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Chronik Welt
02/10/2022

"Gelangweilter" Museumswächter bemalte am ersten Tag Gemälde

Der Russe wurde daraufhin an seinem ersten Arbeitstag gefeuert. Das Gemälde, "Drei Figuren" von Anna Leporskaja, muss nun restauriert werden.

von Johannes Arends

Ein abstraktes Gemälde im Wert von knapp 1,3 Millionen Euro ist offenbar Ende Dezember im Boris-Jelzin-Center im russischen Jekaterinburg von einem Museumswächter beschmiert worden. Der bei einer privaten Sicherheitsfirma angestellte Mann habe den "Drei Figuren" der russischen Künstlerin Anna Leporskaja mit einem Kugelschreiber Augen aufgemalt. Wie Alexander Drozdow, Direktor des Jelzin-Centers, am Mittwoch erklärte, habe der Wächter der Polizei gegenüber angegeben, er sei schlicht "gelangweilt" gewesen.

Für Anna Reschetkina, die Kuratorin der Ausstellung, kann das jedoch nicht das Motiv gewesen sein. Sie geht eher von "einer Art plötzlichem Verfall der Vernunft" aus. "Die Tinte ist leicht in die Farbschicht eingedrungen", erklärte Reschetkina im aktuellen Newsletter des Museums. "Zum Glück hat der Vandale mit dem Kugelschreiber nicht besonders stark aufgedrückt, der ursprüngliche Schwung der Pinselstriche wurde also nicht nachhaltig beschädigt." Das Gemälde muss nun trotzdem restauriert werden, die Kosten dürften dabei aber wohl nur wenige Tausend Euro betragen.

Der Vorfall hatte allerdings auch noch ein politisches Nachspiel. So hatte das Museum zunächst die Polizei informiert, die zuständige Behörde des Oblasts Jekaterinburg lehnte jedoch zunächst ein Verfahren gegen den Wächter ab, da der Schaden zu "insignifikant" gewesen sei. Nachdem sich das Jelzin-Center anschließend an das russische Kulturministerium wandte, wurden die Beamten in Moskau aktiv - und sollen den zuständigen Staatsanwalt in Jekaterinburg sogar in die Hauptstadt zitiert und dort ordentlich die Leviten gelesen haben.

Nun wurde das Verfahren also eröffnet, dem Museumswächter drohen für die Folgen seiner Langeweile bis zu drei Monate Haft.

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