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Chronik Wien
01/17/2020

Die Zukunft des Lorenz-Böhler-Spitals

Der geplante reine Ambulanzbetrieb sorgt bei den Mitarbeitern für Skepsis. Enge Kooperation mit den Gemeindespitälern.

von Johanna Hager, Kevin Kada, Josef Gebhard

Seit Jahren kursieren Gerüchte, das Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus der AUVA in der Brigittenau könnte aus Spargründen geschlossen werden. Jetzt ist fix: Das Spital wird weiter existieren, wenn auch in einer völlig anderen Form als heute.

Das ist der Kern eines Abkommens, das zwischen Stadt Wien und AUVA unterzeichnet wurde. Es sieht eine enge Zusammenarbeit zwischen den Gemeindespitälern und jene der Unfallversicherung vor. Die wichtigsten Änderungen im Detail:

Böhler-Spital: Das Krankenhaus kooperiert künftig mit dem Donauspital. Letzteres übernimmt für den Nordosten Wiens die stationäre unfallchirurgische Versorgung. Das Böhler verliert die Betten für die Chirurgie, soll aber zu Wiens größter Ambulanz ausgebaut werden. Behandelt werden dort Unfallopfer, vermutlich aber auch andere Notfälle. Kurioses Detail: Vor einigen Jahren ging man im Böhler noch in die entgegengesetzte Richtung. Damals musste die Ambulanz nächtens für Leichtverletzte auf Geheiß der AUVA-Führung gesperrt werden. Zuletzt war der Schockraum immer wieder aus Personalmangel außer Betrieb.
Das sorgte für Ärger – wie auch die jetzt vorgestellten Pläne. „Uns geht die unfallchirurgische Expertise am Lorenz Böhler verloren, wenn der Fokus nur mehr auf der Ambulanz liegt und nicht mehr im Operationssaal gearbeitet wird“, sagt Betriebsrat Manfred Rabensteiner zum KURIER. Ein reiner Ambulanzbetrieb würde den entschiedenen Widerstand der Belegschaftsvertretung auslösen und „zu einer Versorgungslücke für die Wiener Bevölkerung und das Umland führen“.

UKH Meidling: Dieses wird mit dem benachbarten Kaiser-Franz-Josef-Spital zusammenarbeiten. Die Häuser sollen ärztliche Konsiliarleistungen austauschen. Weiters sind Kooperationen beim Blutmanagement, der Apotheke und in der Ausbildung geplant.

 

Weißer Hof: Wie der KURIER berichtete, wird das AUVA-Reha-Zentrum von Klosterneuburg nach Meidling übersiedeln. Auch das sorgt intern für Aufruhr: „Wir werden uns mit allen Mitteln gegen die Schließung des Standorts wehren“, sagt Betriebsrat Siegmund Linder.

Zurück zum aktuellen Abkommen in Wien: Noch ist vieles offen. Allen voran die künftige Zahl der Mitarbeiter an den betroffenen Standorten. Solche Details soll eine Arbeitsgruppe klären. Im Böhler-Spital rechnet man damit, dass die Umwandlung zum Ambulanz-Zentrum sieben bis zehn Jahre dauern wird.

Formell ohne Funktion in der AUVA, hat Wiens Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck das Abkommen gemeinsam mit Bürgermeister Michael Ludwig unterzeichnet. Ruck fungierte quasi als Vertreter der Arbeitgeber, die die AUVA finanzieren.

Beobachter sehen in dem Pakt einen weiteren Beleg für das enge Einvernehmen zwischen Ludwig und Ruck. Letzterer befindet sich im Kammer-Wahlkampf und kann sich nun auf die Fahnen heften, dass die AUVA die chronisch überfüllte Unfall-Ambulanz im Donauspital entlastet. „Die Frage ist: Was wird die Gegenleistung der Stadt sein?“, heißt es aus Spitalskreisen.