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Chronik Wien
09/02/2021

Aus für geplantes Ärztezentrum in Liesing

Anrainer in Alterlaa organisierten die nötigen Ärzte, scheitern aber am Veto der Ärztekammer.

von Josef Gebhard

Wenn gut Ding tatsächlich Weile braucht, stehen den Wienern, die einen Arzt brauchen, goldene Zeiten bevor. Denn nach wie vor sehr gemächlich geht der Ausbau der Primärversorgungseinheiten (PVE) vonstatten. Bis 2025 soll es in Wien 36 solcher Zentren bzw. Netzwerke von Allgemeinmedizinern geben, die den Patienten multidisziplinäre Betreuung mit großzügigen Öffnungszeiten bieten.

Laut rot-pinkem Regierungsprogramm soll es bis 2025 insgesamt 36 solcher PVE in Wien geben. Bis dato sind es allerdings erst vier.

Wie mühsam die Umsetzung im Detail ist, zeigt ein aktueller Fall in Liesing: Laut Regionalem Strukturplan Gesundheit (RSG) soll im 23. Bezirk neben zwei weiteren Standorten auch im Wohnpark Alterlaa eine PVE entstehen.

Anrainer-Initiative

Was im Vergleich zum Rest der Stadt eher ungewöhnlich ist: Um die Etablierung des Ärztezentrums möglichst rasch voranzutreiben, hat sich vor eineinhalb Jahren eine Plattform umtriebiger Anrainer formiert. Ihnen ist es in Eigenregie gelungen, drei Allgemeinmediziner zu finden, die bereit wären, eine PVE in Alterlaa zu gründen. Nicht gerade ein einfaches Unterfangen, wie die Erfahrungen an anderen Standorten zeigen.

Mit einem leer stehenden Geschäftslokal wäre auch eine passende Räumlichkeit für die PVE zur Verfügung gestanden.

Nach einem jüngsten Gespräch mit Ärztekammer, ÖGK-Vertretern und Liesings Bezirksvorsteher Gerald Bischof (SPÖ) dann die Ernüchterung: Trotz des Umstandes, dass im RSG für besagten Versorgungsbereich eine PVE vorgesehen ist, „sieht die Ärztekammer keinen Bedarf, weil die Versorgungssituation in anderen Wiener Gebieten schlechter sei“, schreiben die Anrainer auf Facebook. Damit ist das Projekt vorläufig gestorben, weil für die Errichtung einer PVE die Zustimmung der Kammer erforderlich ist.

Die Causa wird nun zum Politikum: „Es ist absurd und befremdlich, dass Ärztevertreter ein Ärztezentrum blockieren. Argumente, dass es in anderen Bezirken mehr Bedarf gibt, sind nicht nachvollziehbar“, sagt ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec. Patrick Gasselich, Obmann der ÖVP Liesing, verweist darauf, dass die PVE Alterlaa im RSG vorgesehen und damit gesetzlich verankert ist. „Wenn eine private Initiative die Vorarbeit quasi am Silbertablett vorlegt, dann dürfen hier keine Steine in den Weg gelegt werden.“

„Im Gebiet Wohnpark Alterlaa ist die medizinische Versorgung aktuell durch drei niedergelassene Allgemeinmediziner sehr gut gewährleistet“, sagt ein Sprecher der Wiener Ärztekammer. Sollten sich diese zu einer PVE zusammenschließen, sei das natürlich möglich. Höheren Versorgungsbedarf sieht man hingegen in anderen Liesinger Regionen.

Wenig Freude hat man bei der Kammer mit dem starren Planungskonzept, das der RSG darstellt. Es handle sich um eine Stichtagsplanung, der die gegenwärtige Versorgungslage nicht berücksichtige. „Der 23. Bezirk verdeutlicht das Dilemma dieser fehlenden rollierenden Planung.“

Freuen darf man sich hingegen im Nachbarbezirk Favoriten: Dort soll im Oktober eine neue PVE in Betrieb gehen. Dann gibt es immerhin schon fünf von 36.

Umgesetzt
In Wien gibt es aktuell vier Primärversorgungseinheiten (PVE): In der Leopoldstadt, Mariahilf, Meidling und in der Donaustadt. Im Oktober kommt ein fünftes in Favoriten dazu

In Umsetzung
Laut Ärztekammer gilt dies für eine PVE in Rudolfsheim-Fünfhaus, zwei in Döbling sowie je einer in Währing und Floridsdorf


Struktur
In einer PVE (Zentrum oder Netzwerk) arbeiten mindestens drei Kassen-Allgemeinmediziner, dazu kommen andere Gesundheitsberufe wie  Pflegekräfte, Physiotherapeuten oder Psychologen

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