© Stadt Wien

Pro & Contra
05/03/2021

Braucht Wien eine überdachte Markthalle?

In Wien ist eine überdachte Markthalle geplant. Ist sie wirklich notwendig? Ein Pro & Contra des KURIER zum heiß diskutierten Thema.

von Josef Gebhard, Christoph Schwarz

PRO 

Dass die Wiener Märkte Großartiges leisten, beweisen sie nicht erst seit der Krise. Sie sind nicht nur ein erstklassiger Nahversorger, sondern haben sich in jüngster Zeit auch zu Orten entwickelt, an denen sich junge Gastronomen und kreative Standler mit ausgefallenen, oft regionalen Produkten  austoben.  

Der Meidlinger Markt und der Karmelitermarkt sind nur zwei Beispiele dafür.  Den Naschmarkt, dem zu Recht Eintönigkeit vorgeworfen wird (Oliven, wohin man blickt!) jetzt aufzuwerten, ist eine gute Idee. Dass das mithilfe einer Markthalle passieren soll, ist eine noch bessere. In anderen Metropolen sind derartige Hallen Gang und gäbe und gelten als Publikumsmagneten.

Die Halle kann somit nicht nur den Wienern noch mehr Vielfalt bringen, sondern hat auch touristischen Mehrwert.

Die Lage ist gut: Schon jetzt steht der Naschmarkt – ideal zwischen Schönbrunn und Innenstadt gelegen – auf der Liste vieler Touristen, für die Grundfrequenz wäre gesorgt.  Auch die Öffi-Anbindung ist gut.

Ein lukratives Projekt mit viel Nutzen – und ohne Schaden. Auf dem Areal befindet sich derzeit ein (real nicht einmal zur Hälfte genutzter) Parkplatz. Und der grüne Alternativplan von einem riesigen, schattigen Park ist kaum umsetzbar. (Unterhalb fließt  der Wien-Fluss. Große, tiefwurzelnde Bäume kann man hier nicht pflanzen.) Dass trotzdem gegrantelt wird,  ist herrlich wienerisch. Veränderung ohne Gegenwehr, wo kämen wir da hin? Was versöhnlich stimmt: Wenn die Halle steht, wird es nicht lange dauern, bis sich auch die Kritiker dort das erste Gläschen gönnen. 

Von Christoph Schwarz

Christoph Schwarz

CONTRA

Sie erinnern sich vielleicht: 2016 sorgte ein geplantes Bürohaus der MA 48 in Form eines  Mistkübels stadtweit für Kopfschütteln. Aus dem Projekt wurde letztlich nichts, die zuständige SPÖ-Stadträtin Ulli Sima musste  Spott und Häme einstecken. 

Wie es scheint, will sich nun Sima am  Naschmarkt  ein ähnlich extravagantes Denkmal setzen: Mit einer Konstruktion aus Stahl und Glas inmitten von Jugendstil- und Gründerzeit-Bauten. Erste  Visualisierungen, die erfahrungsgemäß ein eher geschöntes Bild der Realität vermitteln, lassen bei Anrainern  die Alarmglocken läuten. Man versteht sie.  

Keine Frage: Eine Markthalle würde Wien guttun. Warum sie aber ausgerechnet am Naschmarkt stehen muss, konnte Sima bis jetzt nicht erklären. Warum soll die Halle nicht in einem Außenbezirk entstehen, deren Aufwertung die Stadtregierung zwar gebetsmühlenartig ankündigt, aber nur halbherzig umsetzt? Das würde auch helfen, Touristen, die sich zuletzt schon unangenehm dicht in der Innenstadt drängten, an  die Peripherie zu locken.  Und dem Vernehmen nach  gibt es auch in der Donaustadt oder in Favoriten genügend Sonne, um am Dach der Halle Solarstrom zu erzeugen. 

Doch was soll dann mit der „Hitzeinsel“ Naschmarkt-Parkplatz passieren? Sie ließe sich leicht beseitigen, indem man dort die Wienfluss-Überplattung kurzerhand entfernt. Das würde den Neos gefallen, die verschwundene Wasserflächen freilegen wollen, um die Stadt zu kühlen. Kurzum: Statt eines umstrittenen Prestigebaus eine Win-win-Situation am Wienfluss.

Von Josef Gebhard

Josef Gebhard
eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.