Udo Janßen, Generaldirektor des KAV

© KURIER/Gerhard Deutsch

Überfüllte Ambulanzen
02/09/2016

"Sieben von zehn Kinderärzten auf Skiurlaub"

Udo Janßen, Chef der Wiener Spitäler, weist die Vorwürfe der Ärztekammer zurück.

von Josef Gebhard

Die Kammer müsste laut Janßen dafür sorgen, dass in Grippezeiten mehr Ordinationen geöffnet haben.

KURIER: Zuletzt gab es Aufregung über die völlig überlastete Kinderambulanz im Donauspital. Wie kann es sein, dass der Krankenanstaltenverbund (KAV) von der Grippewelle derart überrascht wurde?

Udo Janßen: Grundsätzlich sind wir für die stationäre Versorgung der Patienten da. Am vorletzten Wochenende wurden in Kinderambulanzen des KAV – inklusive AKH – fast 1000 Kinder behandelt. Die Mitarbeiter haben eine hervorragenden Job gemacht. Von den Patienten sind aber nur acht Prozent stationär aufgenommen worden. Der Rest hätte also eigentlich in Ordinationen behandelt werden müssen. Die entscheidende Frage ist daher: Was hat die Ärztekammer getan, um den niedergelassenen Bereich auf die Grippewelle vorzubereiten?

Der KAV sieht also keinen Handlungsbedarf bei sich selbst?

In Deutschland hat man von Montag bis Freitag 33 Stunden Ordinationspflicht. In Wien kommt man bei den Allgemeinmedizinern gerade einmal auf 17 Stunden Ordinationszeit. Aktuell nutzten auch viele niedergelassenen Ärzte die Energieferien. Am vergangenen Freitag waren etwa in Favoriten von zehn Kinderärzten nur drei in den Ordinationen, der Rest der Ärzte war vielleicht auf Skiurlaub. Das ist ein verheerende Situation. Da kann man doch nicht einen stationären Versorger in die Pflicht nehmen.

Zuletzt kritisierte die Kammer, dass es aufgrund der verkürzten Arbeitszeiten zu Problemen bei der Besetzung von Diensten kommt. Hat die Kammer mit diesem Befund Recht?

Das sind Behauptungen, die darauf abzielen, den KAV in ein extrem ungünstiges Licht zu stellen. Ein Beispiel: Die Kammer hat behauptet, dass an der Kinderabteilung des Wilhelminenspitals ein Nachdienst gestrichen werden soll. Das war aber nie geplant. Die Ärztekammer hat dann daraus gemacht, dass sie die Streichung erfolgreich verhindert hat. Das ist doch eine Absurdität sondergleichen. Ich weiß nicht, was die Ärztekammer damit erreichen will.

Sie sehen also derzeit keine Probleme durch die verkürzten Arbeitszeiten?

Das wäre vermessen zu sagen. Natürlich müssen wir in Einzelfällen auch Nachjustierungen vornehmen. Bisher konnten wir für alle Probleme Lösungen finden.

Viele Ärzte befürchten, dass statt der bisherigen 25-Stunden-Dienste im KAV flächendeckend nur mehr 12,5 Stunden gearbeitet werden darf. Ist das tatsächlich geplant?

Wir haben ein gleichwertiges Nebeneinander beider Modelle. Auch hier muss man sich im Einzelfall ansehen, welches das geeignetere ist.

Zuletzt protestierte die Kammer gegen die verzögerte Auszahlung der vereinbarten Zulagen. War es vernünftig, den Beschluss hinauszuzögern?

Wir haben die vereinbarten Vorbereitungen gemacht. Auf die Magistratsabteilung, die für die nötigen Beschlüsse zuständig ist, haben wir keinen Einfluss.

Der Rechnungshof prüft jetzt das Krankenhaus Nord. Was erwarten Sie sich davon?

Der Rechnungshof war schon bisher immer wieder mit dem Projekt beschäftigt. Bei allen Prüfungen hab es keine Beanstandungen. Das erwarte ich mir auch jetzt.

Experten befürchten Kosten von 1,5 Mrd. Euro und eine Inbetriebnahme erst 2020.

Ich kann nicht nachvollziehen, wie man auf diese Schätzung kommt. Jemand der solche Prognosen anstellt, müsste mehr Informationen haben als der KAV selber.

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