Das Ermittlerteam um Ronald Rumpl, Thomas Mocnik, Thomas Patek, Günter Ofenböck, Martin Grasel und Thomas Purgar hatte wesentlichen Anteil bei der Zerschlagung des Geflechts aus Scheinfirmen

© Die Kriminalisten/F. Germadnik

Chronik Wien
10/18/2021

„Wolf von Sofia“ gefasst: Ermittler als "Kriminalisten 2021" ausgezeichnet

Anlagebetrug "Cyber-Trading-Fraud" mit 200 Millionen Euro Schaden geklärt. Fahnder des Bundeskriminal- und nö. Landeskriminalamtes ausgezeichnet.

von Patrick Wammerl

Allein in Österreich gab es mehr als 4.000 Opfer, weltweit beläuft sich der Schaden auf über 200 Millionen Euro. Einem Ermittlerteam aus dem Bundeskriminalamt und dem nö. Landeskriminalamt ist es zu verdanken, dass die Drahtzieher von einem der größten „Cyber-Trading-Frauds“ (Geldanlage-Betrug) in der Geschichte hinter Gitter sitzen oder demnächst in Wien vor Gericht stehen. Für den Ermittlungserfolg wurde den sechs Fahndern am vergangenen Wochenende große Ehre zuteil. Sie wurden im Rahmen eines Festaktes, der von der Vereinigung österreichischer Kriminalisten als Veranstalter ausgerichtet wurde, mit dem Award „Kriminalist 2021“ ausgezeichnet.

Der Fall hatte medial in aller Welt für Schlagzeilen gesorgt. Tausende gutgläubige Anleger waren dem „Wolf von Sofia“ auf den Leim gegangen. Den Beinamen bekam der israelische Cyberkriminelle Gal B. (33) in Anlehnung an den berüchtigten Börsenmakler Jordan Belfort (US-Filmbiografie „The Wolf of Wall Street“). Das österreichische Ermittlerteam war zusammen mit Kollegen aus Bulgarien, Deutschland und der Tschechischen Republik und den Staatsanwaltschaften Feldkirch und Saarbrücken den Anlagebetrügern seit 2019 auf der Spur.

Alles verloren

Ihnen gelang es, das Netzwerk zu zerschlagen, das mit betrügerischen Onlineplattformen ein Vermögen machte. Anlegern wurde mit Wetten auf Kursentwicklungen (sogenannte Binary Options) eine hübsche Rendite versprochen. „Die Plattformen sind so gut aufgebaut, dass sie von den legalen und seriösen Brokerseiten nicht zu unterscheiden sind“, schildert Martin Grasel vom Landeskriminalamt NÖ. Den Kunden wurde durch eine manipulierte Software massive Kursveränderungen vorgespielt, worauf die Opfer noch mehr Geld nachschossen und schließlich alles verloren. Rund 4.000 Österreicher wurden auf diese Art bereits als Opfer ausgeforscht. Die Dunkelziffer jener, die aus Scham die Sache gar nicht erst anzeigten, ist um ein Vielfaches höher.

Haftstrafen

Das Ermittlerteam um Ronald Rumpl, Thomas Mocnik, Thomas Patek, Günter Ofenböck, Martin Grasel und Thomas Purgar hatte wesentlichen Anteil bei der Zerschlagung des Geflechts aus Scheinfirmen. In kriminalistischer Kleinarbeit wurde das Puzzle rund um den Anlagebetrug und internationale Geldwäsche zusammen gesetzt. Mit Erfolg: Gal B. (33) wurde heuer in Wien rechtskräftig zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt.

In einigen Wochen steht mit einem Ex-Geheimdienstoffizier und Krypto-Millionär die nächste schillernde Figur des Cyber-Trading-Fraud in Wien vor Gericht. Der Israeli soll hinter der Software für den weltweiten Anlagebetrug stecken. Er hatte als Whistleblower die Behörden mit Daten versorgt. Insgesamt fanden im Zusammenhang mit dem Fall 20 Hausdurchsuchungen in fünf Ländern statt. Es kam zu 50 Kontoöffnungen und einigen hundert Vernehmungen. Involviert sind 70 namentlich bekannte Gesellschaften.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien hatte angesichts der umfangreichen Ermittlungen in der Causa zur effizienten Abwicklung des Großverfahrens ein Ermittlungsteam aus zwei Oberstaatsanwälten und einem Teamleiter gegründet. Nach Bildung eines Joint Investigation Teams (JIT) wurde mit der bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg errichteten Zentralstelle Cybercrime Bayern und der Staatsanwaltschaft Saarbrücken eng zusammen gearbeitet. Auch die Behörden in Bulgarien und Serbien waren eingebunden.

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