In der Sobieskigasse parkt auf Höhe der Nummer 40 ein bepflanztes  Peugeot-Cabrio. Die Kräuter darin sind zur freien Entnahme.

© Florian Rainer

Chronik Wien
08/17/2021

Gelbes Rätsel für grünere Straßen: Wer hinter dem Cabriobeet steckt

Der Filmemacher Christoph Schwarz verlangt mit seinem Cabriobeet in der Sobieskigasse eine gerechtere Platzverteilung im öffentlichen Raum.

von Stefanie Rachbauer

Seit etwas mehr als einer Woche gibt es in der Sobieskigasse ein Rätsel. Gegenüber der Hausnummer 40 steht ein quietschgelbes Peugeot 306 Cabrio mit Parkpickerl für den 9. Bezirk, das mit Erde gefüllt und mit Kräutern wie Minze, Oregano und Rosmarin bepflanzt ist.

Unter den Anrainern hat es sich schon ein bisschen herumgesprochen, was es damit auf sich hat. Nun erfährt auch die breite Öffentlichkeit des Rätsels Lösung: Es handelt sich um die Aktion „Cabriobeet Straßenkräutzer“, hinter der ein Mann namens Christoph Schwarz steckt.

Er ist 40 Jahre alt, Filmemacher. (Und nicht mit dem gleichnamigen KURIER-Redakteur verwandt). Schwarz hat keinen Führerschein und kein Auto – aber eine genaue Vorstellung davon, wie das Verhältnis von Platz für den motorisierten Verkehr und Freiflächen in der Stadt aussehen sollte: nämlich ziemlich anders als jetzt.

Komplizierter Behördenweg

„Für nur zehn Euro pro Monat kann man mit einem Parkpickerl den öffentlichen Raum privatisieren“, sagt Schwarz. Wolle man aber etwas anderes als ein Auto auf die Straße stellen – zum Beispiel ein Hochbeet – werde es kompliziert und teuer. Und das sei ungerecht.

Beim Magistrat bestätigt man das indirekt: In der Parkspur dürfen grundsätzlich alle Fahrzeuge abgestellt werden, die für den Straßenverkehr zugelassen sind, heißt es.

Nach einer Prüfung und gegen eine Gebühr (zwischen 2,10 und 20,70 Euro pro Quadratmeter) ist das auch bei Baustellen und Schanigärten erlaubt. Ähnlich seien die Voraussetzungen für Hochbeete.

Weiters gibt es die Option, sogenannte Parklets – das sind Kombinationen aus Sitzmöbel und Hochbeet zum Selberbauen – aufzustellen. Für Parklets bezahlt man zwar keine Gebühr, man darf sie aber nur auf Ansuchen und nur direkt vor seinem Wohnhaus aufstellen.

Schwarz fordert einen viel niederschwelligeren Zugriff auf den öffentlichen Raum: Derzeit sei der einfachste Weg zu einem Hochbeet, ein Auto zu bepflanzen.

„Das ist ein schönes Symbol dafür, was schiefläuft. Was Autofahrern ermöglicht wird, muss allen Stadtbewohnern ermöglicht werden“, so der Filmemacher.

Ein Hochbeet für 10 Euro

Konkret heißt das: Jeder soll für 10 Euro pro Monat ein Beet, einen Kaffeetisch oder einen Wuzzler in die Parkspur stellen dürfen. Man nehme die aktuelle Platzverteilung viel zu selbstverständlich, so Schwarz.

Das zeige sich auch an den Reaktionen auf das Cabriobeet: „Die meisten denken, das ist ein Streich.“

Fortführung geplant

Die Konstruktion ist übrigens fahrtüchtig. Binnen 20 Minuten kann sie so umgebaut werden, dass der Fahrersitz frei ist und die Kräuter umher kutschiert werden können. Passanten dürfen sich an ihnen bedienen.

Schwarz hat das Cabriobeet gemeinsam mit Freunden gebaut: Die Basis ist eine Konstruktion aus Holz, Teichfolie schützt den Innenraum vor der Erde. Regnet es, kommt einer der Anrainer, um das Verdeck zu schließen und das Beet vor einer Überflutung zu bewahren.

Schwarz will das Gefährt jedenfalls bis Oktober auf der Straße lassen. Dann wird es eingewintert. Im Frühling soll es dann wiederkehren: Das Pickerl gilt noch für ein Jahr“.

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