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Chronik Wien
10/06/2020

Ärztezentren: Das lange Warten auf kürzere Wartezeiten

Bis 2025 soll es 36 Primärversorgungseinheiten geben. Doch der Ausbau geht nur schleppend voran.

von Josef Gebhard

Sie sind etwas in den Schatten gerückt, doch es gibt in diesem Wahlkampf noch Gesundheitsthemen abseits der Corona-Pandemie: „Wien bekommt 36 Primärversorgungseinrichtungen“, heißt es zum Beispiel im Wahlprogramm der SPÖ. Auch in den Wunschlisten der Bezirksparteien kommen sie immer wieder vor – quer über alle Fraktionen.

Gemeint sind mit den PVE die seit Jahren diskutierten Zentren oder Netzwerke, bei denen sich mehrere Allgemeinmediziner und andere Gesundheitsberufe (z.B. Psychotherapeuten) zusammenschließen. Die Vorteile für die Patienten: Großzügige Öffnungszeiten, kürzere Wartezeiten und umfassende Betreuung unter einem Dach.

Die 36 Einheiten sollen bis 2025 entstehen. Nur: Der Ausbau geht eher schleppend voran. Nach jahrelangem Polit-Gezerre existieren stadtweit erst drei – in Mariahilf, Meidling und in der Donaustadt (siehe Grafik).

In unmittelbarer Zukunft, das heißt in den nächsten Monaten, wird wohl nur ein weiteres Zentrum dazukommen: Und zwar eines im 2. Bezirk, für das gerade die Ausschreibung läuft. Hier gibt es einen Interessenten.

Drei weitere Ausschreibungen

Für drei weitere hat die Ausschreibung gerade erst begonnen. Sie sind im 15., 18. und 19. Bezirk geplant. Insofern könnte es knapp werden, dass alle geplanten 36 PVE bis 2025 Realität werden.

Der ÖVP geht der Ausbau der PVE in Wien nicht rasch genug – und sieht hier ein Versäumnis der stätischen Gesundheitspolitik: „Obwohl das Thema sogar groß im SPÖ-Wahlprogramm angekündigt ist, gibt es weiterhin kaum Interessensbekundungen“, sagt Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec. „Der Gesundheitsstadtrat muss hier aufs Gas drücken und im Sinne der Wiener den völligen Stillstand beenden.“

Korosec kritisiert weiters, dass Hacker noch im Sommer medial verlautbart habe, dass die 33 zusätzlichen PVE „auf Schiene“ seien, wovon angesichts des geringen Tempos bei den Ausschreibungen keine Rede sein könne.

Auch Hacker ungeduldig

Im Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) verweist man darauf, dass sich die ÖVP das falsche Ziel für ihre Kritik ausgesucht habe: „Die Stadt stellt zwar eine finanzielle Pauschal-Unterstützung beim Start der PVE zur Verfügung, für die Suche des nötigen Personals sind Ärztekammer und Gesundheitskasse zuständig“, betont ein Sprecher des Stadtrats. Nachsatz: „Auch uns geht der Ausbau der PVE nicht schnell genug.“

Wiens Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart weist die Vorwürfe aus dem Rathaus zurück: „Der Prozess befindet sich auf einem guten Weg“, betont er. Er weist zugleich darauf hin, dass Personal-Rekrutierung kein einfaches Unterfangen sei: „Damit ein PVE funktioniert, braucht es ein funktionierendes Ärzteteam“, betont er.

Die bisher gemachten Erfahrungen würden zeigen, dass zusammengewürfelte Teams oft schlecht zurechtkommen würden. Besser sei es, so Steinhart, bestehende Gruppenpraxen in PVE umzuwandeln. Insofern würde bei der Errichtung neuer PVE Qualität vor Geschwindigkeit gehen.

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