Chronik | Welt
07.04.2017

Ludmillas Leben nach Putin

Ihr 20 Jahre jüngerer Mann renoviert eine Art-déco-Luxusvilla in Biarritz.

Die Antikorruptionsplattform OCCRP wittert schwere Korruption: Wladimir Putins Ex-Frau Ludmilla, 59, lässt gerade in Biarritz eine Art-déco-Villa um sieben Millionen Euro standesgemäß umbauen. Nicht sie persönlich natürlich, sondern ihr zweiter Ehemann, der erst 39-jährige Artur Otscheretnyj. Er ist Direktor des Moskauer Zentrums für Entwicklung zwischenmenschlicher Kommunikation. Das ist eine Stiftung, die Lehrbücher publiziert und Literaturpreise vergibt. Allerdings gehören dieser Stiftung mehrere Tochterfirmen wie "Meridian", die wiederum Premium-Immobilien im Moskauer Stadtzentrum verpachtet. Eine elegante Methode, an viel Geld zu kommen.

Das eigene Imperium

Die Stiftung wurde von der ehemaligen Präsidentengattin protegiert, die ihren feschen und sportlichen Junggemahl angeblich seit vielen Jahren kennt. Artur Otscheretnyj fing offenbar als Event-Manager an und organisierte Feste für Kreise, die dem Präsidentenpaar sehr nahestanden.

Nach der Scheidung von Wladimir Putin 2014 ging Ludmilla also nicht, wie so oft behauptet wurde, ins Kloster. Wozu auch. Sie nahm wieder ihren Mädchennamen Schkrebnjowa an und baute sich ihr eigenes Imperium auf.

Sicher mit Billigung von Putin, der in einer Pressekonferenz auf die Frage, wann es eine neue First Lady geben werde, erklärte: "Ich muss erst meine Ex-Frau verheiraten und dann an meine eigene Zukunft denken."

Das ist offenbar geschehen, jetzt erwarten viele, dass sich Putin zur ehemaligen Turnerin Alina Kabajewa bekennt, mit der er seit 2008 liiert sein und zumindest einen Sohn haben soll.

VIP-Status

Mitarbeiter des Oppositionspolitikers und Aufdeckers Alexej Nawalny bestätigten, dass Ludmilla im Februar 2015 einen neuen Pass bekam, ausgestellt von einer Behörde, die auf den VIP-Status der Inhaberin schließen lässt: Ludmilla Otscheretnaja. Schon als Präsidentengattin trat die Stewardess aus Kaliningrad nicht so gerne in der Öffentlichkeit auf, jetzt ist sie wie vom Erdboden verschluckt. Angeblich wurde sie vor wenigen Tagen am Flughafen Heathrow fotografiert. Auch in Biarritz will man sie schon erkannt haben.

In dem schicken Badeort an Frankreichs Atlantikküste hat auch Putins jüngere Tochter, Katerina Tichonowa, eine Residenz. Laut Reuters kostete das Haus 3,5 Millionen Euro. Ihr Mann Kirill , Sohn eines Bankers und engen Putin-Freundes, gehört mit 35 Jahren zu den jüngsten Oligarchen im Land. Putins Schwiegersohn ist am Petrochemiekonzern Sibur beteiligt und verdiente laut Forbes 2015 1,2 Milliarden Dollar.

Um nicht erkannt zu werden, hat Putins Tochter den Namen ihrer Großmutter angenommen: Sie ist Prorektorin der staatlichen Lomonossow-Universität und verwaltet für ihre Forschungs-Organisation Innopraktika 1,6 Milliarden Euro.

Über die ältere Tochter Maria, 36, eine Ärztin, ist wenig bekannt, denn die private Ruhe von Putins Töchtern aus erster Ehe darf nicht gestört werden. Nur so viel: Sie ist mit einem Holländer verheiratet, der als Berater der Gazprombank sehr reich geworden sein soll.