Für zahlreiche Bezirksbewohner ist Rapid identitätsstiftend - vor allem für Hütteldorfer,

© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Wien
09/12/2020

Penzing: Ein Bezirk sucht sein Zentrum

Penzing entstand aus fünf Dörfern. Einem gemeinsamen Platz, wie er der Politik vorschwebt, könnte die Akzeptanz der Bevölkerung fehlen.

von Bernhard Ichner

Josef Peschta fühlt sich privilegiert. Als Auserwählter, wie er mit einem schelmischen Grinsen sagt. Weil er nicht irgendwo geboren wurde, sondern in Hütteldorf. Im Nabel des 14. Bezirks quasi. In der Heimat von Rapid. Grün-weiß begleitet den 71-Jährigen schon sein ganzes Leben.

Dass Penzing kein echtes Bezirkszentrum hat, stört den Wirten, dessen Familie das urige Gasthaus Peschta in der Bahnhofstraße in vierter Generation betreibt, nicht. Ein anderes als Hütteldorf ist für ihn aber auch kaum vorstellbar. Pläne der Politik, den Platz vor der S-Bahn-Station Breitensee dahingehend umzugestalten, quittiert er mit einem milden Lächeln – und einem Schulterzucken.

„Das kann ein Veranstaltungszentrum werden“, überlegt er. „Ich glaub’, aber nicht, dass das ein Gemeindezentrum wird. Das hätte im Rapid-Stadion größere Chancen.“

Paradies vor der Tür

„Weil als Hütteldorfer fährst nach Breitensee des täglichen Lebens wegen“, sagt die Gastro-Institution. „Nach Hütteldorf kommt man dagegen wegen der Erholung und der Gaudi.“

In Hütteldorf sei man zwar immer ein Teil der Stadt gewesen, „aber auch ein Dorf“. Wer hier aufwuchs, der habe keinen Grund gehabt, woanders hinzuschauen. Überhaupt ab Mitte der 1950er, als viele junge Familien in die neuen Buwog-Bauten zogen. „Da hatte man auf einmal 30 Spielkameraden. Da entstanden Freundschaften fürs Leben.“

Dazu kam „das Paradies vor der Haustür“ – der Wienfluss, der der Bevölkerung jahrzehntelang als Flussbad diente (siehe Bild oben). Bis 1957 das Gerücht, das verunreinigte Wasser verursache Kinderlähmung, dem Vergnügen ein jähes Ende bereitete. „Im Sommer kamen wir her zum Planschen und im Winter haben wir das Eis eingetreten“, erinnert sich Peschta. (Vom Bahndamm habe man außerdem auf die jungen Damen im Bikini hinuntergespechtelt – aber das durfte niemand wissen.)

Und dann ist da natürlich noch Rapid – einst auf der Pfarrwiese, dann im Hanappi-Stadion und jetzt in der Allianz-Arena.

Fünf Dörfer

Dass Penzing mit seinen 93.000 Einwohnern kein echtes Zentrum hat, könnte auch an den großen Distanzen liegen, meint Bezirkschefin Michaela Schüchner (SPÖ).

In erster Linie liegt es aber daran, dass der 14. aus fünf Dörfern entstanden ist. Und die – nämlich das namensgebende Penzing, Breitensee, Baumgarten, Hütteldorf und ab 1938 Hadersdorf – hatten eben jeweils eigene Zentren.

In Penzing lag dieses etwa an der Penzinger Straße, im Bereich zwischen Palais Cumberland, Penzinger Kircherl und altem Gemeindeamt – in dem heute das (kürzlich wiedereröffnete) Bezirksmuseum beheimatet ist, wie dessen Leiter, Herbert Richter, und sein Kollege Friedrich Schandera erklären. In Breitensee kam man zu Klatsch und Tratsch vor der Kirche zusammen. Und in Hütteldorf war einst zwischen dem Hütteldorfer Bräuhaus in der heutigen Bergmillergasse und der Kirche immer etwas los.

S-Bahn-Station

So ein richtiges Problem sei das fehlende Bezirkszentrum zwar nicht, sagt Bezirkschefin Schüchner. Schön wäre es aber schon, einen gemeinsamen Ort für Veranstaltungen wie Frühschoppen oder einen Adventmarkt zu haben.

Darum überlegt die Politik schon seit Längerem, auf dem Platz vor der S-Bahn-Station Breitensee ein neues Bezirkszentrum zu schaffen. Dafür spreche der öffentlich leicht erreichbare Standort neben dem attraktivierten Ludwig-Zatzka-Park.

Detailplanung gibt es noch keine, sagt Schüchner. Aber dafür jede Menge Ideen, mit denen sich die Bezirksentwicklungskommission auseinandersetze. Bis man jedoch weiß, ob sich hier Cafés ansiedeln und Wochenmärkte stattfinden, werde noch einige Zeit vergehen.

Und ob das künstlich geschaffene Bezirkszentrum in Breitensee dann von den alteingesessenen Baumgartnern oder gar den Hütteldorfern angenommen wird, steht freilich auf einem anderen Blatt. Dazu sagt die Bezirkschefin: „Einen Versuch ist es wert.“

Berühmtheiten Einige Prominente erblickten im 14. Bezirk das Licht der Welt. Darunter: Jugendstil-Maler Gustav Klimt (1862) und Architekt Otto Wagner (1841), der hier Häuser entwarf – eines davon ist die berühmte Fuchs-Villa. Zudem überarbeitete er die 1907 als "Niederösterreichische Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke" eröffnete Anlage Am Steinhof - heute bekannt als Otto-Wagner-Spital. Auch Leo Trotzki, der Gründer der Roten Armee, lebte vor dem Ersten Weltkrieg eine Zeit lang in der Hüttelbergstraße. Weil ihm die Miete zu hoch war, übersiedelte er aber nach Döbling.

Meilensteine Nur wenige wissen, dass auf der einst beschneiten Hohe-Wand-Wiese in Hadersdorf 1986 der erste Weltcup-Slalom bei Flutlicht stattfand. Apropos Hadersdorf: Hier gab es in den 1920ern und -30ern drei Skisprungschanzen – am Mühlberg, am Buchberg und im Kasgraben.

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