Aus für AI-Gigafactory in Wien: Novak kritisiert EU und Bund
Wien wird - zumindest vorerst - keine europäische AI-Gigafactory beheimaten, das wurde am Freitag bekannt.
Die Bewerbung für den Förder-Call der EU war eines der großen Prestige-Projekte, die die rot-pinke Stadtregierung vergangenes Jahr angekündigt hat, der Bund war ebenfalls am Bord.
Ein Letter of intent wurde unter anderem von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), Innovationsminister Peter Hanke (SPÖ) und Bürgermeister Michael Ludwig (ebenfalls SPÖ) unterzeichnet.
Doch kein aufgelegter Elfmeter
Mehrere Städte haben sich für Wien ausgesprochen - darunter Bratislava, Budapest und Ljubljana.
Was wirkte wie ein aufgelegter Elfmeter, wird nun nichts. Aber warum?
Die zuständige Wirtschaftsstadträtin und Vizebürgermeisterin Barbara Novak (SPÖ) sieht den Grund für das Scheitern nicht bei der Stadt Wien. Gegenüber dem KURIER kritisiert sie vielmehr die EU und auch den Kurs des Bundes.
Grundsätzlich hatte Novak schon seit Monaten das Projekt kritisch beobachtet und bereits im Mai via Brief die EU aufgefordert, sich an die ursprünglichen Rahmenbedingungen zu halten, der KURIER berichtete. Die nun veröffentlichte Ausschreibung der Europäischen Kommission habe diese Skepsis nun bestätigt, so Novak.
„Voraussetzungen verschoben“
Während zunächst der Aufbau leistungsfähiger KI-Infrastruktur an konkreten Standorten im Mittelpunkt gestanden sei, liege der Schwerpunkt nun auf der langfristigen Beschaffung von KI-Rechenleistung durch die öffentliche Hand.
Damit hätten sich auch die Voraussetzungen für potenzielle Standorte wesentlich verschoben. Sprich: „Wenn öffentliche Mittel eingesetzt werden, müssen auch öffentlicher Nutzen, regionale Wertschöpfung und konkrete Standortvorteile sichtbar sein“, sagt die Vizebürgermeisterin. „Städte und Regionen dürfen nicht auf die Zuschauertribüne geschickt werden, wenn sie die Infrastruktur bereitstellen, auf der Europas digitale Zukunft gebaut wird“.
Kritik auch am Bund
Kritik richtet die Stadt auch an den Bund. Das nun gewählte Modell der EU stütze sich auf jene Mitgliedstaaten, die sich bereits finanziell zur Abnahme von KI-Rechenleistung bekannt hätten.
Österreich habe sich an diesem gemeinsamen Beschaffungsansatz nicht beteiligt. „Für die Realisierung eines Wiener Standorts war diese Ausgangslage jedenfalls nicht förderlich“, sagt Novak.
Wenn der langfristige Einkauf von KI-Rechenleistung künftig zur Voraussetzung für europäische Infrastrukturvorhaben werde, müsse auch Österreich festlegen, welche Rolle es beim Aufbau digitaler Schlüsseltechnologien künftig einnehmen wolle. „Es stellt sich die Frage, ob die Republik Österreich bei einer zentralen europäischen Zukunftsinfrastruktur ohne ein Projekt in ihrer Bundeshauptstadt ausreichend vertreten ist.“
„Wien hätte Voraussetzungen geschaffen“
Wien hätte jedenfalls die Voraussetzungen für eine Ansiedlung geschaffen, bekräftigt Novak. Neben den erforderlichen Energiekapazitäten sei auch die Nutzung der Abwärme des Rechenzentrums für das Fernwärmenetz mitgedacht worden. Das Projekt sollte damit nicht nur die digitale Infrastruktur stärken, sondern auch einen Beitrag zur klimafreundlichen Wärmeversorgung leisten.
Unabhängig von der aktuellen Ausschreibung will Wien an seiner Rechenzentrumsstrategie festhalten. Der Bedarf an KI-Rechenleistung werde in den kommenden Jahren stark steigen, argumentiert die Stadt. Die Gespräche mit dem Bund, mit europäischen Partnern und der Wirtschaft wolle Novak fortsetzen.
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