Geisel Jemen Neubauer

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Geiseldrama
02/28/2013

Schweizer Fall gibt neue Hoffnung

Nach mehr als einem Jahr wurde eine Schweizerin im Jemen von der El Kaida freigelassen.

von Wilhelm Theuretsbacher

Es gibt Hoffnung für die Eltern des Wiener Sprachstudenten, Dominik Neubauer, der im Jemen als Geisel genommen wurde. Denn just an jenem Tag, an dem sie ihren verzweifelten Videoaufruf an die Kidnapper ins Netz stellten, wurde im Jemen eine Schweizer Geisel unversehrt freigelassen. Beide Fälle zeigen erstaunliche Parallelen.

Am 12. März 2012 wurde die damals 32-jährige Schweizerin Sylvia Abrahat aus ihrem Haus in Hudaydah am Roten Meer von bewaffneten Stammeskämpfern entführt. Nach Informationen von lokalen Stammesführern wurde Abrahat von den Entführern an eine El-Kaida-nahe Organisation Namens Ansar Sharia übergeben und durch drei Provinzen in die Al-Saeed-Berge in der Provinz Shabwa verschleppt.

Bin Ladens Ehefrau

Die Entführer verlangten ursprünglich die Freilassung von 100 inhaftierten Kampfgenossen durch die jemenitische Regierung, weiters die Freilassung einer Ehefrau Osama Bin Ladens und eine Menge Geld. Mit zwei Videobotschaften wollten die Entführer den Druck erhöhen. Diese Forderungen wurden selbst von einheimischen Stammeschefs als völlig unrealistisch eingeschätzt.

Agenten des Emirates Katar gelang es nun, den Nervenkrieg zu beenden. Nach Angaben eines offiziellen Sprechers hatte sich das Verhandlungsteam zwei Monate lang vor Ort um die Freilassung bemüht. Mittwochvormittag kam die offizielle Mitteilung, dass Sylvia Abrahat frei sei. Zu welchen Bedingungen wurde nicht mitgeteilt. Nur so viel: Es soll kein Geld geflossen sein.

Wenige Stunden später saß die Frau bereits in einem Privatjet nach Doha, wo sie vom Schweizer Botschafter Martin Äschbacher und dem katarischen Vize-Außenminister Ali Alhajri empfangen wurde.

Parallelen

Der Fall zeigt auffällige Parallelen zum entführten Wiener. Auch er hat sich – wie die Schweizerin – in einem Sprachinstitut aufgehalten. Er wurde zwar von einem anderen Stamm entführt, aber nach lokalen Quellen wurde auch er an eine El-Kaida-nahe Organisation weiter gereicht. Diese hat ihre Operationsbasen nahe der Stadt Rada’a – nur knapp 100 Kilometer von dem Ort entfernt, wo die Schweizerin festgehalten wurde. Ein weiterer Grund zur Hoffnung ist der Umstand, dass bisher die meisten westlichen Jemen-Geiseln freigekommen sind. Weniger beruhigend hingegen ist es, dass die jemenitische Militäroperation gegen die mutmaßlichen Geiselnehmer bereits 65 Menschenleben auf beiden Seiten gefordert hat.

Parallelen: Sprachinstitute und El Kaida

Dominik Neubauer Er war Student in einem Sprachinstitut in Sanaa. Entführt wurde er von einem Stamm, der ihn an eine El-Kaida-Organisation weiterreichte.

Sylvia Abrahat Sie war in einem Sprachinstitut in einer Hafenstadt. Entführt wurde sie von einem lokalen Stamm und an die El Kaida weitergereicht. Diese verschleppte sie durch drei Provinzen nach Osten.

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