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Bürgerinitiative will neuen Stadtteil Rothneusiedl verhindern

Nicht zum ersten Mal machen die Bürger hier gegen ein Bauprojekt massiv mobil.
Mann steht neben dem Straßenschild „10. Rosiwalgasse“ auf einer Wiese vor Feldern unter wolkigem Himmel.

Steigt man bei der Haltestelle Indigoweg aus dem 16A aus, ist man am Stadtrand von Wien angekommen. Auf der einen Seite sind noch die letzten Wohnhäuser der Stadt, auf der anderen Seite geht der Blick ins Weite. Eine riesige Fläche Ackerland, am Horizont ist die S1 zu erkennen. Hören kann man sie von hier aus nicht. Es herrscht eine ländliche Ruhe hier, am südlichen Rand von Favoriten.

Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Genau hier soll das Stadtentwicklungsgebiet Rothneusiedl gebaut werden, dessen Pläne erst vor wenigen Wochen vorgestellt wurden. 

„Bestes Ackerland soll versiegelt werden“

9.000 Wohnungen für 21.000 Menschen sollen entstehen, davon zwei Drittel geförderter Wohnraum. Von den 124 Hektar Fläche, die das Stadtentwicklungsgebiet umfassen soll, entfallen 40 Hektar auf Grünraum, und davon wiederum rund 25 auf den sogenannten Grünen Ring – ein Park, der mit drei Kilometern Umfang den gesamten Stadtteil umschließen und alle Grünflächen verbinden soll.

Nicht genug, sagt Erich Guzmits, Sprecher der Bürgerinitiative „Stopp Megacity Rothneusiedl“. „Grüner Ring? Grüner als es jetzt ist, geht es gar nicht“, sagt er beim Lokalaugenschein mit dem KURIER. Er lebt seit über 30 Jahren in unmittelbarer Nähe des bislang unverbauten Gebiets. „Das ist bestes Ackerland, und das will man jetzt versiegeln.“

Schon vor rund zwanzig Jahren machte die Initiative gegen Bebauungspläne in Rothneusiedl mobil. Damals ging es um Pläne von Frank Stronach, der ein Stadion und ein Einkaufszentrum erbauen wollte. 7.000 Unterschriften wurden dagegen gesammelt.

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Ein neuer Stadtteil soll entstehen, Renderings gibt es bereits.

Nun geht es also um Wohnraum. Das Argument, dass dieser für die wachsende Stadt geschaffen werden müsse, will Guzmits nicht gelten lassen. „Die Kurve der Bevölkerungsentwicklung flacht schon total ab“, sagt er. 

Zwar soll das Wiener Bevölkerungswachstum in den kommenden drei Jahrzehnten tatsächlich moderater ausfallen als in zurückliegenden Jahren, die Kurve geht aber, wenn auch weniger steil, dennoch nach oben. Für den Wohnbedarf solle man aber erst die freien Flächen in der Stadt entwickeln, meint Guzmits. „So wie zum Beispiel am Nordwestbahnhof – das ist ein richtig gutes Projekt.“ Gleichzeitig solle am Leerstand in der Stadt angesetzt werden, meint Guzmits. „Dass es Wohnbedarf gibt, streitet ja niemand ab.

Hier draußen würden durch den neuen Stadtteil und die damit einhergehende Versiegelung, so die Befürchtung, zum einen Hitzeinseln entstehen und Frischluftschneisen für den Wiener Süden gekappt werden. 

Außerdem sei hier auch der Lebensraum von Feldhamstern, Rehen und Hasen – und ein Erholungsraum für Menschen. “Das ist hier wirklich Natur pur. Viele gehen hier ihre Runden spazieren„, sagt er und deutet auf einen Weg, der durch das Gelände führt.

Verkehrskonzept

Zudem drohe der Gegend ein Verkehrskollaps, sagt Guzmits. “Ab 2030 soll es hier schon Wohnungen geben, aber die U-Bahn soll erst 2040 bis Rothneusiedl verlängert werden.„ Und: “Es ist die falsche Reihenfolge. Die U-Bahn sollte zuerst kommen, bevor Wohnungen gebaut werden.„

Einen Shuttleservice, wie er zur Überbrückung geplant ist, sieht er wenig alltagstauglich. “Schon jetzt ist die Himberger Straße morgens und am Nachmittag verstopft und die Menschen suchen sich mit dem Auto Schleichwege durch die Wohngegend.„ Im Juli soll es einen Termin der Bürgerinitiative mit Marcus Franz, dem Bezirksvorsteher Favoritens (SPÖ) geben, bei dem es auch um das Verkehrskonzept gehen soll.

Ackerflächen wie die von Rothneusiedl, so Guzmits, würden die Versorgung der Stadt mit regionalen Agrarprodukten sichern können. “Wie weit soll Wien denn noch wachsen? Die letzten unverbrauchten Flächen sollten wir für die Ernährung der Stadt sichern.„

In Sachen Rothneusiedl ist Guzmits überzeugt, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. “Wenn alle, die gegen das Projekt sind, herkommen, dann bin ich überzeugt, dass das nicht gebaut wird.„

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