Warum gendergerechte Planung für alle von Vorteil ist
Eva Kail in der Seestadt Aspern.
Eva Kail ist die eine der Frauen, die in Wien in Sachen Stadtentwicklung viele Spuren hinterlassen hat. Über 35 Jahre ist sie in der Stadtplanung aktiv tätig.
In einem Podcast für die Seestadt mit Sabine Müller, Vorständin der Seestadt Aspern, geht Kail auf die Bedeutung gendergerechter Planung ein.
Kail betont, dass sie definitiv keine PR-Frau für die Seestadt sei. Und dennoch: „Wenn man sehen will, was ambitionierte Stadtplanung kann, dann soll man dorthin fahren. Da sieht man, wie eine Stadt der Zukunft aussieht.“
Frauen sichtbar gemacht
Sie verweist auf 64 Straßen, Parks und Plätze, die dort nach Frauen benannt sind, als wichtiges Zeichen für die Sichtbarkeit von Frauen. Müller verweist in dem Zusammenhang gerne auf den Pippi-Langstrumpf-Park, benannt nach dem „nicht gefälligen, nicht konformistischen und so fantasievollen Mädchen“.
„Auf einem Auge blind“
Stadtentwicklung mit Blick auf die Wege von Frauen sei oft schwierig gewesen, erinnert sich Kail: „Wenn man qualitätsorientierte Alltagsansprüche stellt, stößt man sehr rasch auf die Leichen im Schrank, sowohl inhaltlich, als auch mental bei vielen Menschen.“
Wenn Kail auf über 30 Jahre Stadtplanung zurückblickt, sagt sie: „Ich habe versucht, diese vielen verschiedenen Arten mentaler Widerstände mit Humor zu nehmen.“
Und Müller sagt: „Es gibt doch nichts, woran man sich bei Genderplaning stoßen könnte. Es geht um die Planung für Menschen, das ist nichts Ideologisches.“ Dazu ergänzt Kail aber deutlich: „Eine klare Planungshaltung steht schon dahinter, die einen verteilungspolitischen Ansatz verfolgt.“
"Stadt gerecht verteilen"
Im Genderplaning-Pilotbezirk Mariahilf habe man das mit „Stadt gerecht verteilen“ übersetzt. Es gebe ja Interessenkonflikte zwischen verschiedenen Gruppen. „Deshalb ist es so wichtig, zu erkennen, zulasten welcher Gruppe das stattfindet. Man muss die Genderbrille aufsetzen, sonst bleibt man auf diesem Auge blind“, stellt Kail klar.
Das unterstreicht auch Müller: „Das ist kein sozialromantisches Getue, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor, weil der Standort an Qualität gewinnt. Frauen und Männer können in einer Stadt, die gut geplant ist, ihre Wege schneller erledigen. Es ist sicherer, und es ist relevant für die Ansiedelung von Firmen.“
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