Vor allem in Tourismusgebieten sind Nebenwohnsitze begehrt

© Bahrer-Fellner Ingrid

Chronik Österreich
02/14/2020

Zweitwohnsitze: Strenge Regeln gegen kalte Betten

Die Anzahl an Nebenwohnsitzen wächst vor allem in Tourismusgemeinden. Bundesländer versuchen, Richtlinien zu verschärfen.

von Elisabeth Holzer, Christian Willim

Ob im Skigebiet, am See oder im Weinland, der Trend zum Wochenend- oder Feriendomizil ist ungebrochen: Rund 1,2 Millionen gemeldete Neben- oder Zweitwohnsitze gibt es in Österreich verglichen mit 2012 ein Zuwachs um rund vier Prozent.

Nicht alle Bürgermeister sind von dieser Entwicklung gleichermaßen entzückt. Vor allem in den Tourismusgemeinden stößt man sich daran: Zweitwohnsitz-Inhaber (oder die Investoren dahinter) würden Einheimische verdängen beziehungsweise ihnen den (Bau-)Platz teurer machen. Das rügte etwa eine Bürgerinitiative in Schladming kürzlich.

Unleistbare Summen

Eine Sorge, die Gerhard Koch, FPÖ-Bürgermeister von Weißensee in Kärnten, nachvollziehen kann: "Investoren zahlen Summen, die kann sich ein Einheimischer gar nicht mehr leisten." 1.000 Euro pro Quadratmeter seien da schon keine Seltenheit mehr. "Seengebiete werden interessanter, da weiß man, der Wert des Grundstücks wird steigen." In Weißensee liegt das Verhältnis bei 800 Haupt- zu 500 Nebenwohnsitzen.

Immer mehr Bundesländer versuchen deshalb, den Zugang zu Freizeitdomizilen zu beschränken. Sie sind besonders dort begehrt, wo die Menschen auch gern ihren Urlaub verbringen: Es ist daher kein Zufall, dass das sogenannte Problem der "kalten Betten" – also von vornehmlich nur für Wochenenden und Ferien genutzten und ansonsten leer stehenden Eigenheimen – im Westen besonders drängend ist. Rund 20 Millionen der 46 Millionen Österreich-Urlauber kommen jährlich nach Tirol und Salzburg: Die Lust der Gäste auf eine Wohnung oder gar Luxusvilla im Ferienort treibt in vielen Tourismusgemeinden die Preise in die Höhe.

In Tirol versucht das Land bereits seit Jahren mit einer eigenen Widmungskategorie – dem Freizeitwohnsitz – über die Raumordnung regulierend einzugreifen. Freizeitwohnsitze sind bewilligungspflichtig. Doch eine 2016 eingeführte Obergrenze von acht Prozent je Gemeinde kam in Hotspots wie dem Bezirk Kitzbühel zu spät.

Saftige Strafen

Neben mehr als 16.000 bereits legal existierenden Freizeitwohnsitzen in ganz Tirol gibt es noch geschätzte 10.000 illegale. Um diese aufzudecken, wollen Land und Gemeinden nun ein eigenes Kontrollorgan installieren. In Salzburg denkt die Regierung an eine Leerstands- sowie Zweitwohnsitzabgabe wie in Kärnten und Vorarlberg. Ende 2019 lief die Frist ab, Zweitwohnsitze zu melden: Andernfalls drohten Strafen von bis zu 25.000 Euro oder gar die Versteigerung des Objekts. Gemeldet wurden 3.000 allerdings wurden zuvor bis zu 60.000 Zweitwohnsitze vermutet.

In der Steiermark befasst sich ein Unterausschuss im Landtag mit der Problematik, denn pro Jahr kommen rund 1.200 neue Zweitwohnsitze dazu. "Es wird sich zeigen, ob und inwieweit nachgeschärft werden muss", sagt Landesrätin, Ursula Lackner, SPÖ. "Wenn das nötig ist, wird die Regierung die entsprechenden Schritte setzen." Möglich wäre eine Änderung im Baugesetz oder die Ausweitung der Beschränkungszonen, in denen keine Zweitwohnsitze gestattet sind.

"Es ist aber ein Spagat", beschreibt jedoch Franz Frosch, ÖVP-Bürgermeister von Bad Aussee. "Wir wollen unsere Heimat nicht ausverkaufen, aber auch die Zweitwohnsitzler nicht verdammen." Aber Spekulanten eindämmen: Seit 2014 müssen jene, die in Bad Aussee Grund erwerben, eine Widmung unterzeichnen, wonach sie innerhalb von fünf Jahren ein Haus fertig haben. Läuft die Frist ab, müssen sie das Grundstück um 60 Euro pro Quadratmeter zum Kauf anbieten.