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Chronik | Welt
06/03/2019

Boeing: Neue Probleme mit den MAX-Jets

Lamellen am Flügel müssen getauscht werden. Das MCAS-System wurde offenbar aggressiver gemacht.

Nicht vor August werden die durch zwei Abstürze mit 346 Toten schwer in Verruf gekommenen Boeing-Maschinen vom Typ 737 MAX wieder abheben. Doch das wäre schon der beste Fall, denn noch immer vergeht kaum eine Woche ohne Hiobs-Botschaften.

Die selbst in der Kritik stehende US-Luftfahrtbehörde FAA hat nun bei 179 der bisher 370 ausgelieferten Maschinen einen Austausch der Lamellen angeordnet. Ursache ist ein Fertigungsfehler. Die Lamellen sind vorne auf den Flügeln angebracht und dienen bei der Landung als Bremse. Laut Experten führt ein Problem damit nicht zum Absturz, kann aber die Maschine beschädigen.

MCAS wieder im Visier

Weiters sorgt aber das Stabilitätsprogramm MCAS für Aufsehen. Dieses regelt die Fluglage (Trimmung) und soll bei den Abstürzen in Indonesien und Äthiopien die Nase des Jets aggressiv nach unten gerissen haben – was zum Absturz geführt haben dürfte. Grund dafür dürfte auch sein, dass nur ein Sensor die Fluglage misst. Dieser könnte im Fall Äthiopien durch einen Vogelschlag beschädigt worden sein. Entsprechende Theorien waren im KURIER bereits am Tag nach dem Absturz zu lesen – mittlerweile gehen auch viele Flugexperten davon aus.

Laut New York Times soll das MCAS-System ein Jahr vor der Fertigstellung noch einmal überarbeitet worden sein. Während sich die ursprüngliche Version offenbar noch auf Daten von zwei Sensortypen stützte, wurde letztendlich dann nur einer verwendet. Eigentlich ein No-Go im Flugzeugbau.

Boeing hatte kurzfristig entschieden, den Einsatz dieses Stabilisierungssystems in seinen Maschinen auszuweiten. Die Grund dafür ist unklar, aber – wie berichtet – liegen die Antriebsdüsen am Flügel sehr weit vorne und stören massiv die Flugeigenschaften. Diese soll das MCAS ausgleichen. Aus physikalischen Gründen konnte offensichtlich einer der Sensortypen dafür aber nicht mehr verwendet werden. Die Software war damit von einem Sensor vollkommen abhängig.

Im Fall Indonesien gibt es die Vermutung, dass dieser Angle-of-Attack-Sensor defekt war und nicht rechtzeitig ausgetauscht wurde. Bei Addis Abeba glauben die Experten, dass beim Anflug auf die Position Bole 2 ein Vogel den Sensor getroffen haben könnte.

Laut einer Umfrage des Aero-Telegraph unter 6.400 Lesern hätten 87 Prozent jedenfalls ein mulmiges Gefühl, jemals in eine MAX-Maschine einsteigen zu müssen.