Cafe Drechsler, Naschmarkt, Wienzeile

© Deutsch Gerhard

Wien
08/26/2013

Ära geht zu Ende: Café Drechsler wird Nichtraucherlokal

Das beliebte Szene-Lokal bleibt Nachtschwärmern künftig versperrt.

von Josef Gebhard, Elias Natmessnig

Der Schriftsteller Robert Menasse muss sich ein neues Stammlokal suchen. Schon wieder. Denn seit das nahe Café Sperl zum Nichtraucherlokal wurde, übersiedelte Menasse an die linke Wienzeile ins Café Drechsler. Jetzt wird auch dieses rauchfrei. „Am Naschmarkt bleibt nur noch das Gasthaus zur Eisernen Zeit“, sagt Menasse, der „fassungslos“ ist, dass nun das nächste Wiener Original zum Nichtraucherlokal wird. „Die Politik ist damit am besten Wege , die Wiener Kaffeehauskultur zu zerstören“, sagt Menasse.

Doch nicht nur für Literaten, auch für ausdauernde Nachtschwärmer ist die Neuorientierung des Café Drechsler ein herber Schlag. Statt um drei Uhr in der Früh sperrt das Traditionscafé am Naschmarkt ab 3. September erst um 8 Uhr auf. Sperrstunde ist dann unter der Woche um Mitternacht, Freitag und Samstag um 2 Uhr in der Früh. „Es hat keinen Sinn mehr, in der Nacht aufzusperren, weil 95 Prozent der nächtlichen Besucher sind Raucher“, sagt Betreiber Manfred Stallmajer.

Notbremse

Nach den jüngsten Querelen rund um das Tabakgesetz hat er vergangene Woche als einer der ersten Lokalbetreiber in Wien die Notbremse gezogen. Seitdem ist das Drechsler ein Nichtraucher-Lokal. Bei der Wiener Wirtschaftskammer sind bisher keine vergleichbaren Fälle bekannt. „Klar ist aber, dass das Tabakgesetz saniert werden muss“, sagt Josef Bitzinger von der Tourismus-Sparte.

Mit ein Anlass war die Entscheidung des Verwaltungsgerichshofs, dass in Lokalen selbst die Wege zu den Toiletten rauchfrei sein müssen. Doch schon davor musste sich Stallmajer mit den Behörden herumschlagen. Im Lokal war der Raucher- und der Nichtraucher-Bereich nicht durch eine Tür getrennt. Stattdessen hatte der Betreiber ein Umluft-System um rund 17.000 Euro installiert. Es sollte verhindern, dass Nichtraucher durch den Qualm behelligt werden. „Gutachten bestätigen uns, dass die Lüftung auch tatsächlich funktioniert hat“, sagt Stallmajer.
Die Behörden ließen sich davon nicht überzeugen und verdonnerten den Cafetier gleich drei Mal zu Geldstrafen. Zuletzt musste er bereits rund 2400 zahlen. „Die nächste würde dann schon 10.000 Euro ausmachen.“

Deshalb sah sich Stallmajer gezwungen, das Rauchen in seinem Lokal komplett zu verbieten und den Nachtbetrieb einzustellen. „Die Umsätze werden uns natürlich fehlen“, sagt der Wirt. Für ihn ist die aktuell gültige Regelung eine „totale Wettbewerbsverzerrung“. Schließlich gebe es ja auch Clubs, die bis 6 Uhr offen haben und in denen geraucht werden kann.

„Ich plädiere daher für ein einheitliches Rauchverbot“, sagt der Wirt. „Überall sonst in Europa gibt es das ja ohnehin schon. Dann würde ich sofort auch in der Nacht wieder aufsperren.“
Für Menasse wäre ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie ein Skandal: „Wenn wir anfangen, eine ganze Kultur zu verbieten, dann gibt es kein Halten mehr.“

Mehr zu den beliebtesten Wiener Kaffeehäusern lesen Sie unter kurier.at/kaffeehaus

www.cafedrechsler.at

Das Wiener Kaffehaus als Weltkulturerbe

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