Seit dem Schlaganfall liegt Berthold im Wiener Spital Rudolfstiftung auf der Neurologie

© /Katharina Zach

Schwechat/Mödling
02/10/2016

Kritik an Spital: Schlaganfall nicht erkannt

Ehepaar übt heftige Kritik an Rotem Kreuz und dem Spital Mödling.

von Katharina Zach

"Meine Frau hat eine lange Krankengeschichte, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt." Christoph Berthold ist fassungslos. Als Gattin Susanna am 29. Jänner einen Schlaganfall erlitt, erkannten weder Rettung noch das Spital Mödling die ernste Situation. Die 54-Jährige wurde nach Hause geschickt. Erst am nächsten Tag wurde in der Wiener Rudolfstiftung der Hirnschlag diagnostiziert.

"Ich bin in der Früh auf der Seite gelegen. Plötzlich hat sich alles gedreht", erzählt Susanna. Beim Aufstehen sei sie nach rechts umgefallen. "Ich konnte nicht richtig sprechen." Zudem musste sich die Frau übergeben. Kurz sei auch ihre rechte Seite gefühllos gewesen. Ihr Mann wählte den Notruf. Er habe den Verdacht gehabt, dass seine Frau einen Schlaganfall hatte und habe um einen Notarzt gebeten. Nachdem die 54-Jährige zwei Gehirntumore überlebt hat, sind die Bertholds sehr sensibel. Nach wenigen Minuten traf die Rettung ein – ohne Notarzt. Dafür habe es aufgrund der Symptome keine Notwendigkeit gegeben, heißt es.

Entlassen

Die Sanitäter fuhren das Spital Mödling an – obwohl Berthold darum bat, in ein Spital mit Neurologie gebracht zu werden. Im Krankenhaus wurde sie untersucht sowie ein CT angefertigt. Als es der Frau besser ging, wurde sie nach Rücksprache mit ihren Ärzten im AKH entlassen. Mit dem Rat sich wegen es Schwindels an einen HNO-Arzt zu wenden. Auf Christoph Bertholds Frage, ob ein Schlaganfall ausgeschlossen werden könne, habe er ein "Ja" als Antwort erhalten", zürnt er.

Als es der Frau am nächsten Tag nicht besser ging, fuhr das Paar in die Rudolfstiftung wo ein Schlag im linken Kleinhirn festgestellt wurde.

Beim Roten Kreuz betont man, alles richtig gemacht zu haben. Der Schlaganfall sei ein atypischer gewesen, man habe ihn nicht erkennen können. "Wir bedauern, dass diese Symptomatik vom derzeitigen Begutachtungsverfahren nicht erfasst war", sagt Sprecher Andreas Zenker. Man habe das nächste freie Bett in Mödling zugewiesen bekommen, heißt es bei der Rettung. Im Spital wird ebenfalls betont, dass die Patientin "sehr genau nach medizinisch-wissenschaftlichen Kriterien abgeklärt" wurde. Man bedaure den "schicksalhaften Verlauf", bei der Abklärung mittels Computertomografie habe es jedoch keine Anzeichen eines akuten Schlaganfalls gegeben, heißt es seitens der Landesklinikenholding. Man äußerte die Möglichkeit, dass Berthold den Schlaganfall erst nach der Behandlung in Mödling erlitten habe.

Tatsache ist, dass dies kein Einzelfall sein könnte. Die Patientenanwaltschaft untersucht einen Fall, bei dem eine 72-Jährige zwei Mal mit unerkanntem Schlaganfall nach Hause geschickt worden sei.

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