Die "Aida Nova" in Lissabon

© EPA/MARIO CRUZ

Chronik Welt
01/03/2022

Omikron statt Urlaub: Corona beendet mehrere Kreuzfahrten

Drei Schiffe in Europa, Nahost und Asien brachen ihre Reisen ab, auf einem weiteren wurden die Regeln verschärft. Kreuzfahrten seien dennoch sicher, sagt die Branche.

von Irene Thierjung

"Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön" heißt es in einem deutschen Volkslied. Mehrere tausend Urlauber, die das Jahr 2022 an Bord von Kreuzfahrtschiffen beginnen wollten, dürften den Zeilen allerdings nicht zustimmen.

Wegen Corona-Fällen in der Besatzung mussten am Wochenende sowohl die "Aida Nova" als auch "Mein Schiff 6" ihre Reisen abbrechen. Für die knapp 2.900 Passagiere an Bord der "Aida Nova" endete der Neujahrstrip zu den Kanarischen Inseln vorzeitig in Lissabon, nachdem das Schiff dort bereits drei Tage vor Anker gelegen war. 52 der rund 1.350 Besatzungsmitglieder wurden positiv getestet. In Dubai mussten rund 2.000 Passagiere des zum TUI-Konzern gehörenden Kreuzers "Mein Schiff 6" vorzeitig von Bord.

Dem nicht genug, berichtete der Spiegel am Montag von Corona-bedingten Problemen auch auf der "Aida Mar" vor Gran Canaria. Ein Passagier habe mitgeteilt, dass die etwa 1.500 Reisenden das Schiff nicht mehr individuell verlassen dürften, sondern nur noch in kostenpflichtigen Gruppenausflügen. Zudem falle die Kinderbetreuung aus.

In Indien wurden auf einem Kreuzfahrtschiff 66 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet. Noch müssten die insgesamt rund 2.000 Menschen an Bord bleiben, teilte der Gesundheitsminister des Bundesstaates Goa, wo das Schiff vor Anker liegt, mit. Die Behörden würden später entscheiden, ob Crew und Passagiere an Land gehen dürften.

Strenge Regeln

Nachdem die Kreuzfahrtbranche zu Beginn der Corona-Pandemie schwer ins Schlingern geraten war, hatte sie sich zuletzt wieder erholt. Kreuzfahrten galten aufgrund vielfältiger Vorbeugemaßnahmen an Bord als weitgehend sicher, auch wenn immer wieder einzelne Schiffe unter Quarantäne gestellt werden mussten.

In Hongkong und Singapur wurden sogar "Kreuzfahrten ins Nirgendwo" angeboten, um reisehungrigen Städtern eine Auszeit zu ermöglichen.

Auch an Bord der "Aida Nova" und von "Mein Schiff 6" gab es strenge Regeln. Alle Gäste ab 12 Jahren und die gesamte Besatzung waren vollständig geimpft, zudem gab es mehrere Tests.

Angesichts der hohen Übertragbarkeit der Omikron-Variante des Coronavirus auch unter geimpften Menschen reicht das offensichtlich nicht mehr aus. Die US-Gesundheitsbehörde CDC warnte bereits in der Vorwoche "weltweit und unabhängig vom Impfstatus" vor Kreuzfahrten. Es sei "besonders wichtig", dass Menschen, bei denen eine hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe bestehe, von jeglichen Kreuzfahrten absehen würden. Zu Beginn der Pandemie hatte die Behörde Kreuzfahrten zeitweise komplett untersagt.

360 Schiffe weltweit

Trotz der jüngsten Vorfälle betrachtet der internationale Branchenverband Clia Kreuzfahrten weiterhin als sicher. "Grund sind die hohen Eingangsbarrieren", sagte der deutsche Clia-Geschäftsführer Helge Grammerstorf der dpa. Auf den Schiffen gelte die 2G-plus- oder sogar die 1G-plus-Regel. Bei 2G-plus sei eine Booster-Impfung vorgeschrieben, bei 1G-plus würde sogar Genesenen der Zutritt verwehrt. Zudem müssten sich Passagiere vor Reiseantritt PCR-testen, und auch während der Reise gebe es Tests.

Weltweit gebe es rund 360 Kreuzfahrtschiffe, so Grammerstorf. Er gehe davon aus, dass 70 Prozent davon derzeit unterwegs seien. "Bis zum Sommer werden es rund 90 Prozent sein."

US-Reedereien betonen, dass das Infektionsrisiko auf Schiffen im Vergleich zum Land gering sei. Seit der Wiederaufnahme der Schiffspassagen im Juni seien rund 1,1 Millionen Passagiere befördert worden, hieß es etwa von der Royal Caribbean Group. Von diesen seien nur 1.745 positiv auf das Coronavirus getestet worden.

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