Chronik | Wien 14.01.2013

Verlorenes Jahr im Stadthallenbad

Wiener Stadthallenbad,Wr.Stadthallenbad © Bild: KURIER /gnedt martin

Der zum Jahreswechsel gekündigte Architekt sagt: „Der verhängte Baustopp war völlig unnötig“.

Ärger ohne Ende rund um die Sanierung des Stadthallenbads. Zum Jahreswechsel wurde der mit Baustelle befasste Architekt gekündigt. Daher gibt es nach wie vor keinen Eröffnungstermin.

Sportstadtrat Oxonitsch verhängte den Baustopp
Der Wiener Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPOe) fasst sich am Donnerstag (22.12.11) in Wien (Oesterreich) bei einer Press… © Bild: AP/Ronald Zak
Aber, und das ist die gute Nachricht, die schlimmsten Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet: Die Statik des Stadthallenbads wurde durch die Sanierung nicht beschädigt. Das ermittelten die Bau-Experten Prof. Johann Kollegger von der TU Wien und Prof. Ulf Nürnberger von der Hochschule für Technik in Stuttgart. Sie wurden beauftragt, die Sicherheit der Spannbetondecke, die das große Becken hält, zu prüfen. Befürchtet wurde, dass durch neue, am Boden befestigte Frischwasserdüsen der Spannbeton beschädigt worden sei.

Der KURIER erreichte Nürnberger in Stuttgart. „Noch ist der Abschlussbericht nicht fertig geschrieben“, sagt Nürnberger. Aber: „Die Lage ist bei Weitem nicht so kritisch wie angenommen. Es gibt auch keine nennenswerten Korrosionsschäden am Spannbeton.“

Verlorenes Jahr

Stadthallen-Geschäftsführerin Hofmann, davor Chefin der MA 51
Wiener Stadthallenbad,Wr Stadthallenbad,Sandra Hofmann © Bild: KURIER /gnedt martin
Das ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker. „Das zeigt, dass der von Sportstadtrat Christian Oxonitsch verhängte Baustopp komplett unnötig war“, sagt der für die Sanierung verantwortliche Architekt Georg Driendl. Man sei am gleichen Wissenstand wie vor einem Jahr. „Hätte man damals die Probleme, die es gab, behoben, könnten die Wiener schon längst ihre Längen im Stadthallenbad schwimmen“, sagt Driendl. „Auch hätte man sich Geld für die teuren Sachverständigen sparen können.“

Denn nach wie vor untersuchen weitere Sachverständige im Rahmen eines gerichtlichen Beweissicherungsverfahren nach Mängeln, die bereits bekannt sind. Noch immer nicht abgeschlossen sind die Untersuchungen im Bereich des Hubbodens, wo die Wasserumwälzung Probleme macht. Auch der Hubboden selbst ist noch nicht repariert.

Zu Beginn der Bauarbeiten soll das Stadthallen-Management darauf beharrt haben, die 40 Jahre alte Technik nicht auszuwechseln. Mit dem Ergebnis, dass zwei Tage vor der Eröffnungspressekonferenz ein Teil des Hubbodens brach und Wasser in die Garderobe eintrat.

Zusätzlich verliert das große Becken knapp 100 Liter Wasser pro Tag – allerdings bei einer Füllmenge von vier Millionen Litern. Daher sollen diese Woche alle Schweißnähte des Beckens auf Löcher untersucht werden – eine Herkulesaufgabe, sind doch die Schweißnähte in Summe mehrere Kilometer lang. Gesucht wird ein stecknadelgroßes Loch.

Kündigung

Generalplaner Georg Driendl
driendl stadthalle architekt © Bild: christandl jürg
Sorgen, die sich Generalplaner Georg Driendl nicht mehr machen muss. Stadthallen-Geschäftsführerin Sandra Hofmann hat seinen Vertrag gekündigt und das mit Hingabe. Am 18. Dezember wurde Driendl beauftragt, eine Planung zur Tribünensicherheit zu erstellen. Deadline: 30. Dezember. „Für so eine Planung braucht man aber einige Wochen“, sagt Driendl. Bereits am 2. Jänner hatte der Architekt das Kündigungsschreiben am Schreibtisch.

„Das Vorgehen ist einzigartig und ungerechtfertigt“, sagt Driendl. „In meinem Vertrag steht, dass ich ein Recht auf angemessene Fristen habe.“ Doch Driendl macht sich keine Illusionen. „Die Stadthalle und die MA 51 waren zu jedem Zeitpunkt informiert. Ich denke, das wird vor Gericht ausgefochten.“

Die Verantwortlichen der Stadthalle waren am Sonntag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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Stadthallenbad: Die unendliche Geschichte einer Sanierung

5. Oktober 2009 Der Gemeinderat beschließt einstimmig die Generalsanierung des Stadthallenbads, 17 Mio. Euro werden dafür veranschlagt. Der Wiedereröffnungstermin wird für September 2011 festgelegt.

2. Mai 2010 Die Sanierungsarbeiten im Bad starten.

Frühjahr 2011 Im Zuge der Arbeiten werden grobe Mängel beim Brandschutz entdeckt. Der Bauablauf muss daher neu geplant werden.

9. März 2011 „Wir sind zur Hälfte mit den Arbeiten fertig, es läuft alles nach Plan“, sagt Architekt Georg Driendl bei einer Baustellenführung.

September 2011 Das Bad kann wegen Bauverzögerungen nicht wie vorgesehen eröffnet werden, als neuer Eröffnungstermin wird das 4. Quartal 2011 angegeben.

22. Dezember 2011 Sportstadtrat Christian Oxonitsch kündigt die Wiedereröffnung des Bades für Februar 2012 an. Zwei Tage zuvor brach ein Teil des Hubbodens, massive Wasseraustritte waren die Folge.

23. Jänner 2012 Wien Holding, MA 51 und Sportstadtrat verhängen einen Baustopp und veranlassen die gerichtliche Beweissicherung.

31. Jänner 2012 Der Baustopp wird für Teilbereiche wieder aufgehoben.

Mai 2012 Die ersten Gerichtssachverständigen nehmen ihre Arbeit auf.

25. September 2012 Die Becken werden erstmals befüllt. Sie sind weiter undicht.

Erstellt am 14.01.2013