Konrad (re.) und Rot-Kreuz-Präsident Schöpfer (li.) danken den freiwilligen Helfern

© Kurier/Juerg Christandl (4)

Wien
06/09/2016

Christian Konrad: "Müssen Helfern Anerkennung zollen"

Flüchtlingskoordinator Christian Konrad hört Ende September auf. Am Donnerstag dankte er Freiwilligen in der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen KURIER-Haus.

von Johanna Kreid, Jürg Christandl

"Ich spreche schon ein bisschen Deutsch. Wie geht es Ihnen?", sagt der junge Mann aus Afghanistan. Selbstbewusst geht er auf Flüchtlingskoordinator Christian Konrad zu, schüttelt ihm die Hand und öffnet die Tür zu seinem Zimmer. Er ist einer jener Flüchtlinge, die derzeit im ehemaligen KURIER-Haus in der Lindengasse (Wien-Neubau) leben. Konrad, der noch bis Ende September als Flüchtlingskoordinator fungiert, war am Donnerstag in dem Quartier zu Gast, um den freiwilligen Helfern zu danken und einige der Bewohner persönlich kennenzulernen.

Dass er seinen Tätigkeit als Flüchtlingskoordinator nicht verlängern werde, gab Konrad ebenfalls am Donnerstag bekannt. Er habe von Beginn an gesagt, diese Funktion nur ein Jahr lang ausüben zu wollen: "Sowohl bei der Frage der Quartiere, als auch bei der Integration ist vieles angestoßen wurden. Das ist nun auf dem richtigen Gleis", sagte Konrad zum KURIER.

Zudem gebe es neue Führungspersönlichkeiten in der Regierung. "Selbstverständlich bekommen die Verantwortlichen das in Zukunft auch ohne mich hin", ergänzte Konrad. Nachsatz: "Es muss nicht jeder immer an seinem Sessel kleben." Bilanz wolle er erst im September ziehen – auch die Nachfolge werde im Herbst bestellt.

Der ehemalige Raiffeisen-General war im August 2015 zum Flüchtlingskoordinator bestellt worden, um zwischen Ländern, Gemeinden und Organisationen zu vermitteln.

Besuch bei den Helfern

Doch noch ist Konrad in seiner Funktion voll aktiv: Gemeinsam mit Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer präsentierte er am Donnerstag im ehemaligen KURIER-Haus eine neue Website (www.helfern-helfen.at), die freiwilligen Helfern als Plattform zur Vernetzung dient.

Vor allem aber wollte er den Freiwilligen danken: Aus den Schlagzeilen seien sie verschwunden, dennoch würden sie Tag für Tag sicherstellen, dass Flüchtlinge menschenwürdig versorgt werden: "Diese Leistung soll wieder in der Öffentlichkeit gezeigt werden. Wir müssen ihnen Anerkennung zollen", betonte Konrad.

Seit September 2015 werden in dem Haus in der Lindengasse Flüchtlinge untergebracht und betreut. Insgesamt waren es 50.000 Menschen: Anfangs wurde das Haus als Notquartier geführt, daher wurden auch viele Menschen, die am Westbahnhof angekommen waren, hier für kurze Zeit mit dem Nötigsten versorgt. Mehr als 2000 Helfer vom Roten Kreuz und von der Initiative "Team Österreich" betreuten die Neuankömmlinge in der Lindengasse.

Nun steht eine Umstrukturierung bevor: Freiwillige gestalten das Haus in ein Quartier für Menschen in der Grundversorgung um, die auf ihren Asylbescheid warten. Mehrere Familien werden in den kommenden Wochen einziehen.

Lokalaugenschein

Beim Lokalaugenschein am Donnerstag zeigte sich Christian Konrad beeindruckt von den Leistungen aller Helfer: "Die Bewohner der Nachbarschaft haben sich bemerkenswert engagiert. Wir hatten anfangs 10.000 Säcke voll mit Kleiderspenden", schilderte ihm einer der Freiwilligen. "Andere Helfer bieten laufend Deutschkurse und organisieren Ausflüge für die Bewohner. Demnächst wollen einige regelmäßig mit den Flüchtlingen Fußball spielen", fügte der Rot-Kreuz-Mitarbeiter hinzu. "Ausgezeichnet, denn junge Leute brauchen eine Beschäftigung", kommentierte Konrad.

Nach seinem Rundgang bilanzierte der Flüchtlingskoordinator: "So wird Integration möglich gemacht." Zum Abschied überreichte er einigen Helfern zum Dank Blumensträuße.

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