© AP / John Minchillo

Chronik Welt
08/07/2019

Dayton-Amoklauf: Schütze hatte Gewaltfantasien

Der Amoklauf des 24-Jährigen am Samstagabend sei nach bisherigen Erkenntnissen nicht rassistisch motiviert gewesen.

Der Todesschütze aus Dayton im US-Staat Ohio hat sich nach Angaben der Ermittler seit Langem für "gewaltsame Ideologien" und Amokläufe interessiert. Die Bundespolizei FBI eröffne daher eine Untersuchung zu dem Fall, gab ein Vertreter der Behörde am Dienstag bekannt. Der Todesschütze habe bereits in der Vergangenheit erkennen lassen, dass er einen Amoklauf habe begehen wollen.

Das FBI machte keine genauen Angaben zur Ideologie des Täters, berichtete aber, die Tat sei nach bisherigen Erkenntnissen nicht rassistisch motiviert gewesen. Ein 24-Jähriger hatte am Samstagabend mit einem Sturmgewehr vor einer Bar in Dayton scheinbar wahllos das Feuer eröffnet. Er tötete neun Menschen, darunter seine eigene Schwester, bevor er nach rund 30 Sekunden von der Polizei unter Feuer genommen wurde. Der Angreifer wurde getötet. Das Motiv für diese Tat ist bisher unklar. Unter den Opfern sind sechs Schwarze. Ser schütze soll in der Vergangenheit frauenverachtende Verhaltensweisen gezeigt haben.

Rund 13 Stunden vor dem Blutbad in Dayton erschoss ein Schütze in der texanischen Stadt El Paso 22 Menschen, darunter mehrere Mexikaner und auch ein Deutscher. Die Ermittler gehen hier von einem rassistischen Hintergrund aus. Er habe vor allem Latinos und Mexikaner angreifen wollen, hieß es. Der mutmaßliche Täter - ein 21-jähriger Weißer - ergab sich der Polizei und ist in Gewahrsam.

US-Präsident Donald Trump wird die beiden Städte am Mittwoch besuchen. Bei Bewohnern und örtlichen Politikern stößt dies auf Kritik. Trump hat die Eindämmung illegaler Einwanderung über die US-mexikanische Grenze zu einem Kernpunkt seiner Präsidentschaft gemacht. Kritiker werfen ihm vor, mit seiner Rhetorik gegen Migranten und politische Gegner den Rassismus im Land zu befeuern.

"Er ist hier nicht willkommen. Er sollte nicht hierherkommen, während wir noch trauern", sagte die demokratische Kongressabgeordnete Veronica Escobar, die El Paso vertritt. Trotz Einladung werde sie nicht an seinem Besuch teilnehmen. Trump müsse sich entschuldigen und seine "rassistischen und hasserfüllten" Äußerungen zurücknehmen, schrieb sie am Dienstag auf Twitter. Auch der texanische Präsidentschaftsbewerber Beto O'Rourke sah Trump in der Verantwortung. Der Präsident habe "geholfen, den Hass zu schaffen, der die Tragödie vom Samstag möglich machte", erklärte er.

Der Bürgermeister von El Paso, Dee Margo, erklärte, es sei seine Pflicht, den Präsidenten zu begrüßen, das sei jedoch keine politische Botschaft. Er werde sich aber gegen jegliche "verletzenden oder falschen Aussagen" über El Paso wehren - ein klarer Seitenhieb gegen Trump, der El Paso häufiger kritisiert hatte. Die Stadt stehe für eine grenzübergreifende Kultur nach dem Motto "Bienvenidos" (Spanisch für Willkommen), sagte Margo - wie Trump ein Republikaner - am Montag.

Trump hatte die verheerenden Bluttaten am Montag als barbarisch verurteilt. Er forderte Gesetzesänderungen, um sicherzustellen, dass psychisch Kranke, die eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen, nicht in den Besitz von Waffen kommen können. Demokraten forderten dagegen generell strengere Hintergrund-Checks für Waffenkäufer. Sie versuchen seit Monaten, dies im Kongress durchzusetzen, Trumps Republikaner blockieren das Vorhaben jedoch im Senat.

Seit Jahresanfang hat es laut einer Statistik der Organisation Gun Violence Archive in den USA mehr als 250 sogenannte "Mass Shootings" gegeben, also Fälle, bei denen mindestens vier Menschen durch Schusswaffengewalt verletzt oder getötet wurden. Rechnerisch ist das mehr als ein solcher Fall pro Tag.

Unterdessen leitete das FBI Terrorermittlungen zu einem Schusswaffenangriff auf ein Food-Festival in Kalifornien Ende Juli ein. Ein 19-Jähriger hatte auf dem Garlic Festival (Knoblauch-Festival) von Gilroy drei Menschen erschossen, unter ihnen zwei Kinder. Als Polizisten ihn stellten, erschoss er sich selbst.

Nach Angaben von FBI-Agent John Bennett interessierte sich der Angreifer für verschiedene "gewaltsame Ideologien". Außerdem habe er eine Liste mit möglichen Angriffszielen erstellt, darunter religiöse Einrichtungen, Behördengebäude, Gerichte, politische Parteien sowie das Knoblauch-Festival. Das FBI leitete deswegen Ermittlungen wegen inländischem Terrorismus ein.

Das genaue Motiv sei aber nach wie vor unklar, sagte Bennett. Der 19-Jährige soll vor der Tat im Internet ein Buch über die Überlegenheit der "weißen Rasse" zitiert haben.