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Chronik Wien
07/16/2020

Böhler-Spital: Ärzte rotieren wegen geplanter Job-Rotation

Ärzteteams sollen im Drei-Monatsrhythmus zwischen Brigittenau und Meidling hin- und herwechseln. Belegschaft ist empört.

von Johanna Hager, Josef Gebhard

Jetzt ist es soweit. Das Personal des Unfallkrankenhauses Lorenz Böhler (LB) rotiert. Im mehrfachen, buchstäblichen Sinn. Wie der KURIER berichtete, sollen die AUVA-Häuser – das LB in Wien-Brigittenau und das Krankenhaus Meidling – zu einem Traumazentrum fusioniert werden. Das LB werde so "Wiens größte Unfallambulanz", Meidling das Unfallkrankenhaus. Die Belegschaft ist wenig begeistert. Ihre Skepsis erhält jetzt neue Nahrung.

Alle drei Monate

War 2016 noch von einer freiwilligen Rotation der Mitarbeiter – das heißt, einem temporären Wechsel zwischen beiden Häusern – die Rede, ist jetzt fix: Das Personal soll jeweils "am Beginn eines Quartals (1. Montag nach dem 6. Jänner, erster Montag in den Monaten April, Juli, Oktober)" – "Dauer je 3 Monate (volle Dienstplanperiode; Ausnahme: Teamleiter nur 1 Monat)" rotieren.

So steht es in einer Präsentation des Spitalsträgers AUVA, die dem KURIER vorliegt und heute dem Personal vorgestellt werden soll. Die Rotation soll ab 11. Jänner 2021 erfolgen.

Von Freiwilligkeit ist in der Präsentation keine Rede mehr: "Die Bereichsleitungen stellen fest, wer von der Rotation ausgenommen werden soll (Alter über 58, bzw. 55 bei Frauen, besondere Verwendung des MA)" heißt es in dem Papier, und: "Die Einteilung erfolgt in Absprache mit dem Bereichsleiter des anderen Standortes min. 3 Monate vorher!"

Die Mitarbeiter fürchten aufgrund dieser Pläne um die Qualität der medizinischen Versorgung in beiden Häusern und stellen die Sinnhaftigkeit des ständigen Hin- und Herwechselns zwischen der Brigittenau und Meidling infrage.

Expertise gefährdet

"Wir sind keine Fließbandarbeiter, die heute da und im nächsten Monat dort arbeiten", sagt Unfallchirurg Heinz Brenner, Oberarzt im LB zum KURIER. "Die medizinischen Teams in beiden Häusern werden zerrissen, fachliche Expertise geht verloren und das nicht nur zum Leidwesen des Personals, sondern in letzter Konsequenz zum Schaden der Patienten."

Was Brenner meint, das lässt sich auch in dem Papier nachlesen. Da heißt es beispielsweise: "Am Standort Meidling vermehrt Schwerstverletztenversorgung", "am Standort Lorenz Böhler Ausbau der rekonstruktiven Chirurgie, ev. Tagesklinik".

Weiters wird klar festgehalten: "Keine Schwerstverletztenversorgung am Standort LB (Schockraum) ab 1.10.2020, Deckelung der Anzahl an hüftnahen Oberschenkelfrakturen mit max. 5/Wo/Standort ab 1.10.2020."

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