© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Wien
09/18/2020

Die Corona-Testmisere: Wo es in Wien hakt

Die Teststrategie in der Hauptstadt steht in der Kritik. Was schief läuft, wie die Stadt gegensteuern will.

von Josef Gebhard, Julia Schrenk

Tage ohne Ergebnis, verzögerte Benachrichtigungen, Geschichten von Personen, die selbst ihre Kontaktpersonen informieren. Die Wiener Teststrategie wurde zuletzt heftig kritisiert. Aber funktioniert das Testen tatsächlich schlechter als anderswo? Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum kommen gerade aus Wien so viele Berichte über massive Wartezeiten für Testergebnisse?

Es fehlt schlichtweg am Personal. Sowohl bei der Gesundheitshotline, als auch bei den Testteams.

 

Engpässe gibt es auch bei den Labors, vor allem am Wochenende. Nur zwei der fünf privaten Labors werten auch am Samstag und Sonntag aus.

Durch PCR-Tests soll die Quarantäne der Pflegerinnen verkürzt werden

Warum ist die Gesundheitshotline 1450 in Wien aktuell überlastet?

Von Sonntag auf Montag gab es einen beachtlichen Anstieg bei den Anrufen: Von 4.453 auf knapp 19.000, zuletzt lagen sie immer noch bei rund 11.000, rechnet man im Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) vor. Darauf war man offenbar personell nicht vorbereitet. Inzwischen habe man beim Personal aufgestockt: Waren es im Frühsommer noch 130 Telefonisten, seien es jetzt 400, kommende Woche kämen 25 weitere dazu, heißt es.

Warum werden die Quarantäne-Bescheide so spät zugestellt?

Das Zustellen der Bescheide über die Verhängung der Quarantäne dauert bis zu zwei Wochen. Allerdings gilt die Isolationspflicht nicht erst ab Erhalt des Bescheides, sondern sobald die Gesundheitsbehörde die Quarantäne mündlich verhängt hat.

Warum wird über manche schon am Telefon Quarantäne verhängt, während andere tagelang auf das Testergebnis warten?

Weil es zwei verschiedene Testverläufe gibt. Zu den sogenannten freiwilligen Screenings zählen etwa die Gratis-Tests für Reiserückkehrer. Sie sind ausschließlich für Personen gedacht, die keine Symptome zeigen. Das Ergebnis gibt es in der Regel innerhalb von vier Tagen. Wer Symptome hat, ist angehalten, die Hotline 1450 anrufen. Denn über Verdachtsfälle wird dann telefonisch die Quarantäne verhängt.

Wie steht Wien im Vergleich zu ähnlichen Großstädten da?

Mit einer ähnlichen Einwohnerzahl habe etwa Hamburg die Krise viel besser im Griff, kritisiert ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec: Am 17. September habe es dort nur 46 Neuinfektionen gegeben, in Wien waren es 366. Auch bei den Gesamtinfektionen steht Hamburg weit besser da. Pro Tag käme man auf rund 10.000 Tests, Wien schaffe nur die Hälfte. In Hamburg seien nur 0,8 Prozent der Tests positiv, in Wien rund sechs – weit über dem von der WHO erklärten kritischen Wert von fünf Prozent. Der Hacker-Sprecher verweist darauf, dass in ganz Deutschland das Infektionsgeschehen geringer sei. Für die besseren Testraten macht er das Vorhandensein einer nationalen Pharmabranche in der BRD verantwortlich.

Es war abzusehen, dass spätestens im Herbst die Erkrankungszahlen wieder ansteigen. Warum hat man nicht schon früher Personal geholt?

Man habe sehr wohl schon seit dem Sommer Personal aufgestockt, heißt es aus Hackers Büro. Von der jüngsten Entwicklung wurde man aber anscheinend überrascht: „Wir haben einen Anstieg des Infektionsniveaus erwartet, wussten aber nicht, wann es genau passiert.“ Die Situation habe sich sehr rasch verschärft, die Infrastruktur konnte nicht ähnlich rasch mitziehen.

Andere Bundesländer ziehen Polizisten zum Contact Tracing heran. Warum verzichtet Wien darauf?

Dies gelte vor allem für ländliche Bezirke, die kein eigenes Personal haben, betont der Hacker-Sprecher. In Wien zieht man dazu Magistratsmitarbeiter heran. Aktuell sind es 350, 500 kämen jetzt dazu. Würde man stattdessen 500 Polizisten dazunehmen, müssten diese genauso eingeschult werden – und würden für ihr eigentliches Aufgabengebiet fehlen. „So reich gesegnet ist Wien nun auch nicht mit Polizisten“, so der Sprecher.

Warum verzeichnen manche Bundesländer viel mehr Quarantäne-Kontrollen?

Auch hier ortet Korosec massive Defizite in Wien. In Tirol habe es bis Anfang Juli 30.000 Überprüfungen durch die Polizei gegeben. In Wien waren es laut Büro Hacker bis dato etwa 2.400. „Selbst bei Heranziehen der Polizei wäre es illusorisch, lückenlos kontrollieren zu können“, kontert der Sprecher. Die Zahlen aus Tirol kann er nicht nachvollziehen.

Droht eine Verschiebung der Wien-Wahl?

Das ist derzeit kein Thema, wird von allen Seiten betont. Für sämtliche Phasen der Krise sei man gerüstet, die Wahl abzuhalten.

 

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