Prinz Charles mit seiner Mutter, Queen Elizabeth II., und Bruder Andrew

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Chronik Welt
12/02/2019

Affäre um Prinz Andrew: Wird Charles jetzt Regent?

Der Skandal um den Bruder des britischen Thronfolgers lässt die Gerüchte über einen Rücktritt der Queen hochkochen.

von Konrad Kramar

Royale Umbrüche kündigen sich an. „Er weiß, was passiert ist, ich weiß, was passiert ist – und nur einer von uns erzählt die Wahrheit.“ Hinter diesem Satz verbirgt sich neuer Zündstoff für den größten Skandal des britischen Königshauses seit Jahren.

Die Frau, die sich vor den Kameras der britischen BBC am Montagabend äußern sollte, heißt Virginia Guiffre. Sie war eines jener Mädchen, die vor Jahren zum Sex mit Prinz Andrew gezwungen worden sein sollen.

Dass Guiffre jetzt mit diesen Vorwürfen an die Öffentlichkeit geht, ist der jüngste Tiefpunkt in der Affäre um den Prinzen und seinen einstigen US-Millionärsfreund Jeffrey Eppstein – und die könnte das Königshaus nachhaltig umkrempeln.

Die persönliche Standpauke des großen Bruders ist Andrew, 59, bisher erspart geblieben. Charles aber hat in der Affäre rund um Sex, Missbrauch und Prostitution das Krisenmanagement übernommen. Eine Aufgabe, die laut britischen Medien die Generalprobe für eine neue Rolle sein könnte.

Andrew hatte in einem Interview mit der BBC die Flucht nach vorne angetreten. Doch seine Beteuerungen, er habe von Zwangsprostitution und Missbrauch bei Epstein nichts gewusst, erwiesen sich nicht nur als unglaubwürdig, sondern zeigten Andrew auch als Playboy, den das Leid der missbrauchten Mächen nicht zu kümmern schien.

Konsequenzen gezogen

Die königliche Familie zog aus dem Skandal erstaunlich rasch einschneidende Konsequenzen. Andrew, der die wichtigsten Förderer für seine – als Sohn der Königin unerlässlichen – sozialen Projekte verloren hat, legte alle öffentliche Aufgaben nieder und versprach, die ermittelnden Behörden zu unterstützen.

Charles war zwar auf Besuchstour durch Neuseeland, soll sich aber sofort nach der Heimkehr telefonisch in die familiären Beratungen eingeschalten haben. Gerüchte, dass er Andrew persönlich zu sich zitieren werde, bewahrheiteten sich bisher nicht.

Vielmehr reiste der Prinz zu seinem Vater Philip weiter, der, inzwischen 98-jährig, zurückgezogen auf seinem Landsitz residiert. Dort soll man das weitere Vorgehen in Sachen Andrew besprochen haben.

Charles jedenfalls soll die ganze Affäre und deren Hintergründe bis ins Detail recherchiert und sämtliche Beweise gegen seinen kleinen Bruder überprüft haben.

"Die Firma führen"

Der Fall, so meinte ein Palast-Insider gegenüber der Boulevardzeitung Sun, „hat Charles die Möglichkeit gegeben, zu zeigen, dass er die Firma führen kann“. Es sei sozusagen die Generalprobe für die neue Rolle des 71-jährigen Thronfolgers: als Prinzregent und De-facto-König.

Die Queen hat immer wieder betont, dass sie ein Leben lang ihrem Volk dienen wolle. Seit sich allerdings Ehemann Philip vor zwei Jahren von allen öffentlichen Aufgaben zurückgezogen hat, sagt man auch ihr ähnliche Absichten nach. Ein geeigneter Zeitpunkt dafür sei ihr 95. Geburtstag im April 2021.

Dass Charles dann als Prinzregent übernehmen würde, Elizabeth aber formal Königin bliebe, hätte einen Vorteil: Charles könnte so selbst Sohn William zum Thronfolger bestimmen, und der würde nach Ableben der Oma ohne Umwege britischer König. Beim Fall Andrew jedenfalls soll sich Charles auch mit William eng abgestimmt haben.