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Chronik Welt
06/09/2020

"Nature": Lockdown hat in Europa mehr als drei Millionen Tote verhindert

In einer Studie des Imperial College London wurden elf europäische Staaten analysiert. Österreich hätte ohne Maßnahmen rund 66.000 Tote zu beklagen.

von Bernhard Gaul

Eine Studie des Imperial College in London, die im renommierten Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlicht wurde, hat die Auswirkungen der Maßnahmen gegen das Coronavirus in elf europäischen Staaten, darunter auch Österreich, analysiert.

In Ermangelung eines Impfstoffs oder eines wirksamen Medikaments ging es den Studienautoren vor allem um die gesetzten nicht-therapeutischen Maßnahmen, also etwa die Schulschließungen, das Verbot öffentlicher Veranstaltungen und des partiellen Lockdowns.

Geschätzt wird, dass sich in ganz Europa zwischen zwölf und 15 Millionen Menschen mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert haben, das sind etwa 3,2 bis vier Prozent der Bevölkerung.

"Unser Ergebnis ist, dass die wesentlichen Maßnahmen, insbesondere der Lockdown, in den meisten Staaten, einen großen Effekt auf die Ausbreitung des Virus hatten", heißt es in der Studie mit dem Titel: "Estimating the effects of non-pharmaceutical interventions on COVID-19 in Europe".

Schätzung der Infektionen

Interessant sind etwa die Schätzungen zu den Infektionen: Für Italien, das eine Zeit lang mit Abstand am schwersten vom heimtückischen Virus heimgesucht worden war, dürften demnach bis zu 2,8 Millionen Menschen (4,6 Prozent) infiziert worden sein. Spanien, das Italien als größter Hotspot in Europa abgelöst hatte, soll bisher bis zu 2,6 Millionen Infizierte (5,5 Prozent) haben. Deutschland habe demnach nur rund 710.000 Infizierte, mit nur 0,85 Prozent sei das eine sehr niedrige Infektionszahl.

Belgien habe mit acht Prozent die höchste Infektionszahl gehabt.

In Österreich seien die Infektionszahlen bei rund 0,76 Prozent gelegen, in Dänemark nur unwesentlich höher bei rund einem Prozent.  Die niedrigste Infektionsrate sei in Norwegen mit 0,46 Prozent festgestellt worden.  

Worst-case-Szenario

Dann haben die Wissenschaftler versucht zu eruieren, was denn in diesen Staaten passiert wäre, hätte die Politik keine Maßnahmen getroffen. Der Vergleichszeitraum war vom ersten Auftreten des Virus in Europa, also etwa Anfang des Jahres, bis zum 4. Mai, als die ersten Staaten begonnen hatten, den Lockdown langsam aufzuheben.

"In den elf untersuchten europäischen Staaten wurden seit Ausbruch der Pandemie durch die gesetzten Maßnahmen rund 3,1 Millionen Todesfälle verhindert", heißt es in der Studie.

Konkret genannt werden für Österreich bis zum 4. Mai ohne Maßnahmen 66.000 Tote, also um den Faktor 100 mehr, als tatsächlich zu beklagen waren.

In Italien hat es zwar rund 31,000 Tote bis Anfang Mai gegeben, ohne die drastischen Maßnahmen hätte die Opferzahl auf 670.000 hochschnellen können, sagen die Studienautoren.

Ähnliches gilt für Belgien, wo bis zu 110.000 Tote verhindert wurden (tatsächlich bis Mai 7300 Tote). Spanien habe durch den Lockdown 450.000 Tote verhindern können (tatsächlich 25.000).

Auch Briten schwächten Ausbreitung ab

Sogar in Großbritannien, das ebenfalls schwer durch den Virus getroffen wurde, schätzen die Forscher, dass im schlimmsten Fall bis zu 470.000 Tote zu beklagen gewesen wären, bis Anfang Mai gab es fast 29.000 Tote. Inzwischen ist die Anzahl der Covid-Toten allerdings bei etwa 40.900.

Hier die Studie im englischen Original.

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