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„Echt jetzt?“: Häme für ÖVP nach KI-Video zu Google-Rechenzentrum

Kritik am Rechenzentrum wird mit den Sorgen der Menschen rund um die Etablierung der Eisenbahn gleichgestellt.
Männer in Tracht protestieren mit Stöcken vor einer dampfenden Lokomotive; der Schriftzug „Als Oberösterreich“ ist zu sehen.

Das umstrittene Google-Rechenzentrum sorgt nun auch im Internet für Diskussionen. Und zwar wegen eines Instagram-Posts der ÖVP Oberösterreich. „Wenn es um Zukunftstechnologie geht, ist Oberösterreich die erste Adresse und das soll auch so bleiben“, lässt die Partei, die im nächsten Jahr bei den Landtagswahlen um Platz 1 im Land fürchten muss, zu dem Video wissen. 

„Was bedeutet das Google-Standort in Kronstorf wirklich?“ Diese Frage hat die ÖVP Teodoro D. Cocca, Professor an der Johannes Kepler-Universität, gestellt. „Er hat es analysiert, wir haben seine Argumente in eine Animation übersetzt“, sagt die Volkspartei, die auch darauf verweist, dass das Video - passend zu dem Thema - mit KI erstellt worden sei. 

Das geplante Rechenzentrum in Kronstorf wird darin als „die Eisenbahn des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Der Widerstand gegen den Anschluss an die Eisenbahn im 19. Jahrhundert wird in dem Video als Bauernaufstand dargestellt. Und Baueraufstände sind gerade in Oberösterreich hinlänglich dokumentiert.

„Sauberer, sicherer, nützlicher“

Die Kritik am Rechenzentrum wird somit mit den Sorgen der Menschen rund um die Etablierung der Eisenbahn gleichgestellt. Damals sei es ja auch gelungen, die neue Infrastruktur „sauberer, sicherer und nützlicher“ zu machen. 

Und es wird deutlich gemacht, dass nur dort der Aufschwung stattgefunden habe, „wo die Schienen lagen“. Detail am Rande: Viele Schienen wurden in Oberösterreich wieder abgebaut. Jedenfalls stelle das Rechenzentrum in Kronstorf eine ähnliche Weichenstellung dar, wird in dem Video suggeriert. 

Kronstorf Rechenzentrum

Die ökologischen Bedenken seien ernst zu nehmen, sagt eine Stimme, die permanent zwischen einem jungen und einem alten Mann wechselt - um gleich danach eine moralische Keule zu schwingen: „Wer digitale Dienste nutzt und das Rechenzentrum ablehnt, lässt den Ressourcenverbrauch nicht verschwinden.“ 

Also nach dem Motto: Wenn schon Ressourcen verschwenden, dann bitte doch lieber in Oberösterreich. Denn anderswo wäre die Bedingungen für die Umwelt, unter denen das Zentrum entstehe, noch schlimmer, ist man bei der ÖVP überzeugt, die Argumente auf der Pro-Kronstorf-Seite zu haben. OÖ könne die benötigte Rechenleistung wohl am saubersten erzeugen. Mit bedrohlich rauchenden Schloten will die ÖVP zeigen, wie schmutzig anderorts der Strom für ein Rechenzentrum produziert wird. 

Kronstorf Rechenzentrum

Bebildert mit einer Gruppe von Menschen im hohen Gras, dahinter jede Menge Windräder - so stellt sich die Stromerzeugung hingegen in OÖ dar. Was etwa Journalistin Corinna Milborn auf Bluesky treffend mit „ironisch, dass Oberösterreich seine “Kompetenzen in Energie und Umwelt„ mit einem Windpark illustriert (aber keine Windräder genehmigt)“.

Auch das schmucke Rechenzentrum, aus dem klares Wasser in ein idyllisches kleines Bächlein sprudelt, wird der tatsächlichen Dimension wohl eher nicht gerecht - hier irrt die KI wohl mit den Größenverhältnissen. So wird die „Jahrhundert-Chance, die Wohlstand für Generationen sichert“ möglichst umweltgerecht dargestellt.

Kronstorf Rechenzentrum

Für die ÖVP in Oberösterreich ist das Rechenzentrum offenbar die Fahnenfrage. Denn ohne sieht sie das ganze Land zu Fuß wieder auf die Pferdeeisenbahn zurück katapultiert, wie die ÖVP impliziert. 

Die Reaktionen im Netz sprechen eine deutliche Sprache und überschütten die ÖVP mit Kritik und Häme: „Die letzte treue Kernwählerschaft angehen und runterdodeln ist wirklich 1a gemacht“, schreibt jemand auf Bluesky. „Rechenzentrum mit Bahn vergleichen? Echt jetzt? *kopfschüttel*“, kommentiert jemand das Insta-Posting.

PK LAND OBERÖSTERREICH "GOOGLE-RECHENZENTRUM IN KRONSTORF" / SPATENSTICH: STELZER (ÖVP)

Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP), Befürworter des Rechenzentrums. 

Was in dem Video gar nicht vorkommt: Die tatsächliche Kritik, die gegen das Rechenzentrum von mehreren Hundert Gegnern bei einer Demo ins Treffen geführt wurde. So bereitet etwa die Befürchtung, dass 5,8 Millionen Liter 30 Grad warmes Wasser täglich in die Enns geleitet werden könnte, Kopfzerbrechen. Ebenso geht es um massive Flächenverbrauch „von fruchtbarstem Ackerland, typisch für die oberösterreichische Raumordnungspolitik“, kritisierte der Grüne Klima-Landesrat Stefan Kaineder. 

Und er lässt auch das Video nicht unkommentiert. „Es ist wohl nicht anzunehmen, dass die erste Eisenbahn so viel Strom wie alle Haushalte Oberösterreichs verbraucht hat.“ Statt mit absurden Vergleichen zwischen den Jahrhunderten zu pendeln und ein PR-Video ins Netz zu stellen, solle die ÖVP eine „ordentliche Informationspolitik“ machen und der Bevölkerung konkrete, lebensnahe Aufklärung zum Projekt zukommen lassen. Kaineder: „Neue Strom-Großverbraucher bejubeln und gleichzeitig bei jedem Windrad auf die Bremse zu steigen, ist doch keine ernst gemeinte Standortpolitik.“

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