Hitze als neue Realität: Das Land rüstet sich für heiße Tage
Besonders ältere Menschen empfinden die hohen Temperaturen als belastend.
Die Sonne strahlt bereits seit ihrem Aufgang um 5 Uhr erbarmungslos. Kein einziges Wölkchen trübt den Himmel und bremst die wärmenden Strahlen. Das Thermometer klettert zuerst auf 25, dann auf 30 und schließlich auf 35 Grad Celsius.
Die Straßen flimmern, Schattenplätze werden zu begehrten Rückzugsorten. Hitzewellen wie jene, die Österreich gerade erlebt, sind keine Ausnahmeerscheinungen mehr.
Österreich wird wärmer
Österreich hat sich seit 1900 um durchschnittlich 3,1 Grad Celsius erwärmt. Die Folgen sind nicht nur in Wetterstatistiken sichtbar, sondern zunehmend auch in den Gesundheitsdaten.
Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) untersucht mit ihrem Hitze-Monitoring die gesundheitlichen Auswirkungen hoher Temperaturen.
83 Hitzetote in NÖ
Für das Jahr 2025 wurden österreichweit 449 hitzebedingte Todesfälle geschätzt. Niederösterreich verzeichnete mit 83 Todesfällen den zweithöchsten Wert aller Bundesländer, knapp hinter der Steiermark mit 93.
Um diese Zahlen zu ermitteln, berücksichtigt die AGES in ihren Modellen unter anderem die Altersstruktur der Bevölkerung, regionale Temperaturdaten und die Sterblichkeitsentwicklung, erklärt die Behörde auf KURIER-Anfrage.
Eine soziale Frage
Warum einzelne Bundesländer stärker betroffen sind als andere, lässt sich nicht auf einen bestimmten Faktor zurückführen. Neben den tatsächlichen Temperaturunterschieden spielen auch die Altersstruktur der Bevölkerung, Siedlungsdichte, Versiegelung und andere regionale Gegebenheiten eine Rolle.
Nach dem wechselhaften Wetter freuen sich viele über die sommerlichen Temperaturen. Aber gerade für armutsbetroffene und obdachlose Menschen bringen die heißen Temperaturen auch große gesundheitliche Risiken mit sich.
Caritasdirektor
Außerdem betrifft Hitze nicht alle Menschen gleichermaßen. Die Klimakrise ist laut Caritas zunehmend auch eine soziale Frage. Während viele Menschen sich in klimatisierte Räume zurückziehen können, sind obdachlose Menschen und Personen in schlecht isolierten Wohnungen der Hitze oft schutzlos ausgesetzt.
Mit 24 Klimaoasen in Wien und Niederösterreich, Streetwork-Einsätzen und Hitzepaketen versucht die Hilfsorganisation gegenzusteuern.
Klimaoasen
Pfarrgärten werden zu kostenlosen und kühlen Rückzugsorten, so das Konzept der Klimaoasen. Freiwillige betreuen und empfangen die Gäste und verköstigen sie mit kühlen Getränken und kleinen Mahlzeiten.
„Die Menschen kommen aus unterschiedlichen Gründen in unsere Klimaoasen. Viele suchen einen schattigen Platz, um sich abzukühlen, und freuen sich über die kostenlosen Snacks. Sie schätzen auch die Möglichkeit, mit anderen ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. So setzen wir als Caritas mit den Klimaoasen ein mehrfaches Zeichen: Gegen Armut, Ausgrenzung und gegen Einsamkeit“, freut sich Mila Willingshofer, Projektkoordinatorin der Klimaoasen.
Die Oasen werden gut angenommen, im letzten Jahr wurden knapp 6.380 Besuche gezählt.
Stufe orange am Wochenende
Derzeit wird ganz Niederösterreich von GeoSphere Austria auf „gelb“ gestuft. Ab morgen, sowie am Wochenende färbt sich beinahe das ganze Land orange. Das bedeutet, dass Schutzmaßnahmen ergriffen werden sollten. Neben persönlichen Maßnahmen, wie vermehrtem Trinken, gibt es auch institutionelle Maßnahmen.
Um besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen zu schützen, wurden Hitzeschutzpläne entwickelt. Sie legen fest, welche Maßnahmen bei bevorstehenden Hitzewellen gesetzt werden sollen und wie Gesundheits-, Pflege- und Sozialeinrichtungen informiert werden.
Hitzeschutzmaßnahmen
Erwartet die Geosphere Austria an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine erhöhte oder starke Hitzebelastung, werden automatisch Warnungen an zahlreiche Einrichtungen verschickt. Dazu zählen Krankenhäuser, Pflege- und Betreuungszentren, Rettungsorganisationen, Kindergärten, Schulen sowie die Ärztekammer und die Landeswarnzentrale.
Diese Warnungen sollen die Einrichtungen dazu veranlassen, ihre eigenen Hitzeschutzmaßnahmen zu aktivieren. Dazu gehören etwa die verstärkte Betreuung besonders gefährdeter Personen, die Anpassung von Tagesabläufen oder zusätzliche Informationsangebote für Mitarbeiter und Angehörige.
Begrünung, Beschattung und klimafitte Gebäude
Langfristig sollen Begrünung, Beschattung und klimafitte Gebäude dazu beitragen, die Belastung durch hohe Temperaturen zu reduzieren. Auch Nachbarschaftshilfe und soziale Netzwerke werden als wichtige Faktoren genannt.
Eines ist klar: Diese Hitzewelle wird nicht die letzte sein. Die Frage ist längst nicht mehr, ob sich das Land an steigende Temperaturen anpassen muss – sondern wie schnell dies gelingt.
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