© Christoph Aufreiter

Chronik Wien
07/12/2019

Streit um halbverfallene AKH-Gebäude: Magistrat will Erhaltung

Das Magistrat hält die historische Bauten für schützenswert. Für die Gegner der Abrisspläne besteht aber noch kein Grund für Euphorie.

Dass beide Gebäude in einem bedauernswerten baulichen Zustand sind, steht außer Zweifel. Doch wie es mit der ehemaligen Internen Klinik und der Kinderklinik auf dem AKH-Areal weitergehen soll, darüber tobt seit Monaten ein heftiger Streit (der KURIER berichtete): Das Wiener AKH will die halbverfallenen Bauten abreißen und an ihrer Stelle ein dringend benötigtes Forschungsgebäude errichten.

Das ruft Denkmalschützer auf den Plan. Für sie kommt der Abriss der im 1910 vom Ringstraßen-Architekten Emil von Förster errichteten Bauten nicht in Frage.

Sie bekommen jetzt unerwartet Rückendeckung von offizieller Stelle.

 

Nach Ansicht der MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) besteht ein „öffentliches Interesse an der Erhaltung“ der beiden AKH-Bauten. Und zwar „in Folge ihrer Wirkung auf das örtliche Stadtbild“. Das geht aus der Beantwortung der damaligen Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) einer Neos-Anfrage im Mai hervor.

Hintertürchen

Für all jene, die für die Rettung der historischen Bauten kämpfen, besteht dennoch noch kein Grund für Euphorie. Denn die Bauordnung sieht für solche Fälle ein Hintertürchen vor: Für vor 1945 errichtete Bauten kann eine Abbruchbewilligung erteilt werden, wenn ihr Zustand so schlecht ist, dass, dass die Instandsetzung technisch unmöglich ist oder nur durch wirtschaftlich unzumutbare Aufwendungen bewirkt werden kann.

Anfang April hat das AKH den Antrag auf Abbruchbewilligung der beiden Pavillons bei der Baupolizei gestellt. Der Antrag war der Baupolizei aber nicht detailliert genug. Laut dem Direktor der Baupolizei, Gerhard Cech, fehlen etwa Kostenschätzungen über den tatsächlichen Sanierungsaufwand.

Die vom AKH für das Bauprojekt beauftragte Vamed-KMB muss nun der Baupolizei entsprechende Gutachten vorbringen. „Wir rechnen damit, dass die Gutachten im August vorliegen“, sagt AKH-Direktor Herwig Wetzlinger zum KURIER. Er betont, dass der mehr als 100 Jahre alte Bau nicht den Anforderungen eines modernen Forschungszentrums entsprechen würde.

Zeitplan

Laut Wetzlinger würde sich die Verzögerungen durch die kritische Stellungnahme der MA 19 noch in Grenzen halten. „Natürlich wäre es uns lieber gewesen, der Baubescheid wäre schon im Juni vorgelegen. Noch befinden wir uns aber im Zeitplan.“ Das neue Forschungszentrum soll voraussichtlich 2024 oder 2025 bezogen werden.

Für Markus Landerer von der Initiative Denkmalschutz bleibt ein bitterer Beigeschmack. Für ihn bleibt auch die neue Bauordnung ein zahnloses Instrument, wenn es um den Schutz historischer Bausubstanz geht: „Denn wie definiert man, was eine wirtschaftlich unzumutbare Aufwendung für eine Sanierung ist?“

Anders sieht dies Neos-Gemeinderat Stefan Gara. „Das Gebäude wirkt im ersten Eindruck äußerlich erhaltenswert. Es fehlt aber ein Gesamtensemble.“ Auch er ist überzeugt: Die Innenräume sind für eine moderne Spitalsnutzung bzw. auch für wissenschaftliche Zwecke ungeeignet.