Die sterblichen Überreste von Dom Philips wurde identifiziert

© EPA/Joedson Alves

Chronik Welt

Gewalttat: Leiche von britischen Journalisten im Amazonasgebiet identifiziert

Dom Phillips und der Indigenen-Experte Bruno Pereira wurden seit einer Woche im Regenwald vermisst. Ein Doppelmord gilt als wahrscheinlich

06/18/2022, 07:24 AM

Nach der tagelangen Suche nach einem vermissten britischen Journalisten und einem ebenfalls verschollenen Indigenen-Experten im brasilianischen Regenwald mehren sich die Hinweise auf eine Gewalttat: Die im Amazonasgebiet entdeckten sterblichen Überreste eines Menschen sind dem Reporter Dom Phillips zugeordnet worden, wie die Bundespolizei am Freitag mitteilte. Weitere Untersuchungen sollen Aufschluss ĂŒber die Todesursache geben.

Andere am Tatort im Grenzgebiet zu Peru und Kolumbien entdeckte Leichenteile werden weiter analysiert. Dabei handelt es sich vermutlich um die sterblichen Überreste des Indigenen-Experten Bruno Pereira. Die beiden MĂ€nner waren bei einer Reise in das Javari-Tal im Westen von Brasilien verschwunden.

VerdÀchtige festgenommen

Zwei VerdĂ€chtige wurden daraufhin festgenommen. Einer rĂ€umte ein, an dem Mord an den beiden MĂ€nnern beteiligt gewesen zu sein und fĂŒhrte die Polizei zu menschlichen Überresten. Die mutmaßlichen Mörder handelten nach ersten Ermittlungsergebnissen wahrscheinlich auf eigene Rechnung. "Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass die TĂ€ter allein gehandelt haben und kein Auftraggeber oder kriminelle Organisation hinter der Tat stand", teilte die Bundespolizei mit.

Phillips lebte schon lange in Brasilien und war mit einer Brasilianerin verheiratet. Er schrieb als freier Journalist unter anderem fĂŒr die britischen Zeitungen "The Guardian" und "The Financial Times" sowie fĂŒr die US-Zeitungen "Washington Post" und "The New York Times".

Heikle Recherchen

Zuletzt recherchierte er fĂŒr ein Buch ĂŒber den Schutz des Amazonasgebiets, die starken wirtschaftlichen Interessen an dessen Ausbeutung und verschiedene Entwicklungsmodelle. Das Motiv fĂŒr den mutmaßlichen Mord war zunĂ€chst unklar. Unter anderem prĂŒfen die Ermittler, ob die Tat im Zusammenhang mit illegaler Fischerei oder Drogenhandel steht.

Die Indigenen-Vereinigung des Javari-Tals beklagte den "unschĂ€tzbaren Verlust" von "zwei Partnern". Es waren vor allem die Indigenen der Region, die die Suche nach den Vermissten von Anfang an vorangetrieben hatten. Brasiliens rechtspopulistischer PrĂ€sident Jair Bolsonaro hingegen hatte den MĂ€nnern zunĂ€chst eine Mitschuld gegeben. Er sagte, dass Phillips "in der Region schlecht angesehen" gewesen sei und mehr "auf sich selbst" hĂ€tte achten mĂŒssen.

Phillips und Pereira waren nach Angaben einer regionalen Ureinwohner-Organisation nicht wie geplant am 5. Juni mit dem Boot in der Stadt Atalaia do Norte angekommen. Zuvor hatte Pereira bei der Polizei gemeldet, mehrmals bedroht worden zu sein. Er hatte illegale Machenschaften im Javari-Tal fĂŒr die Behörden aufgezeichnet.

Die Region ist mit einer FlĂ€che etwas grĂ¶ĂŸer als Österreich eines der grĂ¶ĂŸten indigenen Gebiete Brasiliens. Viele Indigene leben dort isoliert. Das Grenzgebiet zu Peru und Kolumbien ist durch illegale Goldsuche, Abholzung, Jagd und illegalen Fischfang sowie Drogenschmuggel besonders konfliktreich. Brasilien war der Nichtregierungsorganisation Global Witness zufolge im Jahr 2020 das viertgefĂ€hrlichste Land fĂŒr UmweltschĂŒtzer - 20 NaturschĂŒtzer und Umweltaktivisten wurden dort getötet.

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