© Birgit Seiser

Chronik Wien
11/03/2020

Anschlag in Wien: 20-jähriger Attentäter kam "aus völlig normaler Familie"

Laut Innenministerium Doppelstaatsbürger mit nordmadezonischen Wurzeln. Er wurde im Dezember aus dem Gefängnis entlassen.

von Birgit Seiser, Kevin Kada

Der erschossene Attentäter von Wien war 20 Jahre alt, Doppelstaatsbürger mit nordmazedonischen Wurzeln und nach einer Verurteilung wegen terroristischer Vereinigung im Dezember vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden. Das gab Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Dienstag bekannt. Nach dem Anschlag von Montag sind bisher vier Todesopfer zu beklagen. Die Bundesregierung beschloss eine dreitägige Staatstrauer.

KURIER-Reporterin Birgit Seiser war bei der Wohnung des Attentäters und hat sich in dessen Umfeld umgehört.

Laut Innenministerium handelt es sich bei dem Täter um Kujtim F. Es habe sich bei ihm zweifelsfrei um einen Anhänger der radikalislamistischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) gehandelt. Er wurde im April 2019 zu 22 Monaten Haft verurteilt, weil er versucht hatte, nach Syrien auszureisen, um sich dort dem IS anzuschließen. Geschnappt wurde der junge Mann bei der versuchten Ausreise aus der Türkei nach Syrien.

Vorzeitig bedingt entlassen

Im Dezember 2019 wurde er vorzeitig bedingt entlassen - er galt als junger Erwachsener und fiel damit unter die Privilegien des Jugendgerichtsgesetzes (JGG). Von Polizeikräften erschossen wurde der 20-Jährige Montagabend in der Nähe der Ruprechtskirche, teilte der Innenminister mit.

Der Attentäter besaß neben der österreichischen auch die nordmazedonische Staatsbürgerschaft. "Er war mit einer Sprengstoffgürtel-Attrappe und einer automatischen Langwaffe, einer Faustfeuerwaffe und einer Machete ausgestattet, um diesen widerwärtigen Anschlag auf unschuldige Bürgerinnen und Bürger zu verüben", erklärte der Innenminister. Unklar bleib weiter, ob es Mittäter gab oder nicht.

Vor dem Anschlag soll F. auf seinem Instagram-Account ein Foto gepostet haben, das ihn mit zwei Waffen zeigte, die er später bei dem Anschlag verwendet haben dürfte. Unklar war vorerst, ob der 20-Jährige auch einen Treueeid auf den "Islamischen Staat" (IS) veröffentlicht hatte.

 "Er stammte aus einer vollkommen normalen Familie. Für mich war das ein Jugendlicher, der das Pech gehabt hat, an die falschen Freunde zu geraten. Wäre er nicht in eine Moschee, sondern zum Boxen gegangen, wäre er Boxer geworden" - mit diesen Worten charakterisierte der Wiener Strafverteidiger Nikolaus Rast Kujtim F., der am Montagabend in Wien mindestens vier Menschen erschossen hat. "Ich hätte das nie für möglich gehalten, dass er zum Attentäter wird", sagte Rast.

Rast hatte den Burschen in einer Verhandlung am Wiener Landesgericht vertreten, wo dieser im April 2019 in einem Terror-Prozess als IS-Sympathisant zu 22 Monaten Haft verurteilt wurde, weil er nach Syrien reisen wollte, um sich der radikalislamistischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) anzuschließen. In der Türkei wurde er jedoch von den Behörden aufgegriffen, am Grenzübertritt nach Syrien gehindert, in Haft genommen und zurück nach Österreich geschickt.

Razzien und Hausdurchsuchungen

Wie Nehammer im Gespräch mit der APA darlegte, fanden umfangreiche Großrazzien im Umfeld des Täters statt. Konkret wurden 15 Hausdurchsuchungen vorgenommen und mehrere Personen festgenommen.

Die österreichische Bundesregierung beschloss in einer Sondersitzung eine dreitägige "Staatstrauer". Bis inklusive Donnerstag werden die öffentlichen Gebäude mit Trauerbeflaggung versehen.

Für Dienstag 12 Uhr war eine Schweigeminute geplant, in ganz Wien sollten laut katholischer Kirche die Kirchenglocken läuten. In den Schulen will man am Mittwoch zu Unterrichtsbeginn der Todesopfer gedenken, ging aus dem Ministerratsvortrag hervor.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wandte sich in einer Rede an die Bevölkerung. Er sprach von einem Anschlag aus "Hass auf unser Lebensmodell" und einem "Kampf zwischen Zivilisation und Barbarei".

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