Die ehemalige Interne Klinik weicht einem Forschungszentrum

© Initiative Denkmalschutz

Chronik Wien
04/25/2020

Abriss der historischen AKH-Klinik hat begonnen

Dabei wurde dem Gebäude zuletzt sogar noch noch attestiert erhaltenswürdig zu sein - im "öffentlichen Interesse"

von Julia Schrenk

Der Eingangsbereich war einmal.

Von dem, was dort einst war, sind nur freigelegte Ziegel, Umrisse, etwas Schutt und Staub zu sehen.

Der Abriss der ehemaligen 1. Medizinischen (internen) Klinik des Allgemeinen Krankenhauses – die sogenannte „Med I“ – hat begonnen. Ein kleiner Bagger steht schon vor der Tür. Laut einer Sprecherin des AKH handelt es sich dabei um „Vorarbeiten für den Abriss“.

Wie berichtet, plant das AKH gemeinsam mit der Med Uni Wien auf dem Areal der ehemaligen Internen Klinik und der Kinderklinik in der Lazarettgasse am Alsergrund ein modernes Forschungszentrum für 800 Mitarbeiter zu errichten.

Dort, am heutigen Campus der Med Uni, soll ein Zentrum für Präzisionsmedizin, eines für Translationale Medizin und Therapien sowie eines für Technologietransfer entstehen.

Weil das Platz braucht und die beiden historischen Gebäude in keinem besonders guten baulichen Zustand gewesen sein sollen, will das AKH deren Abriss.

Dass der nun tatsächlich begonnen hat, ist insofern erstaunlich, als die MA19 (Architektur und Stadtgestaltung) im April des Vorjahres noch erklärte, es gebe ein „öffentliches Interesse an der Erhaltung“ beider Bauten. Und zwar „in Folge ihrer Wirkung auf das örtliche Stadtbild“.

Beide Gebäude sind vom Ringstraßen-Architekten Emil von Förster geplant und wurden zwischen 1909 und 1911 errichtet.

Novelle schützt nicht

Ihr drohender Abriss rief immer wieder die „Initiative Denkmalschutz“ auf den Plan. Auch, weil die Novelle der Bauordnung in solchen Fällen ein Hintertürchen offen hält. Denn: Für Gebäude, die vor 1945 errichtet worden sind, kann die Baupolizei eine Abbruchbewilligung erteilen, wenn der Zustand der Häuser so schlecht ist, dass die Instandsetzung technisch unmöglich ist oder nur durch „wirtschaftlich unzumutbare Aufwendungen“ erfolgen kann.

Ob das bei der 1. Medizinischen Klinik der Fall war, will Siegfried Gierlinger, technischer Direktor des AKH, nicht sagen. Inhaltliche Fragen zum Bescheid seien an die MA37 (Baupolizei) zu richten. Die war für den KURIER am Samstag nicht erreichbar (ebenso wie die MA 19). Im April 2019 hat das AKH dort den Antrag auf Abbruch gestellt.

Der Bescheid zur Bewilligung wurde laut Gierlinger „mit Februar 2020“ ausgestellt. Noch heuer soll der Abriss der Klinik abgeschlossen werden – „unter Einhaltung aller notwendigen gesetzlichen Vorgaben“, wie betont wird. Geplanter Baubeginn für das neue Forschungszentrum ist 2021 oder 2022. Ein bestätigter Termin liege noch nicht vor.

Der Abriss für die ehemalige Kinderklinik wurde übrigens nicht beantragt – „noch nicht“, wie Gierlinger sagt. Zumindest diesen Abriss will die „Initiative Denkmalschutz“ nun verhindern. Eine Petition läuft.

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