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Hitzealarm in weiten Teilen Europas – und es kommt noch schlimmer

Europa ächzt unter der Hitze: In Spanien gilt fast im ganzen Land Alarmstufe Rot, Frankreich erlebt Rekordhitze. In Österreich sind am Wochenende Temperaturen bis zu 40 Grad möglich. Ein Überblick.
Hitze in Spanien

Europa schwitzt: Eine neue Hitzewelle hat große Teile des Kontinents fest im Griff. In vielen Ländern gelten Hitzewarnungen – es ist bereits die zweite extreme Hitzeperiode innerhalb weniger Wochen. Und ein Ende ist vorerst nicht in Sicht.

Warum hält sich die Hitzewelle so lang?

Hinter der außergewöhnlichen Wetterlage steht ein seltenes Zusammenspiel großräumiger atmosphärischer Prozesse. Meteorologen sprechen von einer sogenannten Omega-Blockade. Dabei bildet sich in den höheren Luftschichten ein mächtiges Hochdruckgebiet, das auf Wetterkarten die Form des griechischen Buchstabens Omega annimmt. Dieses Wettermuster wirkt wie eine Barriere: Tiefdruckgebiete werden umgeleitet, Wetterfronten können sich kaum bewegen.

Die Folge ist eine ausgeprägte Hitzeglocke, im Englischen als „Heat Dome“ bezeichnet. Unter dieser Glocke wird heiße Luft über weiten Teilen Europas eingeschlossen. Gleichzeitig sinken die Luftmassen langsam ab. Durch diesen Prozess verdichten sie und erwärmen sich zusätzlich. Die Temperaturen steigen dadurch Tag für Tag weiter an. Nach Einschätzung zahlreicher Wetterdienste dürfte die aktuelle Wetterlage noch länger anhalten. Prognosen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) und des US-Wettermodells GFS deuten darauf hin, dass sich die Hitzeglocke bis in den Juli hinein in weiten Teilen Europas behaupten könnte.

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Europa schwitzt - ein Überblick:

Hitzewarnungen für fast ganz Spanien

Wegen extrem hoher Temperaturen gilt für fast ganz Spanien eine Hitzewarnung. Die spanische Wetterbehörde Aemet rief am Dienstag die höchste Alarmstufe Rot, die vor „ungewöhnlicher Gefahr“ wegen hoher Temperaturen warnt, für Gebiete rund um das südspanische Córdoba sowie im Norden des Landes für Bilbao und Teile der Region Kantabrien aus. Für das ebenfalls im Norden gelegene Baskenland wurden Temperaturen von bis zu 40 Grad im Schatten vorhergesagt. An der Küste von Almería in der südlichen Region Andalusien lagen die Temperaturen die dritte Nacht in Folge auch nachts bei über 30 Grad, in Andújar wurden 45 Grad Celsius registriert.

Die spanischen Behörden riefen Einwohner und Touristen auf, regelmäßig Wasser zu trinken, sich in kühlen Räumen aufzuhalten und körperliche Aktivitäten im Freien während der heißesten Stunden des Tages zu vermeiden. Außerdem wurden die Menschen aufgerufen, sich um besonders anfällige Menschen wie Senioren zu kümmern.

Spanien gehört Klimawissenschaftlern zufolge zu den Ländern, die am stärksten unter der fortschreitenden Erderwärmung leiden. In den vergangenen Jahren nahmen die Häufigkeit und Intensität der dortigen Hitzewellen zu. Vergangenes Jahr erlebte das Urlaubsland mit einer Durchschnittstemperatur von 24,2 Grad seinen heißesten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn.

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Ungewohnt intensive Hitze in Frankreich

Auch Frankreich ächzt unter enormer Hitze. Für insgesamt 58 französische Départements gilt aktuell die höchste Hitze-Warnstufe Rot. Der französische Wetterdienst Météo France spricht von einer ungewohnt intensiven Hitzewelle. Temperaturrekorde könnten im Tagesverlauf gebrochen werden. Bereits um 05.00 Uhr kratzte das westfranzösische La Rochelle fast an der 30-Grad-Marke.

Wann die Menschen im Land mit Abkühlung rechnen können, ist noch nicht abzusehen. Schulen bleiben teils geschlossen, teilweise werden Maturaprüfungen verschoben. Laut Premierminister Sébastien Lecornu gab es im Land 40 Badetote seit Donnerstag. Unter ihnen seien viele Minderjährige. 

Während die Hitze weiter über Frankreich brütet, sind Zehntausende Haushalte im Nordwesten des Landes vom Strom abgeschnitten. Grund ist ein Vorfall an einem Transformator am Dienstag, der mit den hohen Temperaturen in Verbindung steht. Frühestens am Abend könnten die Haushalte wieder ans Netz angeschlossen werden. 

Bis zu 40 Grad in Italien

Pünktlich zum astronomischen Sommerbeginn erlebt auch Italien eine der stärksten Hitzewellen des Jahres. In den kommenden acht bis zehn Tagen werden vielerorts Höchstwerte von bis zu 40 Grad Celsius erwartet.

Besonders betroffen sind die norditalienische Ebene des Flusses Po, die Binnenregionen Mittelitaliens sowie Sardinien. Dort liegen die Temperaturen teilweise bis zu zehn Grad über den für Ende Juni üblichen Durchschnittswerten. Bis zu 36 Grad heiß war es am Wochenende in Teilen Südtirols - und es bleibt heiß. In Italien galt Stand Mittwoch für 15 Städte, darunter Rom, Mailand, Florenz, Turin und Venedig, die höchste Hitzewarnstufe.

Experten warnen vor den gesundheitlichen Folgen der anhaltenden Hitze. Die Behörden rufen ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke dazu auf, direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden, ausreichend zu trinken und körperliche Anstrengungen während der heißesten Tagesstunden einzuschränken.

Wegen mutmaßlichem Hitzschlag sind indes am Montag in dem norditalienischen Adria-Badeort Lignano Sabbiadoro 19 österreichische Jugendliche medizinisch versorgt worden. Bei den Betroffenen handelt es sich um Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren, die zum Camping in Lignano eingetroffen waren, berichtete die Regionalzeitung Messaggero Veneto

Großbritannien: Rote Hitzewarnung veröffentlicht 

Auch Großbritannien erlebt eine außergewöhnliche Wetterlage. Der britische Wetterdienst Met Office hat für Mittwoch und Donnerstag eine rote Hitzewarnung herausgegeben. Es werden Temperaturen von bis zu 40 Grad erwartet, der bisherige Tagestemperaturrekord für Juni würde damit gebrochen werden.

UK Met Office issues red extreme heat warning for southern England

Über 40 Grad in Deutschland vorhergesagt

Für den Westen und Südwesten Deutschlands werden in den nächsten Tagen Temperaturen bis zu 41 Grad Celsius prognostiziert - damit würde der bisherige Hitzerekord gebrochen. Besonders im Blick haben Meteorologen der FAZ zufolge dabei den Oberrhein, weil die heiße Luft aus Frankreich nach Deutschland zieht. Auch das Saarland zählt zu den möglichen Hotspots. Je nach Wettermodell könnte extreme Hitze zudem im Raum zwischen Berlin und Dresden auftreten.

Heatwave in Germany

Auch Belgien und Niederlande betroffen

In Belgien und den Niederlanden steigt die Hitze ebenfalls weiter an. Der niederländische Wetterdienst KNMI hat für den Süden und die Landesmitte die Warnstufe "Code Orange" ausgerufen. Sie weist auf eine hohe Wahrscheinlichkeit gefährlicher Wetterbedingungen hin. In Belgien aktivierte die nationale Risikomanagementgruppe die Alarmphase des nationalen Ozon- und Hitzeplans - zum zweiten Mal seit dem August 2020. 

Meteorologen erwarten, dass die Hitzewelle ihren Höhepunkt in Deutschland, Belgien und den Niederlanden erst in den kommenden Tagen erreicht.

Tausende Tote durch Hitze in Europa

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, welche Folgen lang anhaltende Hitzewellen haben können. Nach wissenschaftlichen Schätzungen starben allein im Jahr 2024 europaweit mehr als 62.000 Menschen an den Folgen extremer Hitze.

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