Der Jet einen Monat vor dem Absturz

© LLBG Spotter/Wikipedia/CC BY-SA 2.0

Luftverkehr
04/04/2019

Boeing 737-MAX8: Neue Hinweise auf Absturzursache

Offizieller Untersuchungsbericht bestätigt das noch nicht, aber offenbar spielt ein Sensor eine große Rolle.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

In der Startphase des Ethopian-Fluges nach Nairobi gab es offenbar eine folgenschwere Kollision. Irgendein Objekt traf den sogenannten "Angel-of-Attack"-Sensor und zerstörte ihn. Mit diesem wird die Luftlage (Trimmung) angezeigt und mit diesem einzigen Sensor wird das Stabilitätsprogramm MCAS gesteuert.

Der defekte Sensor meldete anschließend unterschiedliche Daten und verwirrte so die Boeing-Software. Die Maschine wurde unsteuerbar und stürzte in der Folge ab, weil die Piloten die Nase des Jets nicht in die richtige Position bekommen haben. "Hochziehen, hochziehen", waren die letzten Worte im Cockpit.

Sensor beschädigt

Der KURIER hatte bereits am Tag nach dem Unfall berichtet, dass der beschädigte Sensor die wahrscheinliche Ursache ist und vermutlich ein Vogelschlag das alles ausgelöst haben könnte. Nun bestätigt das auch die britische Zeitung TheSun unter Berufung auf zwei Quellen aus Ermittlerkreisen.

Das alles hätte vermutlich verhindert werden können, wenn Boeing eine entsprechende Aufrüstung mit weiteren Sensoren und einer Anzeige am Display des Piloten eingebaut hätte. Wie kurz nach dem Absturz berichtet, gab es dies allerdings nur gegen Aufpreis - lediglich einige US-Airlines wie die Southwest rüsteten diesen seit Dezember nach. Ethopian und die in Indonesien abgestürzte Lion Air hatten dieses zusätzliche System offenbar nicht.

Normalerweise sind alle Systeme in Flugzeugen redundant gebaut. Das heißt, dass es immer zwei unabhängige Systeme gibt, um die Sicherheit auch bei einem Ausfall zu gewährleisten. Warum das hier nicht geschah und das alles genehmigt wurde, wird wohl noch das Hauptthema von Gerichtsverfahren und Untersuchungen werden.

Offizieller Behördenbericht

Die Besatzung der in Äthiopien abgestürzten Boeing hat offensichtlich alle vom Hersteller vorgesehenen Vorgaben befolgt, konnte das Flugzeug aber nicht unter Kontrolle bringen. Dies ergab der erste vorläufige (bisher noch nicht veröffentlichte) Untersuchungsbericht zu dem Unglück vom 10. März, wie die äthiopische Transportministerin Dagmawit Moges am Donnerstag in Addis Abeba sagte. Darin wird betont, dass die Piloten richtig gehandelt haben und sich an alle Vorgaben von Boeing gehalten haben.

Statement von Ethopian zum Zwischenbericht:

Der beschädigte Sensor wurde dabei nicht erwähnt. Ebenso dass die Piloten offenbar vier Mal das MCAS-System abgeschaltet hatten - dieses sich aber von selbst wieder nach ein paar Sekunden aktiviert hat. Eine konkrete Absturzursache wird in dem offiziellen Bericht nicht genannt. Dies ist allerdings üblich in so einem frühen Stadium, weil sich die Untersucher erst nach Vorliegen von entsprechenden Gutachten schriftlich festlegen wollen.

So könnte außer einem Vogelschlag auch ein prinzipielles Problem bei dem Sensor vorliegen. Dann wäre es aber unklar, warum dies offenbar bei den zwei Abstürzen und in einigen anderen Fällen auftrat, in vielen Fällen aber gar nicht.

Boeing müsse jedenfalls nun die "Steuerbarkeit" der MAX-Maschinen sicherstellen, forderte Ministerin Moges. Denn auch beim Absturz in Indonesien spielten falsche Sensordaten eine entscheidende Rolle. Diese traten bereits beim Flug davor auf, konnten aber mit Hilfe eines zufällig anwesenden dritten Piloten gerade noch gemeistert werden. Wie der Sensor bei dieser Boeing 737-MAX8 beschädigt wurde, ist allerdings noch unbekannt. Es gibt unterschiedliche Berichte, ob er tatsächlich vor dem Absturz ausgetauscht wurde.

Derzeit prüft die US-Luftfahrtbehörde FAA ein Update von Boeing, das sich aber um mehrere Wochen verzögert. Danach muss es auch von anderen Luftfahrtbehörden geprüft und dann aufgespielt werden. Zusätzlich versprach Boeing eine Aufrüstung auf das zweite Sicherheitssystem.

Das Grounding (Flugverbot) für die gesamte Flotte verursacht enorme Kosten, die in die Milliarden gehen. Wann die Jets wieder abheben können, ist noch unklar. Experten sind sich nicht sicher, ob die bereits ausgelieferten 371 MAX8-Maschinen heuer noch einmal abheben können.

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