In einer Woche musste die Polizei zu zwei City-Überfällen ausrücken.

© Michaela Reibenwein

Wien
11/26/2013

Blitz-Coup beim Nobeljuwelier

Räuber im feinen Zwirn vergaßen Einkaufssackerl und flüchteten mit geringer Beute.

von Michaela Reibenwein

Erst gingen sie am Wiener Kohlmarkt Schuhe um 395 Euro einkaufen. Dann ließen sie das Sackerl mit den exklusiven Schuhen stehen. Und zwar gleich nebenan, im Geschäft des Nobeljuweliers Schullin.

Die Zeit war vermutlich knapp – denn die beiden Männer überfielen am Dienstag gegen 12.30 Uhr den Innenstadt-Juwelier. Die Beute ist allerdings vergleichsweise dürftig – sie nahmen nur eine Kiste mit Edelsteinen mit.

Verlobungsring

Erst betrat ein blonder, gut gekleideter Mann im beigen Trenchcoat das Geschäft und erkundigte sich in schlechtem Englisch nach Ringen. „Er hat nach einem Verlobungsring für seine Freundin gefragt“, sagt Polizeisprecherin Adina Mircioane.

Der Angestellte präsentierte dem vermeintlichen Kunden einige Ringe, da öffnete sich die Tür erneut. Ein dunkel gekleideter Mann betrat das Geschäft. Ihm hinterher folgte ein Fahrradbote. Der dunkel gekleidete Räuber hatte bereits eine Faustfeuerwaffe in den Händen und drängte den verdutzten Fahrradboten ins Geschäftsinnere. Sein Komplize zog ebenfalls seine Waffe und hielt sie dem Verkäufer entgegen.

„Sie haben unsere beiden Mitarbeiter und den Boten nach hinten gedrängt“, schildert Juwelier Herbert Schullin, der sich zum Zeitpunkt des Überfalls gerade in der Werkstatt befand. Das Ziel der Männer: Der Tresor, aus dem sie Schachteln mit losen Edelsteinen nahmen. „Sie haben nicht einmal die offen herumliegenden Ringe mitgenommen“, ist Schullin verwundert. Dafür nötigten sie dem Fahrradboten auch noch sein Mobiltelefon ab.

Komplize

Im ersten Stock bekam der Sohn des Juweliers mit, dass etwas nicht stimmte. Er saß gerade mit zwei Sekretärinnen im Büro. „Ich habe die Täter sehen können, hab’ sofort mit dem Alarmknopf die Polizei verständigt. Die war auch schnell da, die Beamten sind von allen Seiten gekommen“, schildert er. Doch die Räuber konnten in unbekannte Richtung entkommen. Sie dürften einen Komplizen vor der Tür gehabt haben, der die Lage im Auge behielt. Das bestätigt zumindest eine Beobachtung des Juweliers. „Der dunkel gekleidete Mann hat sich immer ans Ohr gegriffen – als hätte er einen kleinen Kopfhörer im Ohr.“

Bei dem Überfall befand sich auch eine Mitarbeiterin im Geschäft, die im achten Monat schwanger ist. Sie erlitt einen Schock. „Sie ist sofort ins Krankenhaus gebracht worden“, sagt Herbert Schullin. „Aber es geht ihr wieder gut.“ Ihr galt auch die größte Sorge nach dem Überfall. „Das war wichtiger, als den Männern nachzulaufen. Wir halten unsere Mitarbeiter dazu an, sich in solchen Fällen auf keinen Fall zur Wehr zu setzen.“

Es ist der erste Überfall auf das Juwelier-Geschäft. „Wir sind seit 1982 da. Bisher haben wir uns hier sicher gefühlt“, sagt der Firmenchef. Sein Uhrengeschäft, das sich gleich in der Nähe befindet, wurde schon zwei Mal überfallen. „Aber da waren wohl Auftragstäter am Werk.“ Seine Lehre aus dem aktuellen Raub: „Dann werden wir wohl auch hier Securitys vor die Tür stellen müssen. Diese optische Abschreckung ist anscheinend notwendig.“

Serie an Überfällen auf Juwelierhändler reißt nicht ab

– 19. November In der Habsburgergasse bedroht ein Unbekannter einen Schmuckhändler, 40, mit einer Pistole, fesselt ihn und bedient sich an den Vitrinen. Er entkommt samt der Beute.
– 4. November Ein Mann zückt in einem Geschäft in der Favoritenstraße ein Messer, bedroht damit die Angestellten. Er erbeutet Geld und eine Uhr. Fahndung: Vorerst negativ.
– 2. September Ein Juwelier, 60, wird in der Hernalser Hauptstraße mit einem Elektroschocker attackiert und gefesselt. Der Unbekannte hat genügend Zeit, um Schmuck sowie Bargeld einzupacken und zu flüchten.
– 22. Juli Ein Trio stürmt ein Schmuckgeschäft in der Wiedner Hauptstraße. Der Inhaber wird ins Geschäft gestoßen. Die Täter entkommen mit der Beute.
– 5. Juli Drei Männer versuchen in der äußeren Mariahilfer Straße einen Juwelenhändler auszurauben. Sie bedrohen ihn und seine Frau mit einer Pistole – wie sich später herausstellte, war es ein Spielzeug. Der Geschäftsinhaber feuert auf einen der Männer, der noch an Ort und Stelle stirbt. Etwas später wird ein Komplize gefasst, der einen weiteren, gescheiterten Überfall in Simmering gesteht. Ein Täter ist flüchtig.
– 3. Juni In der Stadlauer Straße, Donaustadt, wird ein Juwelier bedroht und mit Pfefferspray attackiert. Die Täter flüchten samt Beute in einem dunklen Audi.

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