmstraße. Und wer ihn fragt, ob sich seit dem Umbau zur Begegnungszone etwas geändert hat, bekommt eine eindeutige Antwort: „Schauen S’ Ihna um, was hat sich da geändert? Nix.“ Alles sei wie vorher.

Zumindest was die Optik betrifft, muss man Erwin widersprechen. Denn seit die Rotenturmstraße zu einer Begegnungszone umgestaltet wurde, gibt es dort keine Gehsteige mehr: Straße und Gehweg sind jetzt auf einer Ebene, die Pflasterung wurde erneuert. Alle paar Meter stehen Bänke (insgesamt 31), es wurden 16 Bäume gepflanzt.

Aber auch das lässt Erwin unbeeindruckt. „In Relation zu dem, was das gekostet hat, pfeif’ ich drauf, ob das schöner ausschaut oder nicht.“ Außerdem würden Mistkübel samt Aschenbecher fehlen, am Abend sei unter den Bänken alles voller Tschickstummel.

Im November wurde die Begegnungszone in der Rotenturmstraße von Vizebürgermeisterin und Planungsstadträtin Birgit Hebein (Grüne) eröffnet – ohne den Bezirksvorsteher der Inneren Stadt. Der war von Beginn an nicht einverstanden mit dem Projekt und ließ sich deshalb auch beim Fototermin zur Schlusssteinlegung nicht blicken.

Zwei Monate sind seitdem vergangen. Wie wird die neue Begegnungszone nun angenommen von Passanten und Wirtschaftstreibenden?

Wohlfühl-Atmosphäre

Martha Hutterer vom gleichnamigen Comic-Geschäft ist „freudig überrascht“, wie sie erzählt. Zuerst sei sie skeptisch gewesen – vor allem, weil sie mit den Geschäftsleuten der Mariahilfer Straße gesprochen habe (die waren anfangs ja nicht gerade begeistert über ihre eigene Begegnungszone).

Mittlerweile hat Hutterer ihre Meinung geändert. „Man geht gemütlicher durch die Straße, man fühlt sich wohler, es ist nicht mehr so eng“, sagt sie. Täglich hatten ja Touristengruppen, die vom Busparkplatz am Schwedenplatz über die Rotenturmstraße zum Stephansplatz geleitet werden, die Gehsteige verstellt. Zwar sind die Gruppe noch immer unterwegs, aber weil die Gehwege breiter sind, stören sie nicht mehr so sehr.

Ein Problem gebe es aber immer noch: den Verkehr. „Es erschreckt mich richtig, wie viele Autos da noch fahren“, sagt Hutterer.

Tatsächlich ist von der Verkehrsberuhigung in der neuen Begegnungszone noch wenig zu sehen. Die Rotenturmstraße ist eine beliebte Ausfahrtsstraße aus der City, vor allem Lieferanten und Taxis sind hier unterwegs. Längst dürften sich aber nicht alle an die Geschwindigkeitsbegrenzung von maximal 20 km/h halten.

Manche Taxler würden „arg schnell fahren“, beim Lokalaugenschein stehen immer wieder Lieferanten im Halte- und Parkverbot. „In der Früh stehen sie kreuz und quer, dass sogar die Polizei schlichten muss“, erzählt ein Passant.

Constanze Feigl von der Taschenboutique Alligator hält das für ein „Luxusproblem“. Es habe sich jetzt schon viel verbessert, die Leut’ würden vom Graben herflanieren. „Die Atmosphäre ist jetzt anders“ sagt Feigl.

Und im Frühling, wenn alles grün wird, werde die sicher noch besser.