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Chronik Wien
09/06/2021

Erneute Blockade von Stadtautobahn-Baustelle durch Aktivisten

Baustelle in der Hausfeldstraße wird seit den Morgenstunden von rund 70 Aktivisten besetzt. Stadt sieht von Räumung ab.

von Kevin Kada, Bernhard Ichner

Seit 6 Uhr Montagmorgen besetzen 70 Klimaschützer von "System Change, not Climate Change", "Extinction Rebellion", "Fridays for Future" und Jugendrat eine Baustelle der Stadtstraße in der Hausfeldstraße. Maskiert und mit Transparenten nehmen sie die Bagger in Beschlag.

Damit protestieren Aktivisten gegen den Bau der Zubringerstraße zur Lobau-Autobahn S1. „Die Politik kämpft mit voller Kraft gegen junge, friedliche Aktivist*innen, die alles geben, um unsere Zukunft zu retten. Diese Energie sollte lieber in umfassende Klimaschutzmaßnahmen gesteckt werden, statt in Autobahnen, die noch mehr Stau bringen", sagt die 17-jährige Fridays-For-Future-Aktivistin und Schülerin Belinda Szabo.

 

Die Forderung der Aktivisten ist ein sofortiger Stopp des Baus. Der Appell richtet sich vor allem an den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), der, laut Vorwurf der Aktivistinnen und Aktivisten, unter anderem durch irreführende Werbekampagnen der Stadt Wien immer mehr in den Fokus gerät.

So werfen die Klimaaktivisten dem Bürgermeister und der Stadt unter anderem vor, man würde mit durch Steuergeld finanzierte Werbeanzeigen und eine eigene Homepage "irreführende Informationen bis hin zu Fake News" verbreiten". Dies stößt auf viel Ärger, wie Anna Guggenbichler von Fridays for Future meint: "Derartig verantwortungslose Aktionen zeigen aber auch, dass unser Protest wirkt und die Autobahn-Befürworter in der Stadtregierung schon ziemlich nervös sind."

Dialog mit Aktivisten

Seitens der Stadt Wien will man von einer Räumung der Baustelle bis auf Weiteres absehen. Man werde mit den Aktivisten in Dialog treten und versuchen, sie von der Sinnhaftigkeit der Stadtstraße zu überzeugen, sagt Thomas Keller, Chef der MA28 (Straßenbau).

"Zum einen geht es darum, ein Stadterweiterungsgebiet mit 60.000 Bewohnern an den hochrangigen Verkehr anzuschließen. Und zu anderen werden Stadtteile wie Hirschstetten, die im Verkehr ersticken, durch die Stadtstraße entlastet", führt Keller aus.

Ob trotz der Blockade auf der Baustelle weitergearbeitet werden kann, ist noch nicht geklärt.

Nicht zum ersten Mal in den letzten Wochen besetzen Aktivistinnen und Aktivisten eine Baustelle für die Stadtstraße. Bereits am vergangenen Montag wurde die Baustelle der Stadtstraße an der Hirschstettner Straße besetzt. Diese Blockade dauert noch immer an. Und auch hier hat der Baustellenbetreiber - in dem Fall die Asfinag - von einer Räumung bis dato abgesehen.

Mitte August besetzten zudem 20 Personen die Baustelleneinfahrt zu jener Baustelle, die nun von den Aktivisten blockiert wird.

460-Millionen-Euro-Projekt

Nach den Vorarbeiten soll mit dem Bau der Stadtstraße Ende des heurigen Jahres begonnen werden, die Verkehrsfreigabe ist für Ende 2025 avisiert, das Bauende 2026 geplant. Die valorisierten Projektkosten belaufen sich auf rund 460 Millionen Euro. Bei der Stadtstraße handelt es sich um eine Verbindungsstraße.

Die 3,2 Kilometer lange Strecke soll die Südosttangente (A23, Anschlussstelle Hirschstetten) mit der S1-Spange Seestadt Aspern bei der Anschlussstelle Seestadt West verbinden. Sie gilt als ebenso umstritten wie der geplante Lobautunnel.

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