Die Polizei ist durchschnittlich in drei Minuten am Tatort

© KURIER /Franz Gruber

Juwelierüberfälle
11/27/2013

Angst vor Räubern mit Dresscode

Steigerung vor Weihnachten befürchtet / 100.000-Euro-Ringe übersehen.

von Dominik Schreiber, Wilhelm Theuretsbacher

Nach der Serie von Überfällen auf Nobel-Juweliere geht jetzt die Angst um: Kommen die serbisch-mazedonischen Pink-Panther-Banden ausgerechnet in der Weihnachszeit mit einer neuen Strategie daher? Mit Räubern, die sich in teuersten Zwirn hüllen, um so alle Zutrittskontrollen der Geschäfte zu unterlaufen? Der jüngste Überfall nach diesem Muster in der Wiener City wird jedenfalls als böses Omen gewertet.

Bessere Kameras

„Ich fürchte auf jeden Fall, dass die Zahl der Überfälle gegen Weihnachten steigt“, meint Kommerzialrat Alfred Römer, Obmann des Wiener Landesgremiums des Juwelen- und Uhrenhandels in der Wirtschaftskammer.

Die Wiener Juweliere befinden sich nun in der bereits dritten Eskalationsstufe mit den Gangstersyndikaten. Es begann mit Geschäftseinbrüchen. Die Juweliere rüsteten dagegen mit Alarmanlagen. Römer: „Unsere Kameras liefern heute bessere Bilder als die der meisten Bankfilialen.“ Das zeigen auch die aktuellen Fahndungsfotos.

Damit wurden auch gute Erfolge erzielt. Nach Römers Erfahrung ist die Polizei ab der Alarmauslösung in weniger als drei Minuten am Tatort. Das ist zu wenig Zeit für die Täter, um Beute zusammenzuraufen. Ihre nächste Strategie: Brutale Blitzüberfälle, bei denen die Ausstellungsvitrinen mit Beilen zertrümmert werden.

Darauf reagierten die Juweliere mit Zutrittskontrollen. Erst nach Gesichtskontrollen öffnet sich für seriöse Kunden die Türe. Jetzt rüsten die Verbrecher mit teurer Mode nach. Vor dem Coup beim Juwelier Schullin am Dienstag kleideten sie einen Täter nobel ein. Die Schuhe kauften sie wenige Minuten vor der Tat um 395 Euro am Kohlmarkt. Für den Räuber mit den blond gefärbten Haaren mit seinem beigen Trenchcoat und den teuren Markenschuhen öffnete sich die versperrte Türe problemlos. Der Komplize drängte nach und zog die Pistole.

Jetzt ist wieder Kreativität gefragt. Wie kriegt man die Gentlemen-Räuber in den Griff? Da fehlt Obmann Römer vorerst noch die Idee. „Wir können nur mithelfen, dass die Sache nicht eskaliert, und auf eine gute Versicherung hoffen.“

Die Kammer setzt weiterhin auf eine enge Kooperation mit der Polizei. Das Landeskriminalamt versucht durch Strukturermittlungen an die Hintermänner der Banden heranzukommen, und bietet den Juwelieren Verhaltenstrainings für Überfälle an. In der Weihnachtszeit werde aber, so Polizeisprecher Oberst Johann Golob, natürlich auch verstärkt patrouilliert.

Beim aktuellen Überfall auf den Wiener Juwelier Schullin am Kohlmarkt wurden die Täter jedenfalls ein Opfer der knappen Zeit. Im Tresor waren nämlich zwei Fächer. In einem lagen „Fasssteine“. Diese sind so wenig wert, dass sie von den Nobel-Juwelieren nicht einmal genau erfasst werden. Deshalb ist die Beutesumme noch immer unklar. Diese Steine nahmen die Räuber mit.

Auf einem Tablett darunter lagen mehrere Ringe zu einem Stückpreis von je rund 100.000 Euro. Sie blieben unberührt.

Serie an Überfällen auf Juwelierhändler reißt nicht ab

– 19. November In der Habsburgergasse bedroht ein Unbekannter einen Schmuckhändler, 40, mit einer Pistole, fesselt ihn und bedient sich an den Vitrinen. Er entkommt samt der Beute.
– 4. November Ein Mann zückt in einem Geschäft in der Favoritenstraße ein Messer, bedroht damit die Angestellten. Er erbeutet Geld und eine Uhr. Fahndung: Vorerst negativ.
– 2. September Ein Juwelier, 60, wird in der Hernalser Hauptstraße mit einem Elektroschocker attackiert und gefesselt. Der Unbekannte hat genügend Zeit, um Schmuck sowie Bargeld einzupacken und zu flüchten.
– 22. Juli Ein Trio stürmt ein Schmuckgeschäft in der Wiedner Hauptstraße. Der Inhaber wird ins Geschäft gestoßen. Die Täter entkommen mit der Beute.
– 5. Juli Drei Männer versuchen in der äußeren Mariahilfer Straße einen Juwelenhändler auszurauben. Sie bedrohen ihn und seine Frau mit einer Pistole – wie sich später herausstellte, war es ein Spielzeug. Der Geschäftsinhaber feuert auf einen der Männer, der noch an Ort und Stelle stirbt. Etwas später wird ein Komplize gefasst, der einen weiteren, gescheiterten Überfall in Simmering gesteht. Ein Täter ist flüchtig.
– 3. Juni In der Stadlauer Straße, Donaustadt, wird ein Juwelier bedroht und mit Pfefferspray attackiert. Die Täter flüchten samt Beute in einem dunklen Audi.

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