Verlorenes Jahr im Stadthallenbad

Wiener Stadthallenbad,Wr.Stadthallenbad…
Foto: KURIER /gnedt martin Trockene Realität: Nach wie vor bleiben die Startblöcke im Stadthallenbad unbenutzt. Die Schuldfrage für die verpfuschte Sanierung wird wohl erst vor Gericht geklärt.

Der zum Jahreswechsel gekündigte Architekt sagt: „Der verhängte Baustopp war völlig unnötig“.

Ärger ohne Ende rund um die Sanierung des Stadthallenbads. Zum Jahreswechsel wurde der mit Baustelle befasste Architekt gekündigt. Daher gibt es nach wie vor keinen Eröffnungstermin.

Besichtigung des generalsanierten Stadthallenbades Foto: AP/Ronald Zak Sportstadtrat Oxonitsch verhängte den Baustopp Aber, und das ist die gute Nachricht, die schlimmsten Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet: Die Statik des Stadthallenbads wurde durch die Sanierung nicht beschädigt. Das ermittelten die Bau-Experten Prof. Johann Kollegger von der TU Wien und Prof. Ulf Nürnberger von der Hochschule für Technik in Stuttgart. Sie wurden beauftragt, die Sicherheit der Spannbetondecke, die das große Becken hält, zu prüfen. Befürchtet wurde, dass durch neue, am Boden befestigte Frischwasserdüsen der Spannbeton beschädigt worden sei.

Der KURIER erreichte Nürnberger in Stuttgart. „Noch ist der Abschlussbericht nicht fertig geschrieben“, sagt Nürnberger. Aber: „Die Lage ist bei Weitem nicht so kritisch wie angenommen. Es gibt auch keine nennenswerten Korrosionsschäden am Spannbeton.“

Verlorenes Jahr

Wiener Stadthallenbad,Wr Stadthallenbad,Sandra Hof… Foto: KURIER /gnedt martin Stadthallen-Geschäftsführerin Hofmann, davor Chefin der MA 51 Das ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker. „Das zeigt, dass der von Sportstadtrat Christian Oxonitsch verhängte Baustopp komplett unnötig war“, sagt der für die Sanierung verantwortliche Architekt Georg Driendl. Man sei am gleichen Wissenstand wie vor einem Jahr. „Hätte man damals die Probleme, die es gab, behoben, könnten die Wiener schon längst ihre Längen im Stadthallenbad schwimmen“, sagt Driendl. „Auch hätte man sich Geld für die teuren Sachverständigen sparen können.“

Denn nach wie vor untersuchen weitere Sachverständige im Rahmen eines gerichtlichen Beweissicherungsverfahren nach Mängeln, die bereits bekannt sind. Noch immer nicht abgeschlossen sind die Untersuchungen im Bereich des Hubbodens, wo die Wasserumwälzung Probleme macht. Auch der Hubboden selbst ist noch nicht repariert.

Zu Beginn der Bauarbeiten soll das Stadthallen-Management darauf beharrt haben, die 40 Jahre alte Technik nicht auszuwechseln. Mit dem Ergebnis, dass zwei Tage vor der Eröffnungspressekonferenz ein Teil des Hubbodens brach und Wasser in die Garderobe eintrat.

Zusätzlich verliert das große Becken knapp 100 Liter Wasser pro Tag – allerdings bei einer Füllmenge von vier Millionen Litern. Daher sollen diese Woche alle Schweißnähte des Beckens auf Löcher untersucht werden – eine Herkulesaufgabe, sind doch die Schweißnähte in Summe mehrere Kilometer lang. Gesucht wird ein stecknadelgroßes Loch.

Kündigung

driendl stadthalle architekt… Foto: christandl jürg Generalplaner Georg Driendl Sorgen, die sich Generalplaner Georg Driendl nicht mehr machen muss. Stadthallen-Geschäftsführerin Sandra Hofmann hat seinen Vertrag gekündigt und das mit Hingabe. Am 18. Dezember wurde Driendl beauftragt, eine Planung zur Tribünensicherheit zu erstellen. Deadline: 30. Dezember. „Für so eine Planung braucht man aber einige Wochen“, sagt Driendl. Bereits am 2. Jänner hatte der Architekt das Kündigungsschreiben am Schreibtisch.

„Das Vorgehen ist einzigartig und ungerechtfertigt“, sagt Driendl. „In meinem Vertrag steht, dass ich ein Recht auf angemessene Fristen habe.“ Doch Driendl macht sich keine Illusionen. „Die Stadthalle und die MA 51 waren zu jedem Zeitpunkt informiert. Ich denke, das wird vor Gericht ausgefochten.“

Die Verantwortlichen der Stadthalle waren am Sonntag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Das 1974 eröffnete Stadthallenbad wird derzeit generalsaniert. Seit Mai 2010 wird daran gearbeitet, das Architekturdenkmal Roland Rainers in ein Schwimmzentrum mit modernster Technik zu verwandeln. "Mit der Generalsanierung sichern wir langfristig den Fortbestand des Wiener Stadthallenbades als Leistungszentrum für den heimischen Schwimmsport." erklärte Wiens Sportstadtrat Christian Oxonitsch bei der Besichtigung der Baustelle. 

Klicken Sie ins Bild um fortzufahren! Mit rund 400.000 BesucherInnen im Jahr erfreut sich das Stadthallenbad großer Beliebtheit. Insgesamt werden rund 17 Millionen Euro investiert, um das Stadthallenbad wieder zu einem der modernsten Hallenbäder Österreichs zu machen. Mit der Generalplanung beauftragt wurde das Architekturbüro "driendl*architects". Besonders wichtig bei der Sanierung ist die Erhaltung des Architektur-Juwels von Roland Rainer. Denn immerhin steht das Wiener Stadthallenbad seit März 2010 auch unter Denkmalschutz. "Ganz im Sinne Roland Rainers führen wir die Generalsanierung mit größtem Respekt gegenüber der historischen Gebäudesubstanz durch", erklärt Arch. Mag. arch. Georg Driendl, Generalplaner für die Umbauarbeiten. Vor Baubeginn wurde eine detaillierte Bestandsaufnahme aller Räume, Installationen und Einrichtungen gemacht. Mittels zahlreicher Analysen wurde geklärt, in welcher Form die Boden- und Wandbeläge gestaltet werden müssen, welche Farben gewählt werden können oder wie die Brüstungen ausgeführt sein müssen. Das Bundesdenkmalamt hat gemeinsam mit dem Generalplaner einen umfangreichen Katalog mit Auflagen erstellt. Dabei wird nicht nur Rainers Architektur erhalten, sondern teilweise wird sogar der ursprüngliche Zustand aus den 70er Jahren wieder hergestellt. Teile der Fassaden, Treppen, Stahlstützen, Tribünen, Wandflächen, Säulen sowie der Beckenaußenwände werden rekonstruiert. Auch Rainers Farb- und Materialkonzept wird konsequent beibehalten. Künftig wird im neuen Wiener Stadthallenbad der gesamte Bade- und Normalbetrieb über den neuen Haupteingang in der Hütteldorfer Straße abgewickelt. Der bisherige Haupteingang am Vogelweidplatz wird nach der Generalsanierung zum exklusiven Eingang für Sportler, Presse und Sportbetreuung umfunktioniert. Das Wiener Stadthallenbad ist nicht nur eines der beliebtesten Bäder in Wien, sondern auch eines der wichtigsten Zentren für den Schwimmsport in Österreich. Für Training und Wettkampf werden daher moderne Absprungsockel an den Beckenrändern eingebaut und Adaptionen am Sprungturm vorgenommen. Auch vor der Technik macht die Sanierung nicht halt. Die Schwimmbecken werden nach aktuellen hygienischen Ansprüchen in Sachen Durchströmung und Wasserhydraulik adaptiert. Die Idee der sogenannten "finnischen Rinne" wird beibehalten. Zum einen sichert sie die optimale Durchströmung des Wassers, zum anderen wird dadurch der Wasserspiegel im Becken - wie von Rainer ursprünglich konzipiert - dem Niveau des Fliesenbodens angeglichen. Das generalsanierte Stadthallenbad wird sich auch durch komplette Barrierefreiheit auszeichnen. Dazu werden zwei behindertengerechte Liftanlagen, Duschen, WC-Anlagen und Garderoben eingebaut. Für eine bessere Orientierung im komplexen Raumprogramm des Stadthallenbades, werden Sicherheitseinrichtungen und Fluchtwege optimiert.

Stadthallenbad: Die unendliche Geschichte einer Sanierung

5. Oktober 2009 Der Gemeinderat beschließt einstimmig die Generalsanierung des Stadthallenbads, 17 Mio. Euro werden dafür veranschlagt. Der Wiedereröffnungstermin wird für September 2011 festgelegt.

2. Mai 2010 Die Sanierungsarbeiten im Bad starten.

Frühjahr 2011 Im Zuge der Arbeiten werden grobe Mängel beim Brandschutz entdeckt. Der Bauablauf muss daher neu geplant werden.

9. März 2011 „Wir sind zur Hälfte mit den Arbeiten fertig, es läuft alles nach Plan“, sagt Architekt Georg Driendl bei einer Baustellenführung.

September 2011 Das Bad kann wegen Bauverzögerungen nicht wie vorgesehen eröffnet werden, als neuer Eröffnungstermin wird das 4. Quartal 2011 angegeben.

22. Dezember 2011 Sportstadtrat Christian Oxonitsch kündigt die Wiedereröffnung des Bades für Februar 2012 an. Zwei Tage zuvor brach ein Teil des Hubbodens, massive Wasseraustritte waren die Folge.

23. Jänner 2012 Wien Holding, MA 51 und Sportstadtrat verhängen einen Baustopp und veranlassen die gerichtliche Beweissicherung.

31. Jänner 2012 Der Baustopp wird für Teilbereiche wieder aufgehoben.

Mai 2012 Die ersten Gerichtssachverständigen nehmen ihre Arbeit auf.

25. September 2012 Die Becken werden erstmals befüllt. Sie sind weiter undicht.

(kurier) Erstellt am
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