Testament and Last Will

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Chronik Wien
10/29/2021

Flussdelfine als Erben: Wien ist Spitzenreiter bei Testamentspenden

22 Prozent der über 40-jährigen Wiener stehen gemeinnützigen Testamenten positiv gegenüber.

von Agnes Preusser

Sie habe immer das Glück gehabt, genug im Leben zu haben, erzählt Silvia Pilarz. Sie wolle darum ärmeren Menschen helfen – und das auch über den Tod hinaus. Aus diesem Grund hat die Wienerin nun in ihrem Testament die Volkshilfe Wien vermerkt. „Die Entscheidung hat auch mit meinem Glauben zu tun“, sagt Pilarz. „Wir haben von Gott den Auftrag bekommen, unser geliehenes Gut verantwortungsbewusst einzusetzen.“

Dieses geliehene Gut soll später einmal via Volkshilfe an alleinerziehende Mütter und arme Kinder gehen. Mit dem Wunsch, ihr Geld einer gemeinnützigen Organisation zu hinterlassen, ist sie nicht alleine. Konkret können sich das rund 22 Prozent der über 40-jährigen Wiener vorstellen.

Das ergab eine Erhebung des Market Instituts im Auftrag der Initiative Vergissmeinnicht, eines Zusammenschlusses von 97 Organisationen, die auf Testamente mit gemeinnützigem Zweck aufmerksam machen wollen.

„Nirgends in Österreich ist die Bereitschaft für diese Art von Testamenten so hoch“, sagt Vergissmeinnicht-Initiator Günther Lutschinger. Das liege zum einen daran, dass es mehr kinderlose Haushalte in der Stadt als am Land gebe, aber auch daran, dass die Informationsdichte und die persönliche Bindung an Organisationen höher sei.

Finanzierung von Projekten

Tatsächlich sind wohl die meisten Bewohner Wiens schon mal von Fundraisern – also Spendeneintreibern – auf der Straße angesprochen worden. An diesen Einrichtungen kommt man in der Stadt also buchstäblich nicht vorbei.

Eine davon ist die Umweltschutzorganisation WWF. „Für uns sind diese Testamente sehr wichtig, damit wir Projekte fortsetzen oder initiieren können“, sagt Andrea Johanides, Geschäftsführerin von WWF Österreich. Im Schnitt gehen beim WWF pro Jahr 7 bis 9 Millionen Euro Spenden pro Jahr ein, rund 300.000 Euro stammen aus Nachlässen.

Die Spenden kann man dabei für seine eigenen Herzensanliegen zweckwidmen. Erst kürzlich kam der Nachlass einer Dame einem Projekt in Peru zugute, sagt Johanides. Dort werden pro Jahr rund 150.000 Hektar Regenwald vernichtet. Der WWF setzt sich vor Ort für bedrohte Tiere wie Flussdelfine oder Jaguare ein – nun eben verstärkt mit dem Geld der Dame.

Tiere im Fokus

Prinzipiell sind bedrohte Tiere bei den Nachlässen beliebt – so zum Beispiel Schneeleoparden und Tiger. 2020 waren Tiere sogar erstmals der beliebteste Spendenzweck der Österreicher, noch vor Kindern und der Katastrophenhilfe im Inland.

Warum Menschen gemeinnützige Testamente machen, hat laut Befragung drei Hauptgründe. Circa die Hälfte will nach dem Ableben etwas Gutes tun, rund 35 Prozent haben einen persönlichen Bezug zur Organisation. Und jeder Fünfte will verhindern, dass sein Vermögen an den Staat geht. Dies trete dann ein, wenn es kein Testament und keine gesetzlichen Erben gibt, erklärt Notar Christoph Beer.

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