© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Wien
05/12/2021

Die Kellner wollen beim Impfen vorgereiht werden

SPÖ-Gemeinderat Kaske macht sich für Gastro-Betriebe stark. Stadt Wien steigt bei Selbsttests auf die Bremse.

von Josef Gebhard

Mit den am 19. Mai in Kraft tretenden Lockerungen sperrt auch eine Wiener Gastro-Institution auf: Das Schweizerhaus im Prater, berühmt für Bier und Stelzen. Betreiber Karl Kolarik bereitet sich schon vor, so wird es für das Lokal einen eigenen Covid-Beauftragten geben.

Bei aller Freude über die Öffnung sieht er aber ein Versäumnis seitens der Politik: „Es wäre absolut notwendig, dass die Service-Mitarbeiter in der Gastronomie so bald wie möglich geimpft werden. Schließlich haben sie intensiven Kundenkontakt.“

Wenig helfe das betriebliche Impfprogramm der Stadt Wien, das unter anderem auch auf Mitarbeiter mit direktem Kundenkontakt abzielt: „Wir haben uns dafür angemeldet, aber noch keinen Termin bekommen“, beklagt Kolarik.

Gäste und Mitarbeiter schützen

Ein eigenes Kellner-Impfprogramm fordert auch Peter Dobcak, Gastro-Fachgruppenobmann in der Wiener Wirtschaftskammer: „Das wäre zum Schutz der Mitarbeiter, aber auch der Gäste sehr wichtig.“

Dobcak rechnet damit, dass es allein in Wien 40.000 Service-Mitarbeiter in den Lokalen gibt. Er kann sich vorstellen, dass bei der Impf-Anmeldung eine eigene Kategorie für diese Berufsgruppe eingeführt wird, „oder man organisiert eine eigene Gastro-Impfwoche“. Ähnliche Forderungen würde es auch in Kärnten geben.

Unterstützung erhält der ÖVP-nahe Funktionär von SPÖ-Gemeinderat und Ex-AK-Präsident Rudolf Kaske. Auch er fordert von seinem Parteikollegen, Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, eine bevorzugte Impfung der Kellner: „Die Gefährdung des Servicepersonals ist möglicherweise noch höher als im Handel“, betont er. „Wenn das Projekt rasch umgesetzt wird, ist es eine Win-win-Situation für die Bevölkerung.“

Seitens der Stadt Wien ist aber nicht an ein eigenes Gastro-Impfprogramm gedacht, sagt ein Sprecher von Hacker. Er verweist auf das laufende betriebliche Impfprogramm: Kellner würden dort in die Kategorie 2 fallen. Für sie dürften die Impfungen – sofern genug Impfstoff vorhanden ist – Ende Mai beginnen, sagt der Sprecher.

„Sie kommen damit früher dran als in anderen Bundesländern, in denen die Reihung nach dem Alter erfolgt.“ Ein 20-jähriger Kellner sei aber zweifelsohne einem höheren Risiko ausgesetzt als ein 40-Jähriger, der im Home Office sitze.

Wien gegen Selbsttests

Indes taucht ein weiteres Problem auf: Geht es nach dem Bund, soll Gästen auch mit einem negativen Antigen-Test, der selbst durchgeführt wurde („Nasenbohrer-Test“), der Zugang in Gasthäuser erlaubt werden. „Diese Tests erwischen aber sechs von zehn positiven Fällen nicht. Wir wollen nicht, dass die Qualität der städtischen Test-Infrastruktur (Teststraßen, PCR-Gurgeltests, Anm.) verwässert wird“, betont der Hacker-Sprecher.

Deshalb überlegt man derzeit in Wien, die Nasenbohrertests nicht als Zugangstest für die Gastronomie zuzulassen. Rechtlich wäre das möglich: Ein Bundesland kann von sich aus strengere Maßnahmen ergreifen, als sie der Bund vorsieht. Eine Entscheidung soll noch diese Woche fallen.

 

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