Luftfahrt
06/17/2019

41 Tote: Deshalb ging Passagierjet in Moskau in Flammen auf

Zwischenbericht: Offenbar mehrere Fehler des Piloten. Neues Video von der Bruchlandung aufgetaucht.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Es war offensichtlich eine ganze Serie an Fehlern, die am 5. Mai in Moskau 41 Menschen das Leben gekostet hat. Ein russischer Superjet-100 der Aeroflot war bei der Landung in Flammen aufgegangen. Probleme hatte es auch mit der Evakuierung der Maschine gegeben, außerdem gab es Kritik am spĂ€ten Eintreffen der Feuerwehr.

Nun liegt bereits der 104-seitige Zwischenbericht des Interstate Aviation Committee (IAC) vor. Den ersten Fehler dĂŒrften der Pilot und sein Co-Pilot demnach bereits kurz nach dem Start begangen haben. Von 14 aufgelisteten FlĂŒgen umflogen 13 ein schweres Gewitter, nur diese Maschine flog einfach mitten durch.

Neues Video der kompletten Bruchlandung:

Noch wÀhrend des Durchfluges besprach die Crew ein Umdrehen. Doch plötzlich schlug der Blitz ein, drei Sekunden spÀter fiel der Autopilot aus, die Maschine musste im so genannten "Direct-Mode" (mit minimaler technischer Hilfe) geflogen werden. Auch Teile des Funkverkehrs gingen nicht mehr.

"Routine-Modus"

Nach kurzer Diskussion setzte der Pilot ĂŒber die Notfrequenz den Funkspruch "PAN-PAN" ab, ein Dringlichkeitssignal. Der Co-Pilot erklĂ€rte dem Tower die Situation, meinte aber, dass derzeit "alles im Routine-Modus" lĂ€uft und keine weitere Hilfe notwendig sei. Vermutlich stand deshalb bei der Landung keine Feuerwehr parat.

Rund 15 Minuten nach dem Blitzeinschlag kĂŒndigte der Pilot die Landung an. Vor dem Aufsetzen gab es eine automatische Warnung im Flugzeug vor schweren Winden ( “GO-AROUND, WINDSHEAR AHEAD”) - ein Durchstartemanöver wurde angeraten. Die Crew ignorierte das aber und setze den Sinkflug fort. Doch das Flugzeug war zu schwer und zu schnell.

1,6 Tonnen ĂŒber dem maximalen Landegewicht hatte der Jet und rund eine Minute vor der Landung war er 315 km/h schnell zu einem Zeitpunkt als 287 km/h vorgeschrieben waren. Als der Aeroflot-Flieger aufsetzte, prallte er zweimal auf der Landebahn ab - einmal rund zwei Meter, danach fĂŒnf Meter. Es traten dabei KrĂ€fte von fast 6G auf, die zu Ohnmacht fĂŒhren können.

Nach dem zweiten Aufschlag wollte der Co-Pilot die Schubumkehr auslösen (was die Automatik verhinderte) und drĂŒckten den Lenkstick nach vorne auf eine Art Sturzflug, beim dritten Aufprall brach das Fahrwerk und der Tank ging in Flammen auf. Der Superjet 100 rutschte mit 185 km/h unkontrolliert ĂŒber die Landebahn.

33 Sekunden brennend gerutscht

Bereits sechs Sekunden nach den ersten Flammen wurde am Flughafen Sheremetyevo Alarm ausgelöst, so der Bericht. Zu diesem Zeitpunkt schlitterte das Flugzeug noch ĂŒber die Landebahn, es kam erst nach 33 Sekunden zum Stillstand. Nach 47 Sekunden kam der Befehl zur Evakuierung der Maschine.

Die IAC-PrĂŒfer wollen die Schuld vorerst nicht komplett den Piloten von Flug SU1492 geben und schreiben nur von "Besonderheiten" bei der Pilotierung. Auch soll noch geprĂŒft werden, ob es VersĂ€umnisse bei der Evakuierung gegeben hat und ob die Crew gesundheitlich in guter Verfassung war. Außerdem hat der Jet keine Notrutschen ĂŒber den FlĂŒgeln und offenbar keine Möglichkeit, vor der Landung Treibstoff abzulassen.

All das wird noch untersucht und analysiert werden, einen Endbericht zu erstellen dauert aber meist ein Jahr. Interessanter Nebenaspekt: Der Blitzeinschlah zerstörte auch einen Angle-of-Attack-Sensor. Eine BeschĂ€digung dieses Teils wird bei der Boeing-MAX-Absturzserie als Auslöser gesehen wegen dem das umstrittene StabilitĂ€tsprogramm MCAS verrĂŒckt gespielt hat. Beim Superjet war aber ein zweites System im Einsatz, das funktionierte.

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