Der graue Alltag der Flüchtlinge

Im KURIER-Haus in der Lindengasse warten viele Flüchtlinge auf die Registrierung zum Asylverfahren.
Die Transitquartiere für Flüchtlinge sind mehr als ausgelastet.

Die Menschen sitzen in zwei Warteschlangen. In der rechten warten sie auf die Registrierung bei der Fremdenpolizei, in der linken auf die Registrierung beim Fonds Soziales Wien. Drei Stunden dauert es, bis sie drankommen. Auf jeder der zwei Seiten.

Im ehemaligen KURIER-Haus in der Lindengasse in Wien-Neubau haben in der Nacht auf Dienstag 434 Flüchtlinge übernachtet. Mitarbeiter und freiwillige Helfer von Rotem Kreuz und Team Österreich betreuen die Menschen. Die Flüchtlinge schauen müde aus und ausgelaugt. Viele sind krank, haben Durchfall. Die wenigsten von ihnen wollen weiterreisen.

Eigentlich sollten sie maximal zwei Tage in der Notschlafstelle verbringen, doch viele bleiben länger. "Manche Flüchtlinge, die sich schon registriert haben, müssen jetzt bis Ende Dezember, Anfang Jänner auf ihr erstes Interview warten", sagt Sarah Dunst, Leiterin der Notschlafstelle im KURIER-Haus.

Dazu kommt, dass viele Flüchtlinge, die bereits in der Grundversorgung seien, noch immer in der Notunterkunft schlafen: "Sie finden kein dauerhaftes Quartier." Dann komme es vor, dass die Menschen tageweise in dem einen, dann wieder tagelang einer anderen Notunterkunft schlafen.

Keine Quartiere

"Alle freuen sich immer über die weiße Karte, die ihnen den Eintritt in die Grundversorgung bescheinigt, aber später merken sie, dass es dadurch nicht besser wird", sagt die Flüchtlingsbetreuerin. "Das Grundproblem ist, dass es zu wenige Quartiere in der Grundversorgung gibt", sagt der Wiener Flüchtlingskoordinator Peter Hacker. Von den 6500 Transitplätzen in Wien sind aktuell 5000 an Asylantragsteller vergeben. Laut Hacker liegt das daran, dass die Bundesländer keine Grundversorgungsquartiere schaffen. "Es ist für uns eine glückliche Fügung der Rahmenbedingungen, dass die Flüchtlinge aktuell im Süden einreisen."

Kommentare