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Chronik Wien
12/17/2019

Lorenz-Böhler-Ärzte drohen mit Streik

Die geplanten Umstrukturierungen sorgen für massiven Unmaut. Die Stadt versucht, zu kalmieren.

von Josef Gebhard, Johanna Hager

Wenige Tage vor Weihnachten herrscht Aufruhr unter dem Personal des Lorenz-Böhler-Unfallspitals in der Brigittenau. Einmal mehr machen Befürchtungen die Runde, das traditionsreiche Krankenhaus der AUVA könnte in den nächsten Jahren geschlossen oder zumindest massiv verkleinert werden.

Stand zuletzt eine Fusion mit dem UKH in Meidling zur Diskussion, geht es aktuell, wie berichtet, um eine mögliche Absiedlung der Betten und von Personal ins Donauspital des Wiener Krankenanstaltenverbunds. Im 20. Bezirk könnte dann bloß ein Ambulanz-Betrieb zurückbleiben, fürchten die Mitarbeiter. Anlass ihrer Sorgen: Ein eMail des Managements just wenige Stunden vor der Weihnachtsfeier, in dem entsprechende Pläne angedeutet werden. Seitens der AUVA-Führung und der Stadt Wien ist man nun um Beschwichtigung bemüht: „Alles ist noch ergebnisoffen“, betont Richard Gauss, Leiter der MA24 (Strategische Gesundheitsversorgung). Im Jänner soll eine Arbeitsgruppe starten, in der geklärt wird, wie die beiden Wiener AUVA-Spitäler und der KAV besser zusammenarbeiten können.

In etwa zwölf Monaten soll laut Gauss ein Ergebnis auf dem Tisch liegen. Eines sei jetzt schon fix: „Seitens Stadtrat Peter Hacker gibt es den klaren Auftrag: Der Gesundheitsstandort in der Brigittenau muss erhalten bleiben“, betont Gauss. In welcher Form lässt er offen. „Es wird dort aber weiterhin Betten geben und es werden auf künftig Eingriffe durchgeführt.“ Somit ist zumindest klar, dass ein Aufgehen des Böhler-Spitals im UKH Meidling vom Tisch ist.

„Zugrunde gerichtet“

Die Ärzte im Spital beruhigt das wenig. Zu sehr hatte man in den vergangenen Jahren schon unter Sparmaßnahmen zu leiden. „Wir werden Schritt für Schritt zugrunde gerichtet“, sagt Heinz Brenner, Unfallchirurg und stellvertretender Fachgruppenobmann der Wiener Ärztekammer zum KURIER. „Seit Monaten muss immer wieder der Schockraum gesperrt werden, Operationen fallen aus, weil die Dienstpläne nicht halten.“

Der Arzt weiter: „Wir hatten ein erstklassiges, autonomes Anästhesie-Team, man hat ihnen alles genommen. Die Devise war: Wir holen uns die guten nach Meidling. Kollegen, die jahrzehntelang Intensivmedizin machten, waren plötzlich im OP und vice versa. Da geht Expertise verloren, aber auch Personal. Wir müssen in der Anästhesie Freelancer um einen Stundenlohn von 150 Euro engagieren, die die Narkosen machen, weil die Dienstpläne in Meidling uns aushungern.“

Für Brenner werde das Böhler-Spital benutzt, „um Politik zu machen – auf dem Rücken der Patienten“. Man werde das aber nicht hinnehmen: „Wir sind jederzeit bereit, auf die Straße zu gehen.“