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Female Space und Ladies Circle: Wo Frauen in Wien einfach Frauen sein können

Auch noch im Jahr 2026 suchen Wienerinnen Orte, die ihre eigene Lebensrealität in den Mittelpunkt stellen.
Chik Lit Wien

„Es gibt nicht die eine Gruppe von Frauen“, sagt die sozial- und genderorientierte Architektin Sabina Riss. Die Bedürfnisse einer Schülerin seien andere als jene einer jungen Mutter, einer Berufstätigen oder einer Pensionistin. Dennoch würden viele ähnliche Herausforderungen kennen – etwa wenn es um Sicherheit, Kinderbetreuung oder die Vereinbarkeit verschiedener Aufgaben im Alltag geht.

Auch wenn sich die Geschlechterrollen verändert haben, übernehmen Frauen nach wie vor einen großen Teil der Sorgearbeit. Laut AMS wenden Österreicherinnen durchschnittlich 4 Stunden und 15 Minuten pro Tag für unbezahlte Sorgearbeit auf – fast doppelt so viel Zeit wie Männer. Sie bringen Kinder in die Schule oder begleiten pflegebedürftige Angehörige. Dadurch seien ihre Wege oft vielfältiger und komplexer als jene vieler Männer, sagt Riss. 

Deshalb brauche es in Städten mehr als nur Straßenbeleuchtung und Frauenparkplätze. „Wichtig sind kurze Wege, ausreichend Sitzgelegenheiten, Schatten, öffentliche Toiletten und sichere Aufenthaltsmöglichkeiten“, betont sie.

Wien für Frauen

Planungs- und Entscheidungsprozesse seien über Jahrzehnte hinweg überwiegend von Männern geprägt worden. „Wien wurde nicht bewusst gegen Frauen geplant, aber auch nicht von beziehungsweise für sie“, so Riss. Viele Bedürfnisse von Frauen seien dadurch lange Zeit weniger berücksichtigt worden. 

Was für die Stadtplanung gilt, zeigt sich auch abseits von Gehsteigen, Parks und öffentlichen Plätzen. Viele Frauen wünschen sich Orte, die ihre Lebensrealität berücksichtigen – sei es durch Austausch, Gemeinschaft oder gegenseitige Unterstützung. In Wien entstehen deshalb immer mehr Angebote, die sich an Frauen richten.

Genau an diesem Punkt setzt Angelika Kittel an. Aus ihrem ehemaligen Yoga-Studio soll ein Female Space werden – ein Treffpunkt für Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen. 

„Viele Frauen stemmen unglaublich viel allein“, sagt Kittel. Dort sollen Workshops, Vorträge und gemeinsame Aktivitäten stattfinden. „Es soll ein Ort sein, an dem Frau einfach Frau sein kann“, sagt Kittel. „Wir müssen Räume haben, in denen wir uns öffnen und finden können.“ 

Mit diesem Wunsch ist Kittel nicht allein. Als Katharina Skalnik nach einem langen Aufenthalt im Ausland zurück nach Wien kam, hat sie sich bewusst nach einem Frauenkreis umgeschaut. „Ich wollte neue Freundinnen kennenlernen und bin auf den Ladies Circle gestoßen“, erzählt sie.

Ladies Circle

Heute ist Skalnik Präsidentin des Charity-Vereins für Frauen zwischen 18 und 45 Jahren. Im Ladies Circle gehe es aber nicht um berufliche Vorteile oder Karrieremöglichkeiten – sondern um Freundschaften, gemeinsame Projekte und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

„Viele unserer Mitglieder sind neu in Wien oder waren längere Zeit im Ausland“, sagt Skalnik. Andere seien auf der Suche nach einem sozialen Engagement oder wollten Menschen außerhalb ihrer eigenen Bubble kennenlernen. Die Mitglieder kommen aus ganz unterschiedlichen Berufen – von der Krankenschwester bis zur Mitarbeiterin des Bundeskriminalamts. 

„Es ist auch schön, einfach einmal nur in einer Frauengruppe unterwegs zu sein“, sagt Skalnik. Gemeinschaft ist jedoch nicht der einzige Grund, warum Frauen gezielt solche Orte aufsuchen. Für viele steht das Bedürfnis nach Sichtbarkeit und Austausch im Vordergrund. Genau das beobachten Paula Bolyos und Jenny Unger, die Besitzerinnen der feministischen Buchhandlung ChickLit in der Innenstadt.

Ort der Akzeptanz

Die unterschiedlichsten Menschen besuchen die Buchhandlung: junge Frauen, queere Personen, langjährige Aktivistinnen der Frauenbewegung, aber auch Männer, die sich mit feministischen Themen auseinandersetzen möchten.

„Für viele ist es wichtig, einen Ort zu haben, an dem sie akzeptiert werden und sich sicher fühlen“, sagt Bolyos. Die Buchhandlung sei deshalb weit mehr als ein Geschäft. Sie sei auch ein Ort des Austauschs. Anders als in klassischen Buchhandlungen würden feministische Themen hier nicht als Nische behandelt werden. Gewalt gegen Frauen, Rollenbilder oder LGBTQ+-Themen seien Teil des alltäglichen Gesprächs. „Bei uns geht es nicht darum, was sich am besten verkauft. Uns ist wichtig, dass unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden.“

Ob Gemeinschaft, Sichtbarkeit oder Unterstützung – die Bedürfnisse mögen unterschiedlich sein. Dass Einrichtungen wie ChickLit, der Ladies Circle oder Female Spaces weiterhin gefragt sind, bezweifelt keine der Betreiberinnen. Sie sind davon überzeugt, dass Orte wie diese auch künftig weiterhin gebraucht werden. „Das Interesse besteht und wir sind immer auf der Suche nach Mitgliedern“, so Skalnik vom Ladies Circle.

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