Die 737 MAX aus Pilotensicht

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Chronik Welt
04/04/2019

Absturzserie von Boeing 737-MAX8: Neues Video entlastet Piloten

Crew machte keine Fehler / Problem liegt offenbar beim Sensor / Weiterer Vorfall mit „Dreamliner“

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Wie lange dauert es, um eine Boeing 737-MAX8 wieder einzufangen, wenn die Nase außer Kontrolle gerät? Laut einem Video, das das Fachmedium Aviation Herald zugespielt bekommen hat, bei einem erfahrenen Piloten in niedrigen Flughöhen rund 30 Sekunden, bei einem weniger erfahrenen etwa eine Minute.

Das Stabilitätsprogramm MCAS, das die Nase so außer Kontrolle bringt, kann vom Piloten abgestellt werden. Aber sie aktiviert sich nach fünf Sekunden wieder automatisch. Man muss kein Mathematiker sein, um zu sehen, dass sich da etwas nicht ausgeht und der Pilot offenbar keine Chance hat.

Das Video:

Der Zwischenbericht zu dem Absturz einer Ethopian-Maschine am 10. März hält jedenfalls fest, dass die beiden Piloten vollkommen richtig gehandelt haben. Sie haben nach jenen Vorgaben von Boeing gehandelt, die nach dem Absturz einer typengleichen Maschine der Lion Air in Indonesien ausgegeben wurden.

Vogelschlag?

Immer deutlicher in den Fokus rückt nun jener Sensor, der das MCAS-System offenbar verwirrt. Dieser misst die Fluglage („Angel of Attack“) und danach richtet sich die Software. Der KURIER berichtete bereits am Tag nach dem Absturz nahe Addis Abeba darüber, dass dieser durch einen Vogelschlag beschädigt worden sein könnte. Die britische Sun bestätigt nun unter Berufung auf zwei Quellen aus Ermittlerkreisen, dass es offenbar kurz nach dem Start irgendeine Kollision des Sensors mit etwas anderem gegeben hat. Offiziell gibt es dazu aber keine Bestätigung.

Prinzipiell sollte das alles aber kein Problem darstellen. Normalerweise sind System im Flugzeug redundant gebaut, es gibt immer einen unabhängigen Kreis als Sicherheitsnetz. Doch in diesem Fall wurde das nur als Extra gegen Aufpreis eingebaut, wie der KURIER schon nach dem Absturz berichtet hat. So eine System hatte etwa die US-Fluglinie nach dem Lion-Air-Absturz nachgerüstet.

Prozesse drohen

Wer für das Fehlen des Sicherheitsnetzes verantwortlich ist und war und warum dies alles von den genehmigt wurde, wird wohl noch jahrelang vor Gericht ausgestritten werden. Ob die Kontrolle versagt hat oder Boeing die Behörde getäuscht hat, darüber gibt es derzeit nur wilde Spekulationen. Offenbar erlaubte die US-Luftfahrtbehörde FAA dem Hersteller aber, Teile der Kontrollen selbst zu erledigen.

Die äthiopische Verkehrsministerin Dagmawit Moges betonte aber, Boeing sei nun einmal gefordert und müsse eine funktionierende Software zur Verfügung stellen.

Unklar ist hingegen, wieso der Sensor in Indonesien auch nicht funktioniert hat. Beim Flug davor gab es bereits Probleme. Ob der Sensor danach getauscht wude, bleibt offen. Wurde er das, dann liegt der Fehler vermutlich eher in der Software. Das ist nicht unwahrscheinlich, da auch andere Piloten dieses Problem hatten.

Triebwerksprobleme bei 787

Boeing hat aber auch immer stärkere Probleme mit dem größeren „Dreamliner“. Die 787 war wie nun die 737 bereits kurz nach Verkaufsstart mit Flugverbot belegt. Damals gab es Selbstentzündungen mit den Batterie, die mit einem Bleikasten relativ schnell gelöst wurden. Nun macht auch das (von Fremdherstellern stammende) Triebwerk Probleme. Offenbar ist die Langlebigkeit der Schaufeln nicht so gut wie angenommen. Singapore Airlines lässt zwei Maschinen des Typs derzeit am Boden.

Doch am Donnerstag wurde ein weiterer Vorfall bekannt: Eine Maschine der australischen Jetstar hatte auf dem Weg von Osaka (Japan) nach Cairns (Australien) kurz nach dem Start plötzlich einen starken Rückgang des Schubs bei einem Triebwerk, woraufhin auch das andere enorm an Leistung verlor. Danach kam es zu einer Rücklandung in Osaka. Der Vorfall wird derzeit noch untersucht.

Der Dreamliner landet auch in Wien. Ethopian setzt die Boeing 787 auf ihrem Flug nach Addis Abeba ein.

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