Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

NS-Parolen und Prügel: Burschenschafter sollen Taxifahrer attackiert haben

Der Vorfall ereignete sich im Zuge einer Feier der Burschenschaft "Leder". Die Polizei ermittelt.
Ein leuchtendes Taxi-Schild bei Nacht.

Ein Taxilenker aus Leoben wurde in der Nacht auf Samstag im Stadtteil Donawitz schwer verletzt. Nach den Angaben des 57-Jährigen wurde er von drei Männern attackiert und getreten, nachdem es zuvor zu einer Auseinandersetzung mit zwei Fahrgästen gekommen war. Die Angreifer waren laut dem Lenker Burschenschafter. Das berichtet derstandard.at.

Die Polizei bestätigte einen Einsatz sowie laufende Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung und nationalsozialistischer Wiederbetätigung gegen die noch unbekannten Angreifer.

Burschenschaft

Der Vorfall soll sich gegen 2.20 Uhr ereignet haben, als der Fahrer laut eigener Schilderung zu einem Firmengelände gerufen wurde, auf dem eine Veranstaltung der Leobener Burschenschaft "Leder" stattgefunden haben soll. Dort seien mehrere Hundert Personen anwesend gewesen.

Laut dem Taxilenker waren zwei Personen in sein Taxi gestiegen, die NS-Parolen wie "Sieg Heil" riefen. Das wollte der Lenker nicht ignorieren; er habe die Fahrgäste daraufhin aufgefordert, das Taxi zu verlassen, und die Polizei verständigt, wie er sagt.

Die Auseinandersetzung blieb nicht unbemerkt, mehrere Teilnehmer der Burschenschaft-Veranstaltungen mischten sich ein. Drei davon gingen schließlich auf den Fahrer los; sie sollen ihn geschlagen und am Boden liegend in Oberkörper, Kopf und Kehlkopf getreten haben. Dabei habe er unter anderem Prellungen, Schürfwunden sowie Kopfverletzungen erlitten. Auch von Beschimpfungen erzählte der Taxilenker; die Angreifer sollen ihn als "Ausländerschwein" und "Hurensohn" beschimpft haben.

Polizei schritt ein

Das Eintreffen der Polizei habe die Situation schließlich beendet, schildert der Standard. Diese sprach von „Verletzungen unbestimmten Grades“ und teilte mit, dass die Ermittlungen laufen würden, auch Einvernahmen von Zeugen seien noch ausständig. Zudem sei das Umfeld der Veranstaltung bereits im Vorfeld verstärkt überwacht worden.

Denn schon im Vorfeld war politische Kritik an der Veranstaltung der Burschenschaft laut geworden. Die Feierlichkeiten standen im Zeichen des 140. Stiftungsfestes. Als Festredner war unter anderem der deutsche Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich angekündigt worden, der selbst in der AfD als zu extrem gilt. Die Montanuniversität Leoben hatte sich explizit von Helferich distanziert.

SPÖ fordert "volle Aufklärung"

Aus der Politik kamen bereits erste Reaktionen: Die SPÖ-Abgeordneten Sabine Schatz und Wolfgang Moitzi verurteilten den Angriff auf den Taxilenker scharf und forderten umfassende Aufklärung sowie konsequente strafrechtliche Verfolgung. „Es ist unfassbar, dass ungeniert ‚Sieg Heil‘ gerufen wird und es dann auch noch zu offener Gewalt an Personen kommt“, sagte Schatz. „Rechtsextremismus ist eine immer größer werdende Gefahr, Vorfälle wie jene in Leoben dürfen nicht konsequenzlos bleiben.“ Gemeinsam mit Moitzi wird die Abgeordnete eine parlamentarische Anfrage einbringen, um die Vorfälle aufzuklären.

Auch der Verband Sozialistischer Studenten und Studentinnen Leoben (VSStÖ) forderte langfristige, strukturelle Konsequenzen seitens des Rektorats der Montanuniversität Leoben. "Dass sich die Rechtsextreme in Leoben offenbar so wohl und sicher fühlen, ist kein Zufall. Es ist das direkte Ergebnis jahrelanger struktureller und finanzieller Unterstützung sowie des chronischen Wegsehens von Rektorat, Stadtregierung und auch Teilen der ÖH Leoben“, so Helena Körner vom VSStÖ.

Die Ermittlungen der Polizei dauern derweil an.

Kommentare