Mehr Ehrlichkeit im Wiener Spitalsärztestreit

© Kurier/Gnedt

Wien
02/10/2016

87 Prozent der Ärzte sehen Verschlechterung für Patienten

Die Umfrage der Ärztekammer zeichnet ein düsteres Bild für Wien.

von Josef Gebhard

Wiens Spitalsärzte sehen nach den jüngsten Reformen im KAV eine negative Entwicklung. 87 Prozent der befragten Mediziner gaben an, eine deutliche Verschlechterung der Patientensituation zu beobachten, im KAV sehen das sogar 90 Prozent so. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Ärztekammer unter den Wiener Spitalsärzten.

"Unsere Patienten leiden eindeutig am meisten"

Nur ein Prozent der Befragten empfindet die Situation als "für die Patienten verbessert". 74 Prozent nehmen hingegen eine Verschärfung des Problems einer Zwei-Klassenmedizin wahr. "Unsere Patienten leiden eindeutig am meisten", sagt Ärztekammerchef Thomas Szekeres. Dass die Stadt es scheinbar nicht für nötig halte, die Bürger ordentlich zu versorgen, sei höchst bedenklich.

Unbezahlte Überstunden

Das manifestiert sich auch an den Wartezeiten. Kein Arzt hat geantwortet, dass sich nach Einführung des neuen Ärztearbeitszeiten-Gesetzes die Wartezeiten verkürzt hätten. 29 Prozent der Ärzte sehen sogar eine deutliche Verlängerung. Dazu kommen die unbezahlten Überstunden. Fast ein Drittel leistet laut Umfrage unbezahlte Überstunden. Somit hätte sich der Arbeitsaufwand erhöht. "Es ist unzumutbar, dass man den Arzt vor das ethische Dilemma stelle, entweder den Patienten liegen zu lassen oder ohne Bezahlung weiter zu behandeln", kritisiert Szekeres.

Der administrative Aufwand ist für 65 Prozent mehr geworden, für 81 Prozent der generelle Arbeitsaufwand. 32 Prozent machen unbezahlte Überstunden. Die Ausbildungssituation hat sich für 74 Prozent verschlechtert. Positiv wurde vermerkt, dass der verstärkte Einsatz des Pflegepersonals für medizinische Tätigkeiten die Work-Life-Balance verbessert hat.

Entlastung

Der Wiener Kammerpräsident Thomas Szekeres wertete das Urteil zur verschlechterten Patientenversorgung als alarmierend hohe Zahl. „Hier muss gegengesteuert werden“, sagte er. Gemeinsam mit Vizepräsident Hermann Leitner forderte er weitere Maßnahmen zu Entlastung des ärztlichen Personals. Es brauche mehr Administrativkräfte, und auch die versprochene Übernahme ärztlicher Tätigkeiten durch die Pflege zur Hälfte noch nicht erfolgt.


Außerdem seien die zentralen Notaufnahmen dringend notwendig, denn diese garantierten eine rasche und qualitätsgerechte Erstversorgung der Patienten. 60 Prozent der befragten Ärzte in den Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes gaben an, dass es diese in ihrem Haus noch nicht gebe.

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