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Chronik Welt
12/21/2021

Ghislaine Maxwell: Ein Urteil noch vor Weihnachten

Die langjährige Freundin des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein meldete sich während des Prozesses nur einmal zu Wort: „Es gibt für mich keinen Grund auszusagen.“

von Dirk Hautkapp

Am Samstag wird Ghislaine Maxwell 60. Die langjährige Vertraute des 2019 im Gefängnis durch Selbstmord gestorbenen Sexual-Verbrechers Jeffrey Epstein wird ihren runden Geburtstag entweder in Freiheit erleben oder im Häftlingsoverall – mit der Aussicht auf viele Jahre hinter Gittern.

Darüber beraten seit Montagnachmittag zwölf Männer und Frauen in einem abgesicherten Raum des Thurgood-Marshall-Gerichtsgebäudes in New York City. Sie haben abzuwägen, ob die Anklage „über jeden vernünftigen Zweifel hinaus“ nachgewiesen hat, dass Maxwell dem schillernden Multi-Millionär minderjährige Frauen unter dem Vorwand von Massage-Diensten zur sexuellen Ausbeutung zugeführt hat. Und ob sie selbst an den in Luxus-Anwesen in Palm Beach, New York, New Mexico und London verorteten Aktivitäten im Stile einer „ruchlosen Zuhälterin“ teilgenommen hat. Oder nicht.

Ganz gleich, wie das Schlusskapitel aussieht, das die Geschworenen auf Wunsch von Richterin Alison Nathan voraussichtlich am heutigen Mittwoch schreiben werden - die Tochter des ehemaligen britischen Medienmoguls Robert Maxwell wird noch lange für Schlagzeilen sorgen. Nur ein Grund: In einem weiteren Prozess muss sich Maxwell 2022 wegen des Verdachts eines Meineids zum Vorteil Epsteins verantworten.

Höchststrafe 70 Jahre

Staatsanwältin Alison Moe bilanzierte nach zwölf Prozesstagen und 30 vernommenen Zeugen, darunter vier Opfer, den Sachverhalt so: Maxwell war zentraler Bestandteil des fortgesetzten sexuellen Missbrauchs, den Epstein ihr im Laufe von acht Jahren mit Zahlungen von über 30 Millionen Dollar vergoldet haben soll. „Sie war der Schlüssel zu der ganzen Operation.“ Die möglichen Höchststrafen für Delikte wie Menschenhandel mit Minderjährigen summieren sich auf 70 Jahre.

Für das hoch dotierte Verteidiger-Quartett Bobbi Sternheim, Laura Menninger, Christian Everdell und Jeffrey Pagliuca wiederholte Anwältin Menninger gebetsmühlenartig ihre Linie: Maxwell sei der Sündenbock, der stellvertretend für Missetaten des nicht mehr haftbar zu machenden Epstein herhalten soll. Die Freundschaft zu Epstein war der „vermutlich größere Fehler ihres Lebens – aber nicht strafbar“. Wörtlich: „Ghislaine Maxwell ist eine unschuldige Frau, der Verbrechen vorgeworfen werden, die sie nicht begangen hat.“

Mehrfach unternahmen Maxwells Anwälte den Versuch, die Glaubwürdigkeit der vier Kronzeuginnen zu erschüttern. Drei Frauen, die als „Jane“, „Kate“ und „Carolyn“ aussagten, sowie die unter ihrem echten Namen auftretende Annie Farmer, hatten detailliert dargelegt, wie sie seit Anfang der 90er-Jahre systematisch von Maxwell an sexuelle Dienstbarkeiten für Epstein herangeführt wurden. Dabei gab es Ungenauigkeiten und Widersprüche.

Die von der Verteidigung für einen Stundenlohn von 600 Dollar angeheuerte Psychologin Elizabeth Loftus arbeitete heraus, dass man sich nach so vielen Jahren nicht auf das Gedächtnis von Zeugen der Anklage verlassen könne. Zumal etwa „Jane“, die zur Tatzeit 14 Jahre alt war, aus dem Epstein-Nachlass bereits fünf Millionen Dollar Entschädigung bekommen hat.

Ghislaine Maxwell hat sich persönlich nicht zu den Vorwürfen eingelassen. Sie beließ es bei einem Satz, der für hochgezogene Augenbrauen sorgte: „Euer Ehren, die Staatsanwaltschaft hat ihre Anklage nicht zweifelsfrei bewiesen, sodass es für mich keinen Grund gibt auszusagen.“

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