Chronik | Wien
02/17/2016

Behörde bewilligt Baggerungen auf Ziesel-Areal

Unter strengen Auflagen dürfen die Bauwerber ab April den Oberboden abtragen.

Für die Ziesel beim Stammersdorfer Heeresspital wird es eng. Vor Kurzem erteilte die Wiener Umweltschutzabteilung MA22 die „naturschutzrechtliche Bewilligung für die Baufeldfreimachung“. Das bedeutet, dass auf rund einem Drittel des Gesamtareals Vorarbeiten genehmigt wurden. Im April oder im Juli dürften bereits Bagger auffahren, um den Oberboden abzutragen.

Wie bekannt, verzögern geschätzte 200 Ziesel in Floridsdorf seit Jahren die Errichtung von 950 Wohnungen. Da die Nager geschützt sind, bemühen sich die Bauwerber Kabelwerk und Donaucity die Tiere „sanft umzulenken“. Und zwar auf Ausgleichsflächen am anderen Ufer des Marchfeldkanals. Etwa indem man auf Teilen des Geländes das Gras wild wuchern ließ, um den Lebensraum der zirka 20 Zentimeter großen Tiere so unwirtlich wie möglich zu gestalten. Oder indem man eine Grünbrücke über den Kanal legte.

Und es bewegt sich doch

Erst, wenn der Großteil der Nager die Projektfläche freiwillig verlassen hat, werde die MA22 ihr Okay zu Bauarbeiten geben, hieß es bis dato seitens der Stadt. Wie der KURIER berichtete, veränderte sich der Bestand seit 2014 zwar nicht. Laut Biologin Ilse Hoffmann leben auf dem Baugrund etwa zehn Mal so viele Nager wie auf der Ausgleichsfläche.

Es sei aber sehr wohl eine Verlagerung der Ziesel Richtung Osten feststellbar. Auf einzelnen Baufeldern im Westen gebe es mittlerweile kaum noch eine Besiedelung. Und auf diese bezieht sich der neue, bereits rechtskräftige Bescheid der MA22.

Hier darf nun zwar noch nicht gebaut werden, aber durch das Abtragen des Oberbodens können die Bauwerber zumindest den Versuch unternehmen, die neuerliche Ansiedlung der Ziesel nachhaltig zu verhindern. (Die Errichtung von Gebäuden muss erneut beantragt werden. Seitens der Bauträger rechnet man weiter mit einem Baubeginn 2016.)

Öffentliches Interesse überwog

Der Bestand der Population sei dadurch ebenso wenig gefährdet, wie einzelne Tiere, versichert MA22-Chefin Karin Büchl-Krammerstätter. Von den 9500 Zieseln, die laut jüngstem Monitoring auf Wiener Stadtgebiet leben, waren Ende vorigen Jahres etwa 260 auf der Projektfläche beim Stammersdorfer Heeresspital zu finden. Und auf den betreffenden Baufeldern befänden sich „lediglich fünf bis zehn Ziesel- oder Hamsterbaue“.

Die Bewilligung der Vorarbeiten sei an strenge Auflagen geknüpft: So dürfen etwa nur kleine Bagger zum Einsatz kommen. Werden Zieselbaue entdeckt, so sind diese händisch abzutragen. Erst dann darf der Boden schichtweise bis zu maximal 30 Zentimeter abgetragen werden. Die Arbeiten sind unter strenger ökologischer Bauaufsicht durchzuführen – und um weder die Winterruhe noch die Jungtiere der Ziesel zu stören, dürfen die Maßnahmen nur in einem kurzen Zeitfenster von etwa vier Wochen im April bzw. im Juli durchgeführt werden.

Da durch die Auflagen sichergestellt worden sei, dass weder Ziesel verletzt oder getötet, noch deren Lebensraum beeinträchtigt werde, „war bei überwiegendem öffentlichen Interesse die Bewilligung zu erteilen“, erklärt Büchl-Krammerstätter. „Wobei zu betonen ist, dass der Lebensraum der Ziesel durch die angebotenen Ausgleichsflächen grundsätzlich erhalten bleibt.“