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Chronik Wien
08/02/2021

Bürgerproteste: Viel Beton im Penzinger Idyll

Fast wäre über die Aufregung zum neuen Wohnkomplex „Kennedy Garden“ Gras gewachsen, würde der große Bau nicht allmählich Gestalt annehmen.

von Magdalena Willert

Fast könnte man meinen, die Penzinger Straße sei der Ortskern eines kleinen Städtchens aus der Gründerzeit: Die Häuser sind nicht höher als drei Stockwerke, die Autos nicht schneller als 30 km/h und die Geschäftslokale klein und regional.

Wären da nicht der Baustellenlärm und die Lkw, die seit 2020 regelmäßig auf Höhe der Hausnummer 76 ein- und ausfahren. Blickt man hinein, erstreckt sich vor einem eine Großbaustelle samt acht Kränen. In der Penzinger Straße entsteht bis 2023 der sogenannte Kennedy Garden – ein Wohnkomplex der BUWOG mit insgesamt 512 Wohneinheiten. 273 davon sind Eigentumswohnungen, 238 sind zu mieten. Dazu kommen 431 Garagenplätze. Ein Teil davon soll bereits nächstes Jahr bezugsfertig sein.

Im Grätzl des 14. Bezirks sorgt das Projekt schon seit der Planungsphase für heftige Kritik. Diese richtete sich gegen die Verdichtung von Penzing durch Großbauten und die Zerstörung des historischen Ortsbildes.

Fehlende Infrastruktur

Die ehemaligen Bürogebäude auf den Siemens-Gründen, auch bekannt als Elin-Gründe, wurden von der BUWOG Group gekauft. 2014 wurden die ersten Pläne dazu vorgestellt. Ein Jahr später entstand die Bürgerinitiative „Gegen Monsterbauten in Alt-Penzing“, die sich gegen das große Bauvorhaben, damals noch „Park Living“ genannt, richtete.

Die Initiative wurde unter anderem von der damaligen Bezirksrätin und heutigen stellvertretenden Bezirksvorsteherin Natascha Fussenegger (ÖVP) geführt. Sie kritisiert besonders, dass ein Verkehrskonzept fehlt, das die neue Welle an Autofahrern auffangen könnte: „Zuerst sollte die Infrastruktur konzipiert sein, dann sollte man weiterschauen, was möglich ist. Und das passiert leider ganz oft umgekehrt“. Sie warte seit sechs Jahren auf eine Lösung für den Verkehr, der dem kleinen Stadtteil bereits heute über den Kopf wachse.

„Das Konzept wird gerade von der zuständigen MA 46 ausgearbeitet“, erklärt Penzings Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner (SPÖ). Sie habe das Projekt von ihrer Vorgängerin Andrea Kalchbrenner (SPÖ) übernommen und keinen Einfluss darauf gehabt.

Gegenbewegung

Über wenig Einfluss beschwert sich auch Otmar Edelbacher. Der neben der Baustelle ansässige Architekt ist seit Beginn Teil der Bürgerinitiative: „Wir sind von der Bezirksvorstehung schlecht behandelt und nicht ernst genommen worden. Wir seien ja schließlich im städtischen Bereich, hieß es vonseiten Christoph Chorherrs“.

Vor allem der ehemalige grüne Gemeinderat Chorherr (mehr zu ihm auf Seite 18) soll sich für das Großprojekt eingesetzt haben. „Der grünen Politik war es egal, dass so viele Bäume und Parkflächen verschwinden“, sagt Edelbacher. Denn was von außen oft unbemerkt bleibe, seien die großen grünen Innenhöfe, die Penzing kühlen sollen.

Edelbacher erinnert sich noch an die früheren Baupläne, die präsentiert wurden. 200 bis 300 Wohnungen sollten es werden, Grünflächen für das ganze Grätzl, keine zu hohen Gebäude und ein fertiges Verkehrskonzept. Diese Pläne änderten sich jedoch: Das Bauvolumen wurde fast verdoppelt, die Grünflächen minimiert. Und das Verkehrskonzept fehlt.

Der im Jahr 2018 beschlossene Flächenwidmungsplan sah statt der gewünschten Bauklasse III die Bauklasse IV mit einer maximalen Bauhöhe von 21 Metern vor. Die SPÖ und die Grünen stimmten zu.

Die BUWOG war für den KURIER für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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